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18.06.2015 | Management + Führung | Im Fokus | Onlineartikel

Wenn bei der Arbeit nur noch das Ergebnis zählt

Autor:
Andreas Nölting

Die raren Wissensarbeiter fordern flexible Arbeitsformen – etwa das Home Office. Doch viele Führungskräfte tun sich mit der unternehmerischen Flexibilität der Wissensgesellschaft noch sehr schwer.

Der Trend zur Wissensgesellschaft beschäftigt nicht nur die Personalabteilungen der großen Konzerne, sondern immer mehr auch die vielen kleinen mittelständischen Firmen unserer Volkswirtschaft. Die Top-Themen der Personaler sind überall gleich: Die Unternehmen müssen fit gemacht werden für die digitale Transformation, sie müssen ein gut gefüllte Talent-Pipeline haben, um sich komplexen Aufgaben wie dem Thema Industrie 4.0 zu stellen und international wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die jungen, IT-geschulten und internetaffinen Wissensarbeiter allerdings sind eine äußerst knappe Ressource. Sie können es sich leisten, aus vielen Job-Angeboten auszuwählen und für die Mitglieder dieser sogenannten Generation Y ist nicht unbedingt das Gehalt bei der Auswahl des Jobs entscheidend, sondern auch die Qualität der Arbeitsplatzes, die Möglichkeit Privates und Berufliches locker zu vereinbaren.

Widerstände gegen die Heimarbeiter

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Räumlich und zeitlich flexibles Arbeiten – das ist daher der wesentliche Wunsch der Wissensarbeiter, zeigt die Studie Recruiting Trends 2015, die von der Universität Bamberg zusammen mit dem Karriereportal Monster durchgeführt wurde. Total flexible Arbeitszeitmodelle sind zwar für Unternehmen zuweilen riskant, sie entsprechen aber den Wünschen der raren Wissensarbeiter: Knapp jeder zweite Kandidat etwa möchte gerne, dass er auch von zu Hause arbeiten darf.

„Wir leben in einer Arbeitnehmerkultur, in der nicht mehr die investierte Arbeitszeit, sondern das Ergebnis zählt“, meint Professor Dr. Tim Weitzel vom Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der Universität Bamberg. Es geht eben nicht mehr darum, wer am längsten an seinem Schreibtisch sitzt. Es zählen allein Produktivität und Effektivität der Arbeit.

Die Führungskräfte der mittelständischen Unternehmen tun sich mit dieser Entwicklung allerdings noch schwer. Nur etwa jeder fünfte Mittelständler bietet der Studie zufolge seinen Mitarbeitern an, Arbeit aus dem Home Office zu erledigen. Und es gibt Widerstände in den Unternehmen: Häufig beschweren sich Mitarbeiter, die nicht von zu Hause arbeiten, dass sie das Gefühl hätten, mehr arbeiten zu müssen als der Kollege im Home Office.

Die Führungskräfte müssen den Wandel zu flexiblen Arbeitszeitmodellen daher schnell angehen. Sie sollten die Zweifler überzeugen, die Veränderungen einleiten und bereit sein, einen Teil ihrer Macht abzugeben. „Zentrale Aufgabe der Führungskraft ist es, Veränderungen in diesem System anzustoßen,“ schreibt der langjährige Geschäftsführer der Akademie der Führungskräfte, Daniel F. Pinnow, auf Seite 164 in dem Springer-Buch „Modernes Personalmanagement".

Die Macht teilen

Die  Eigendynamik von Systemen sei allerdings so groß, dass eine Führungskraft niemals in der Lage sein werde, das jeweilige System vollständig zu kontrollieren. Der Manager verliert also Macht. Voraussetzung für den Wandel ist, dass eine Führungskraft in der Lage ist, sich selbst zu führen, schreibt Pinnow: „Erst dann kann man lernen, andere Menschen zu führen und ein Unternehmen zu leiten.“

Wollen die mittelständischen Firmen also attraktiver für Wissensarbeiter werden und so die digitale Transformation ihrer Business-Strategie umsetzen, dann müssen die verantwortlichen Führungskräfte zunächst bei sich selbst beginnen. Nur wer überzeugend wirkt und bereit ist, Macht zu teilen, wird auch Arbeitsbedingungen schaffen können, die dem Trend der Zeit entsprechen.

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