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15.12.2014 | Management + Führung | Interview | Onlineartikel

"Ehrenamtliches Engagement von Mitarbeitern fördern"

Autor:
Anja Schüür-Langkau

Führungskräfte, die im Rahmen eines Ehrenamts führen, müssen vor allem Vertrauen und Akzeptanz aufbauen. Unternehmen die, ein solches Engagement ihrer Mitarbeiter fördern, profitieren selbst davon, sagt Britta Redmann im Interview.

Springer für Professionals: Viele Menschen engagieren sich ehrenamtlich. Was sind die Hauptmotive für ein solches Engagement?

Britta Redmann: Bei Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren lässt sich feststellen, dass sie sich glücklicher fühlen und "besser drauf" sind. Denn sie tun etwas, was ihnen gut tut und erfüllen mit ihrem Tun persönliche Bedürfnisse. Diese Bedürfnisse sind bei jedem Menschen so individuell und verschieden ausgeprägt wie wir Menschen selbst: Dem einen geht es zum Beispiel darum, mit anderen Menschen in nahen Kontakt zu kommen, Gemeinschaft und Zugehörigkeit zu erleben, Beziehungen zu pflegen und etwas für andere tun zu können. Wieder andere finden es großartig, in ihrem Ehrenamt Verantwortung für ein Projekt oder eine Aufgabe übernehmen zu können. Sie mögen es zu gestalten und mit ihrem Wirken Einfluss zu nehmen. Auch die Anerkennung der eigenen Leistung und Person kann ein Motiv sein.

Was unterscheidet die Führung in einem Ehrenamt von der Führung im Unternehmen?

Ehrenamtliche Führung basiert hauptsächlich auf der Motivation der Freiwilligen selbst und der Motivation der Führungskraft. Es gibt keine vertragliche Struktur, wie beispielsweise einen Arbeitsvertrag, auf den die Führungskraft zurückgreifen kann oder auch keine disziplinarischen Sanktionsmittel wie Abmahnungen oder Kündigungen. Genauso wenig gibt es das Instrument der "Gehaltserhöhung". Die Führung ist daher ganz eng an die Person der Führungskraft und deren Verhalten geknüpft. Sie wird nur gelingen, wenn der Engagierte mit der Führung einverstanden ist und sich freiwillig zu einer Leistung oder einem Verhalten überzeugen lässt. Das ist dann der Fall, wenn der ehrenamtlichen Führungskraft vertraut wird und sie als Person und in der Führungsrolle akzeptiert wird.

Welche persönlichen Kompetenzen sollten Menschen mitbringen, die im ehrenamtlichen Bereich führen wollen?

Es gibt verschiedene persönliche Faktoren, die helfen, Vertrauen und Akzeptanz aufzubauen und zu erhalten. Wichtig sind hier aus meiner Sicht folgende:
– Glaubwürdigkeit: Ehrlichkeit im eigenen Auftreten.
– Vorbild sein: Sich bewusst machen, was einem an der eigenen Führung wichtig ist und dies auch leben und umsetzen.
– Konsequentes Handeln: Anderen zeigen, woran sie sind.
– Authentizität: Mit den eigenen Ecken und Kanten offen umzugehen und sich so zu zeigen, wie man ist.
– Lebenserfahrung nutzen: Die bisherigen Erfahrungen nutzen und das eigene Wissen mit anderen teilen.
- Selbstreflexion: Das eigene Tun hinterfragen und daraus Lernerfahrungen ableiten.  

Welches sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen bei der Führung im Ehrenamt?

Im Ehrenamt bringen sich unterschiedliche Menschen mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten, Kenntnissen und Hintergründen ein. Dabei gilt es, alle wertzuschätzend anzusprechen und entsprechend einzusetzen. Dies erfordert von der Führungskraft eine hohe Anpassungsfähigkeit. Zudem befinden sich die Engagierten in unterschiedlichen Lebensphasen und die Führung muss mit verschiedenen Belastbarkeiten und zeitlichen Ressourcen umgehen können. Auch der demografische Wandel macht vor dem Ehrenamt nicht halt. Das bedeutet, die Auseinandersetzung mit neuen jungen Generationen und der „Run“ auf den Nachwuchs wird eher mehr als weniger. Wichtig ist es, zukünftig noch flexibler auf unterschiedliche Bedürfnisse eingehen zu können und vielleicht auch, traditionelle Strukturen zeitgemäß anzupassen.

Warum sollten Unternehmen ehrenamtliche Engagements ihrer Mitarbeiter fördern?

Es hat sich in meiner Recherche gezeigt, dass es sich die Förderung von ehrenamtlichem Engagement positiv auf die Mitarbeiterbindung auswirkt. Das heißt, indem Unternehmen das ehrenamtliche Engagement ihrer Mitarbeiter fördern, unterstützen damit gleichzeitig das Mitarbeiterengagement im eigenen Unternehmen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass sich Unternehmen aufgrund des demografischen Wandels mit der Frage beschäftigen müssen, wie sie Mitarbeitern Sinnerfüllung bieten können und oder auch wie sie diese in den Berufsausstieg begleiten können. Gerade für Best Ager ist diese Thematik relevant, denn sie kann zu einer erhöhten Motivation und Lust an der beruflichen Tätigkeit enorm beitragen.

Können Sie Beispiele von Unternehmen nennen, die als Vorreiter für ehrenamtliches Engagement gelten?

Viele Großunternehmen bieten hier entsprechende Unterstützung an, zum Beispiel die Generali Deutschland Holding AG, Ford GmbH und viele große Versicherungskonzerne. Aber es gibt auch immer mehr kleine, mittelständische Unternehmen, die sich hier selbst ehrenamtlich engagieren oder auch das Engagement ihrer Mitarbeiter unterstützen, wie die Media Machine GmbH und auch viele Volks- und Raiffeisenbanken.

Zur Person
Britta Redmann ist seit 1996 umfassend als Führungsexpertin und Personalleiterin in unterschiedlichen Branchen tätig und auf Ehrenamt spezialisiert. Neben ihrer Ausbildung als Rechtsanwältin ist sie als Organisationsentwicklerin, Mediatorin und Coach qualifiziert. In diesem Rahmen bewegt sie sich selbst seit über 18 Jahren als Führungskraft und befasst sich täglich mit dem Thema Führung und Motivation von Menschen. In ihrer Freizeit ist sie selber im Ehrenamt engagiert. In ihrem neuen Buch "Erfolgreich Führen im Ehrenamt" erläutert sie die besonderen Herausforderungen und den Nutzen für Unternehmen.

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