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17.01.2013 | Management + Führung | Im Fokus | Onlineartikel

Wenn Management und Aktionäre in einen Konflikt geraten

Autor:
Andreas Nölting
2:30 Min. Lesedauer

Neues Jahr, neue Diskussion um das leidige Thema Bonus. Eine am Aktienkurs ausgerichtete Vergütung muss allerdings nicht automatisch im Sinne der Aktionäre sein. Es gibt einen Zielkonflikt zwischen Eigentum und Verfügung.

Das Geschäftsjahr 2012 war für die deutschen Top-Manager recht erfolgreich – zumindest was die unternehmerische Performance sowie die Entwicklung der Aktienkurse ihrer Konzerne angeht. Mag die europäische Finanz- und Schuldenkrise auch die Menschen verunsichern, viele Dax-Konzerne haben im vergangenen Jahr sehr ordentliche Ergebnisse erzielt und werden die Gehälter ihrer Vorstandschefs voraussichtlich gleich mit kräftig in die Höhe ziehen.

Einer früheren Studie der Berater von Towers Watson zur Folge stiegen die Gehälter der 30 Dax-CEOs in 2011 um recht ordentliche neun Prozent auf ein durchschnittliches CEO-Einkommen von mehr als 6,1 Millionen. Spitzenreiter ist mit großem Abstand der Vorstandsvorsitzende von VW, Martin Winterkorn, mit einem Gehalt von sage und schreibe 17,4 Millionen Euro. Auf Platz zwei steht Siemens-Chef Peter Löscher mit immerhin 9,8 Millionen Euro. Winterkorn profitiert von einem Bonus in Höhe von 11,1 Millionen Euro, den er erhält, weil VW im vergangenen Geschäftsjahr einen Rekordgewinn erzielt hat. In 2012 wird das Ranking voraussichtlich ziemlich ähnlich aussehen. Denn rund 40 Prozent der variablen Vergütung orientieren sich an Geschäftserfolgen, die bereits mehrere Jahre zurückliegen. Boni werden erst nach zwei, drei Jahren ausgezahlt, die Grenzen zwischen kurzfristiger und langfristiger variabler Vergütung verschwimmen.

Zielkonflikt zwischen Eigentum und Verfügung

Dass Top-Manager Zahlungen erhalten, die sich an der Performance der Aktienkurse orientieren, ist ein relativ neues Phänomen. Noch zu Beginn der 90er Jahre war die Vergütung der Manager kaum vom Aktienkurs abhängig, heißt es in dem Buch „Managementvergütung, Corporate Governance und Unternehmensperformance“ von Christian Lazar. Einer US-Studie zur Folge war damals ein Vermögenszuwachs der Aktionäre in Höhe von 1.000 Dollar mit einem Anstieg der Managervergütung in Höhe von lediglich 3,25 Dollar verbunden.

Die Theorie, dass eine am Aktienkurs orientierte variable Vergütung automatisch im Interesse der Aktionäre ist, muss nicht zwangsläufig richtig sein. Dem Management bleiben zahlreiche Möglichkeiten, den persönlichen Nutzen zu Lasten der Aktionäre zu maximieren, heißt es bei Lazar – etwa die Anschaffung eines Firmen-Jets, einer teuren Büroausstattung oder eines luxuriösen Dienstwagens. Die Kosten müssen dann die Aktionäre tragen. Die Trennung von Eigentum (Aktionäre) und Verfügungsgewalt (Management) birgt einen Zielkonflikt.

An verschiedenen Modellen untersucht Lazar, ob Aktienbeteiligungen des Managements zu einem positiven Anreiz führen, den Unternehmenswert zu steigern. Ein Modell sieht einen positiv linearen Einfluss auf den Unternehmenswert, ein anderes geht von einer optimalen Beteiligungsquote des Managements aus.

Welche gesellschaftlichen Auswirkungen allerdings die Millionengehälter der Vorstände haben, ob sie etwa die Gesellschaft weiter spalten, diese Frage beantworten die Modelle nicht.

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