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26.08.2014 | Management + Führung | Interview | Onlineartikel

"Leistungssteigerung ohne Verschleiß ist möglich"

Autor:
Anja Schüür-Langkau
3:30 Min. Lesedauer

Führungskräfte, die ihre Mitarbeiter an die Leistungsgrenze führen, schaffen die Voraussetzungen für Spitzenleistungen und steigern die Wertschöpfung des Unternehmens. Helfen kann dabei das Powerline-Modell der Springer-Autoren Susanne Basler und Klaus Gattinger.

Springer für Professional: Viele Mitarbeiter fühlen sich heute überlastet. Welches sind die entscheidenden Prinzipien bei der Führung an der Leistungsgrenze?

Susanne Basler: Grundlage ist zunächst die Unterscheidung zwischen Belastungs- und Leistungsgrenze. Leistung ist ein menschliches Bedürfnis aus dem Selbstwertgefühl, der Zuversicht und dem Selbstbewusstsein resultieren. An der Belastungsgrenze verschleißen Mitarbeiter, denn die Leistung wird durch eine für den Mitarbeiter zu hohe Anforderung erzeugt und sinkt im Laufe der Zeit immer weiter ab. An der Leistungsgrenze erbringen Menschen ihre Leistung durch die Entwicklung neuer Kompetenzen im persönlichen, fachlichen und methodischen Bereich. Dazu ist die Grenzerfahrung wichtig, in der der Mitarbeiter seine aktuelle Leistungsgrenze verschiebt und die dazu notwendigen Kompetenzen entwickelt. So ist Leistungssteigerung ohne Verschleiß möglich.

Was sind in diesem Kontext die wichtigsten Aufgaben einer Führungskraft?

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Klaus Gattinger: Führung bedeutet generell, das Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeit und Menschlichkeit in Unternehmen jeden Tag zu gestalten und auszutarieren. Eine gute Führungskraft ist sich dessen bewusst und übernimmt dafür die Verantwortung. Sie ist in der Lage, Mitarbeitern Orientierung in Bezug auf ihre Leistungserbringung zu geben. Sie kann Verantwortlichkeiten klar zuordnen und einfordern und schafft somit Sicherheit. Weiter ist eine gute Führungskraft in der Lage, das individuelle Leistungspotenzial der Mitarbeiter aktiv zu entwickeln und verfügbar zu machen. Dazu ermöglicht sie den Mitarbeitern, immer wieder an ihre Leistungsgrenze zu gehen, um dort Erfahrungen (Grenzerfahrungen) zu machen und davon zu profitieren. Diese Grenzerfahrungen sind ein entscheidender Wettbewerbsvorteil und machen Mitarbeiter selbstbewusst und mutig. Sie schaffen die Voraussetzungen für Spitzenleistungen im Team und Führung wird zur Wertschöpfung im Unternehmen.

Sie stellen in Ihrem Buch das Powerline-Modell vor. Was ist das genau?

Basler: Unser Powerline-Modell beschreibt die fundamentalen Grundlagen des Leistungsmanagements anhand des Zusammenhangs von Belastung und Bewältigung und wie daraus Leistung entsteht. Es zeigt die Belastungsgrenze, die aktuelle, situative und potenzielle Leistungsgrenze und es beschreibt das Hochleistungsplateau. Dabei fungiert es als Instrument für Führungskräfte, das Orientierung bietet und Handlungssicherheit gibt. Daraus abgeleitet haben wir ein umfassendes Führungsinstrumentarium (Führungsnavigator) entwickelt, mit dem Führungskräfte das Leistungsmanagement ihrer Mitarbeiter gezielt steuern und umsetzen können.

Was müssen Führungskräfte bei der Förderung von Spitzenleistungen besonders beachten?

Gattinger: Ausgehend vom Leistungsoptimum eines Mitarbeiters ist die Spitzenleistung möglich. In der Spitzenleistung gelten aber andere Gesetze und Mechanismen der Führung als im Bereich bis zum Leistungsoptimum. Die Führungskraft macht den Mitarbeiter hier zum Herausforderer, während sie im Bereich bis zum Leistungsoptimum mit ihm Aufträge aushandelt. Sie setzt Wettbewerb als Instrument ein und lässt damit zu, dass es Gewinner und Verlierer gibt. Die wichtige Grenzerfahrung bekommt in der Spitzenleistung einen neuen Aspekt: Scheitern ist eine mögliche Option und der sinnvolle Umgang damit, muss erlernt werden. Diese Situation belastet und fordert die Führungskraft sehr. Sie selbst muss dabei für sich an die Leistungs- und oft auch an die eigene Belastungsgrenze gehen, um Mitarbeiter zu deren Spitzenleistung zu führen. Es erfordert eine hohe Kenntnis der Mechanismen und der Prinzipien zum Führen an der Leistungsgrenze.

Zu den Personen
Susanne Basler (Dipl. Psych.) und Klaus Gattinger (Dipl.-Betriebswirt FH) haben über 20 Jahre Erfahrung als Managementberater und Coaches. Ihr zentrales Thema ist die Führung in schwierigen und komplexen Situationen. Zu ihren Kunden zählen mittelständische Unternehmen ebenso wie Großkonzerne. Gemeinsam betreiben sie am Ammersee das Unternehmen "Die FührungsCoaches", ein Beratungsinstitut für Führungskräfte und Entscheider. In ihrem neuen Buch "Führen an der Leistungsgrenze" bieten sie mit dem von ihnen entwickelten Powerline-Modell, ein Instrumentarium, um Mitarbeiter sicher an der Leistungsgrenze zu führen.

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