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26.10.2015 | Management + Führung | Im Fokus | Onlineartikel

Verzichten Sie auf den Weichspülgang

Alter Ego-Macho oder empathischer Kumpel-Typ? Wer ist der bessere Chef? In Deutschlands Chef-Etagen herrscht Unsicherheit. Denn was gute Führung auszeichnet, wird kontrovers diskutiert – besonders unter den Mitarbeitern. Ein Kommentar.

Noch sitzen viele Bosse der alten Schule an der Unternehmensspitze. Aber die alte Garde merkt, dass Härte und Durchsetzungskraft nicht mehr wirken. Drei Viertel der Chefs wünschen sich daher einen Paradigmenwechsel in der Führungskultur, so die Initiative Neue Qualität der Arbeit. So wird aus dem erfolgreich autoritären Kontrollfreak plötzlich der fürsorgliche Motivator auf Kuschelkurs. Die gute alte hierarchische Führung scheint verpönt. Doch der hippe demokratische Weichspülgang hat auch seine Schattenseiten.  

Vier Irrtümer weichgespülter Führung

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  1. Stärkung der Eigenverantwortung: Eigenverantwortung ist umso wichtiger, je dynamischer und komplexer das Umfeld. Chefs im Weichspülgang verwechseln Eigenverantwortung jedoch gerne mit dem Freibrief, sich über Wochen nicht im Team blicken und die Mitarbeiter einfach machen zu lassen. Mehr Eigenverantwortung bedeutet nicht weniger Führung. Ganz im Gegenteil, denn hierfür ist zunächst ein umso stärkeres Involvement als Chef erforderlich.  
  2. Hohe Loyalität und Bindung der Mitarbeiter: Fachkräfte wünschen sich gute Beziehungen zu Kollegen, aber auch klare Anforderungen und Ziele, so das Ergebnis der Stepstone Trendstudie 2015 (PDF). Eine Kuschelkultur allein ist nur die halbe Miete und führt eher zu Stillstand: Fehler werden unter den Teppich gekehrt, Probleme tot geschwiegen oder abgewartet, bis sie sich von selbst erledigt haben. Echte Loyalität resultiert aus persönlicher Karriereentwicklung. Doch nur 14 Prozent der Unternehmen fördern heute nach Aussage des Personaldienstleisters Manpower systematisch ihre Talente.

  3. Motivation durch mehr Mitbestimmung: Einige Unternehmen wie das Vorzeigebeispiel Zappos sind dazu übergegangen, Hierarchien komplett abzuschaffen. Manager und Mitarbeiter auf Augenhöhe sind das neue Bild zeitgemäßer Unternehmensführung. Klingt gut. Doch warum sollten altgediente Mitarbeiter nun Entscheidungen treffen, wenn sie bisher alles vorgekaut bekommen haben? Mitsprache ja, aber nicht selbst entscheiden. Angst vor Fehlern ist die vorherrschende Realität – nicht nur in den Großraumbüros, sondern auch in weiten Teilen des mittleren Managements.

  4. Kein stressiger Job für den Chef: Ja, kuscheln dürfte für die meisten Chefs angenehmer sein als streiten. Doch wenn es um die Fragen der Team-Performance und Zielerreichung geht, spätestens dann wird diesen Chefs der Atem stocken. Sie werden die alte Peitsche wieder auspacken, um nicht selbst einpacken zu müssen. Ein ungesundes Wechselbad der Gefühle, auch für ihre Mitarbeiter, ist die Folge. 

Klarheit und Flexibilität statt Weichspüler

Welchen Führungsstil der letzten Jahrzehnte wir auch betrachten, allen gemein ist der Mensch mit seinen individuellen Werten, Motiven und Zielen. Jeder von uns besitzt unterschiedliche Wertevorstellungen und Arbeitsmotive: Einige streben nach Anerkennung, andere nach Sinn und wieder andere nach Selbstverwirklichung. Sie alle mit weichgespülter Führung zu überzuschütten, ist der falsche Weg.

Führung ist kein Standard-Tool, sondern eine Frage der richtigen Haltung. Sie setzt die Reflexion und das Bewusstsein über die eigenen sowie die Werte, Motive und Ziele der Mitarbeiter voraus. Klarheit und Flexibilität im Denken und Handeln sind die entscheidenden Konstanten, die wirkungsvolle Führung ausmachen. Sie geben die notwendige Sicherheit, gewähren aber auch Raum für Veränderung und Entscheidungen im Umgang mit Dynamik und Wandel. Denn je komplexer Prozesse und auch Märkte werden, desto mehr Sicherheit gebende Leitplanken bei gleichzeitig hoher Flexibilität sind notwendig. Hier sollte Führung in Zukunft ansetzen.

Zur Person

Dr. Bernd Slaghuis ist promovierter Ökonom, Systemischer Coach und Experte für neue Karrieren und gesunde Führung. Nach Stationen als Vorstandsassistent sowie als Leiter Unternehmensentwicklung und Controlling bei einem Versicherungskonzern betreibt er seit 2011 seine eigene Coaching-Praxis in Köln. Dort hat er sich auf Anliegen rund um Karriereplanung und Neuorientierung sowie das Coaching von Führungskräften aus dem mittleren Management spezialisiert. Er schreibt im Karriere-Blog Perspektivwechsel über seine ganz eigenen Sichtweisen auf Karriere, Bewerbung und Führung. 

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