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15.12.2017 | Management + Führung | Interview | Onlineartikel

"Neue Autorität braucht das Land"

Autor:
Andrea Amerland
Interviewt wurde:
Frank H. Baumann-Habersack

ist Miteigentümer der Unternehmensberatung Goldpark AG in Frankfurt am Main und dort als Vorstand tätig.

Innere Kündigung und null Identifikation mit dem Job – so ist es um die Haltung vieler Mitarbeiter bestellt. Auch Führungskräfte geraten durch starre Strukturen in diese Abwärtsspirale, so Springer-Autor Frank H. Baumann-Habersack. Seine Lösung: Führen mit neuer Autorität.

Springer Professional: Sie sprechen in Ihrem Buch "Mit neuer Autorität in Führung" von einer grundlegenden Führungskrise, in der sich Unternehmen befinden. Worauf führen Sie das zurück?

Frank H. Baumann-Habersack: Schauen Sie sich um. Alltag in Unternehmen sind demotivierte Mitarbeiter, fehlende persönliche Wirkung der Führungskräfte, unzureichende Ergebnisse. Oftmals benötigen Führungskräfte einen unverhältnismäßig hohen Kraftaufwand, Druck und Anstrengung, um überhaupt einigermaßen akzeptable Resultate vorweisen zu können. Der Verlust der Führungs-Autorität ist offenkundig und für die Vorgesetzten eine schmerzhafte, tabuisierte Realität. Führung steckt in der Sackgasse.

Empfehlung der Redaktion

2017 | Buch

Mit neuer Autorität in Führung

Die Führungshaltung für das 21. Jahrhundert

Was ist das Geheimnis von Autorität – welche Form von Autorität benötigen Führungskräfte künftig? Diese Frage beantwortet Frank H. Baumann-Habersack fundiert, konkret, anschaulich, praxisbezogen. 


Das nehmen Führungskräfte aber nicht ohne weiteres hin oder? 

Es stimmt, viele Chefs versuchen, Mitarbeiter mit Belohnungen (Boni), Bestrafungen (Versetzung, Entzug von Aufgaben oder Ressourcen) zu kontrollieren oder mit Beschwichtigungen und falschem Verständnis wohlgesonnen zu machen. Doch das sind fast schon hilflose Versuche, mit alten Methoden auf eine neue Situation zu reagieren. Da die wahren Ursachen der Führungskrise nicht thematisiert und bearbeitet werden, wirkt keine der herkömmlichen Führungsmethoden. 

Was sind Ihres Erachtens die Ursachen dieser Krise?

Die allgemeine Führungskrise resultiert daraus, dass die bestehenden Strukturen und Kulturen in Unternehmen seit Längerem nicht mehr den Erfordernissen einer globalen Wirtschaft entsprechen. Die verkrusteten Unternehmensstrukturen machen es Führungskräften schwer bis unmöglich, angemessen mit dem von außen induzierten Innovationsdruck umzugehen. Die verbreiteten Führungsstil- und Steuerungsmodelle, die sich vorwiegend auf ein zu veränderndes Mitarbeiterverhalten, aber auch auf ein anderes Führungsverhalten fokussieren, blenden zudem alles aus, was mit der stetig steigenden Komplexität und Selbstorganisation, Globalisierung und Demokratisierung aller Lebensbereiche in Verbindung steht.

Was sollte sich ändern?

Führungskräfte sollten sich bewusst machen, dass ihre tatsächliche Autorität – heute und erst recht künftig – davon abhängt, mit ihren Mitarbeitern beziehungsorientierter und humaner umzugehen, um ihre Ziele erreichen zu können. Autorität, ohne die Führung nicht wirksam wird, bedarf einer belastbaren, vertrauensvollen Beziehung. Daher spreche ich von Führen mit neuer Autorität.

Was verstehen Sie unter dem Begriff 'neue Autorität'?

Führen mit neuer Autorität bedeutet, die grundsätzliche Einstellung zur Führung zu ändern. Im laufenden 21. Jahrhundert bedarf es nicht neuer Führungsstile und –methoden, sondern tatsächlich einer Veränderung der Führungshaltung. Dazu müssen sich Führungskräfte von der in der Vergangenheit praktizierten Logik von Anweisung, Gehorsam und Kontrolle verabschieden. Stattdessen gilt es, eine Verbundenheit mit dem gemeinsamen Ziel zu entwickeln und wieder tragfähige Beziehungen herzustellen. Dies ist der zentrale Erfolgsfaktor im heutigen 21. Jahrhundert. Neue Autorität braucht das Land.

Warum reicht es nicht, das Führungsverhalten zu ändern?

Wer nur bei Führungstechniken und –verhalten ansetzt, vergisst, dass das Fundament unverändert bleibt. Die Glaubwürdigkeit der Führung ist dahin, doch Führung lebt von Glaubwürdigkeit, da sie Vertrauen und Sicherheit schafft. Ohne diese fundamentalen Merkmale zwischenmenschlicher Beziehungen bleibt die Krise in der Führung bestehen. Schlimmer noch: Die Probleme werden aufgrund nicht mehr adäquater Unternehmensstrukturen häufig auf die individuelle Ebene verlagert, was bei Führungskräften wie Mitarbeitern in Versagensangst und Demotivation mündet. Eine Führungstechnik allein kann strukturelle Missstände nicht ausgleichen. Eine neue Autorität in der Führung ist daher die Voraussetzung, die Strukturen und Kulturen in den Unternehmen hin zu mehr Selbstorganisation und Agilität zu verändern.

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2017 | OriginalPaper | Buchkapitel

Von Alter zu Neuer Autorität

Quelle:
Mit neuer Autorität in Führung

2017 | OriginalPaper | Buchkapitel

Führung in der Sackgasse

Quelle:
Mit neuer Autorität in Führung

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