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22.05.2014 | Management + Führung | Interview | Onlineartikel

"Die Ressource Mensch gewinnt stetig an Bedeutung"

Autor:
Anja Schüür-Langkau
3:30 Min. Lesedauer

Unternehmen müssen ihr Personalmanagement und ihre Recruitingaktivitäten intensivieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben, mahnt Springer-Autor Volker Engelbert. Im Interview erläutert er, welche Maßnahmen sinnvoll sind und warum eine offene interne Kommunikation den Erfolg eines Unternehmens fördert.

Springer für Professionals: Welche strategische Relevanz hat das Thema Personalmanagement in Unternehmen heute?

Volker Engelbert: Die Arbeitswelt war in den letzten fünf Dekaden erheblichen strukturellen Veränderungen unterworfen. Insbesondere nach der Jahrtausendwende haben diese Veränderungen stark an Dynamik gewonnen. Prägende Einflüsse sind beispielsweise ein signifikanter Rückgang ausführender Tätigkeiten zugunsten planender und steuernder Aktivitäten, die fortschreitende Technisierung und Digitalisierung, Internationalisierung und Globalisierung und die zunehmende Alterung der Erwerbspersonenpotenzials als eine der Ausprägungen des demografischen Wandels. All diese – mit Sicherheit nicht erschöpfend genannten – Faktoren haben signifikanten Einfluss auf die zentralen Aufgabenfelder des Personalmanagements. Die „Ressource Mensch“ gewinnt stetig an Bedeutung. Vor diesem Hintergrund ist es eine der zentralen Aufgaben des Personalmanagements, Investitionen in das Humankapital zielgerichtet und effizient zu gestalten.

Welche Maßnahmen sollten Unternehmen ergreifen, um den negativen Konsequenzen des demografischen Wandels entgegenzuwirken?

Um sich den geänderten Rahmenbedingungen zeitgemäß anzupassen, stehen den Unternehmen eine Fülle von Maßnahmen zur Verfügung. Dazu gehören unter anderem die Neukonzeptionierung der Unternehmenskultur (einschl. Führungskultur), die (Neu-)Gestaltung der Arbeitsorganisation, der Arbeitszeit- und Entgeltmodelle, die Intensivierung des Personalmarketings und der Personalbeschaffung, die Neuausrichtung der Personalentwicklungsmaßnahmen, ein Konzept zur Gesunderhaltung der Belegschaft und die systematische Implementierung eines Integrationsmanagements. Die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen ist entscheidend davon abhängig, inwieweit es gelingt, den Herausforderungen des demografischen Wandels wirksam zu begegnen.

Welche Unternehmen sind aus Ihrer Sicht Vorreiter beim Thema Personalmanagement?

Diese Frage ist schwierig zu beantworten, da ein vollständiger Überblick kaum möglich ist. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass Großunternehmen im Industrie- und Dienstleistungsbereich aufgrund ihrer größeren Personalabteilungen mehr Augenmerk auf ein strategisch ausgerichtetes Personalmanagement legen können. Allerdings sind in den vergangenen Jahren auch in vielen mittelständisch geprägten Sektoren zunehmende Tendenzen erkennbar, sich angesichts des sich verknappenden Arbeitskräftepotenzials und der Herausforderungen des demografischen Wandels in Kooperationen zusammenzuschließen, um gemeinsam Personalstrategien zu entwickeln. Dabei liegen die Schwerpunkte eindeutig im Bereich der Personalrekrutierung und -entwicklung sowie der Verbesserung ergonomischer Arbeitsbedingungen.

Was sollten Führungskräfte beachten, die als Verhandlungspartner des Betriebsrats fungieren?

Der Gesetzgeber hat den Betriebsparteien in § 2 des Betriebsverfassungsgesetzes als oberstes Gebot aufgegeben, vertrauensvoll miteinander umzugehen. Vertrauensvolle Zusammenarbeit setzt gegenseitigen Respekt voraus, der sich vor allem darin widerspiegelt, dass man Informationen vollständig, zeitnah und wahrheitsgetreu übermittelt, so dass sich der jeweilige Partner ein vollständiges Bild über die aktuelle betriebliche Situation machen kann. Insoweit sind die gesetzlichen Vorgaben über den Informationsumfang der Führungskräfte gegenüber den Arbeitnehmervertretungen eher als Mindeststandards zu betrachten. Generell gilt die These: Je vollständiger und besser ein Arbeitnehmervertreter informiert ist, desto schneller sind notwendige betriebliche Veränderungsprozesse durchzuführen.
Neben der Gewährleistung von detaillierten Informationen und entscheidungsunterstützender Informationsqualität sollten betriebliche Führungskräfte auch darauf achten, dass die betrieblichen Arbeitnehmervertreter hinreichend qualifiziert sind, damit sie ihren gesetzlich definierten Aufgaben nachkommen können. Qualifikationsbegehren von Betriebs- oder Personalräten sollten nicht nur unter Kostengesichtspunkten betrachtet werden, sondern vor allem vor dem Hintergrund einer verbesserten Entscheidungsqualität in sozialen Fragestellungen.

Warum ist die interne Kommunikation so wichtig für den Erfolg eines Unternehmens?

Durch die geschilderten Veränderungen in der Arbeitswelt wächst die Bedeutung der Kommunikation und die zugrundeliegenden Kommunikationsstrukturen. Sie haben sich quasi zu einem eigenständigen Produktionsfaktor entwickelt. Die Komplexität des technischen Fortschritts und die entsprechend angepasste betriebliche Organisation mit tendenziell flacheren Hierarchieebenen erweitern den Entscheidungsumfang der Mitarbeiter und damit einhergehend deren Informationsbedarf. Ohne gezielte und „hierarchieungebundene“ Kommunikation ist eine selbstbewusste Belegschaft nicht zu motivieren. Ein kooperativer Führungsstil im Unternehmen ist ohne eine offene, repressionsfreie Kommunikationskultur nicht zu praktizieren. Wesentliche Garanten für betrieblichen Erfolg sind, dass Mitarbeiter innovative Ideen einbringen können und konstruktive Kritik äußern dürfen.

Zur Person
Volker Engelbert (Jahrgang 1950) ist seit 2012 Personalvorstand bei der Mannesmannröhren-Werke GmbH, Mülheim. Zuvor war er Arbeitsdirektor in Unternehmen des Salzgitter-Konzern sowie kaufmännischer Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens. Er ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen zum Arbeits- und Betriebsverfassungsrecht und Mitherausgeber des "Praxishandbuch Human Resources".

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