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19.05.2014 | Management + Führung | Im Fokus | Onlineartikel

Was flexible Arbeitszeitmodelle wirklich bringen

Autor:
Anja Schüür-Langkau
4 Min. Lesedauer

Unternehmen stehen heute vor der Herausforderung die Arbeitszeiten stärker den Mitarbeiterbedürfnissen anzupassen, um im "War of Talents" bestehen zu können. Dabei geht es um individuelle Lösungen und die Abkehr von der Präsenzkultur.

Arbeit wird heute zwar immer mobiler, doch für viele Arbeitnehmer ist es nach wie vor eine große Herausforderung, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Und für die jüngere so genannte „Generation Y“ spielt das Thema Work-Life-Balance eine größere Rolle bei der Entscheidung für einen Arbeitgeber als in vorigen Generationen. Entsprechend positiv bewerten es Mitarbeiter, wenn ihr Unternehmen flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit zu Home-Office-Tagen anbietet.

Mitarbeiter wünschen sich Flexibilität

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Zu diesem Ergebnis kommt zumindest die Studie Bewerbungspraxis 2014, die vom Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Universitäten Bamberg und Frankfurt am Main jährlich zusammen mit dem Karriereportal Monster veröffentlicht wurde. 85,5 Prozent der Befragten finden es gut, wenn Unternehmen die Möglichkeit bieten, die Arbeit teilweise von zu Hause aus zu erledigen. Doch nur 41,1 Prozent haben derzeit in ihrem Unternehmen auch die Gelegenheit dazu. Die Unternehmen selbst bezeichnen die flexible Arbeitszeitgestaltung der Studie Recruiting Trends 2014 zufolge, als eine der Schlüsselherausforderungen der Zukunft. Es ist eine der wichtigen Maßnahmen, um in Zeiten des Fachkräftemangels Bewerber für sich zu gewinnen.

Ansätze, wie Unternehmen diese Herausforderung meistern können, zeigt Springer-Autorin Sofie Geisel in ihrem Beitrag „Arbeitszeiten flexibel gestalten - Herausforderungen und Leitsätze für eine moderne Arbeitszeitkultur“. Auf Basis der Initiative "Familienbewusste Arbeitszeiten", die das Bundesfamilienministerium gemeinsam mit Verbänden und Unternehmen der deutschen Wirtschaft 2010 ins Leben gerufen hat, stellt die Autorin acht Leitsätze dar, die aus diesen Diskussionen entstanden sind (Seite 186).

Acht Leitsätze für eine neue Arbeitszeitkultur

Leitsatz 1: Flexible Arbeitszeitmodelle sind ein Gleichgewicht zwischen betrieblichen Anforderungen und privaten Bedürfnissen – Unternehmen suchen mit ihren Beschäftigten gemeinsam individuelle, passgenaue Lösungen.
Leitsatz 2: Produktivität ist mehr als Präsenz – Unternehmen arbeiten an einer Kultur, die Ergebnisse in den Mittelpunkt stellt.
Leitsatz 3: Führungsverantwortung und Familienverantwortung müssen miteinander kompatibel sein – Unternehmen sind offen für neue Arbeits(zeit)modelle in Führungspositionen und fördern sie.
Leitsatz 4: Viele Arbeiten können auch an anderen Orten erledigt werden – Unternehmen sind dafür offen und unterstutzen mobiles Arbeiten, wann immer es möglich ist.
Leitsatz 5: In jedem Erwerbsleben gibt es Phasen mit besonderen (familiären) Herausforderungen – Das Ziel ist eine bestmögliche Rücksichtnahme und Unterstützung.
Leitsatz 6: Von familienbewusster Arbeitszeitgestaltung profitieren nicht immer alle gleich – denen, die ihre Kollegen bei der Vereinbarkeit unterstützen, gebührt besondere Anerkennung und Wertschätzung.
Leitsatz 7: Verlässliche Kommunikationszeiten sind unverzichtbar – Präsenztermine und Meetings halten Unternehmen deshalb in der Zeit gesicherter Betreuung ab.
Leitsatz 8: Nachhaltige Leistungsfähigkeit setzt Pausen voraus – Unternehmen respektieren Wochenenden beziehungsweise Zeiten, in denen Beschäftigte nicht erreichbar sind.

Als einer der Vorreiter, wenn es um das Thema individuell angepasste Arbeitszeitmodelle geht, wird die Trumpf GmbH und Co. KG vorgestellt. Das weltweit tätige Technologieunternehmen aus Ditzingen bei Stuttgart bietet seinen Beschäftigten seit 2011 alle zwei Jahr die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit alle zwei Jahre neufestlegen. Das heißt, alle zwei Jahre fragt das Unternehmen aktiv nach, ob Mitarbeiter ihre Arbeitszeit verändern möchten. Mitarbeiter können sich zwischen Arbeitszeiten von 15 bis 40 Stunden entscheiden. Nach dem ersten Jahr zog das Unternehmen eine überraschende Blanz: Lediglich zehn Prozent der Beschäftigten wollten ihre Arbeitszeiten verändern, davon 80 Prozent im Sinne einer Ausweitung und 20 Prozent in Form einer Reduzierung. Unter den Wechslern befanden sich dem Unternehmen zufolge signifikant viele Männer. Zudem verdoppelte sich die Zahl der Initiativ-Bewerbungen. Als erste Schritte zu einem flexibleren Umgang mit der Arbeitszeit rät die Autorin:

Erste Schritte zu einer flexibleren Arbeitszeitkultur

  • Schaffen Sie Foren und Zeitpunkte, die einen regelmäßigen Abgleich von betrieblichen Anforderungen und privaten Arbeitszeit-Bedürfnissen ermöglichen,
  • Fordern Sie Führungskräfte über Zielvereinbarungen auf, das Thema Arbeitszeit in Mitarbeitergespräche aufzunehmen.
  • Initiieren Sie Pilotprojekte zu Vertrauensarbeitszeit und Arbeitszeitkonten.
  • Beziehen Sie Ihre Mitarbeiter in die Veränderung der Arbeitszeitkultur ein.
  • Stärken Sie die Selbstverantwortung auf Einzel und Teambasis.

Die große Herausforderung für Unternehmen liegt allerdings darin, die Interessen des Unternehmen mit den Interessen der Beschäftigten in Einklang zu bringen. Mit flexiblen Arbeitszeitmodellen allein, lässt sich dies sicher nicht allein realisieren, aber sie sind ein wichtiger Baustein dazu.

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