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Über dieses Buch

Im Mittelpunkt des Buches steht die Frage, ob sich im Zuge der Globalisierung neoliberale und Managementprinzipien in den Industrieunternehmen Brasiliens etablieren. Unter Rückgriff auf quantitative und qualitative Methoden wird empirisch untersucht, inwiefern Veränderungen im Karriereverlauf der Topmanager zu einem Wandel ihrer Wert- und Handlungsorientierungen beitragen. Es wird aufgezeigt, welche Selektionsmechanismen die Herausbildung der brasilianischen Wirtschaftselite begünstigen und auf welche Deutungsmuster diese bei der Bewältigung von Führungssituationen zurückgreift. Die Ergebnisse zeigen, dass die Sozialisation der Manager in der Organisation und das spezifische institutionelle Arrangement Brasiliens maßgeblich die managerielle Handlung der Wirtschaftselite prägen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

Die vorliegende Studie widmet sich der Frage, ob im Zuge der Globalisierung der Wirtschaft eine weltweite Verbreitung neuer ökonomischer und organisatorischer Managementprinzipien in den Großunternehmen Brasiliens zu beobachten ist. Diese Frage ist im Kontext der aktuellen Diskussion über die Etablierung eines „neuen Geistes des Kapitalismus“ (Boltanski/Chiapello 2003) von besonderem Interesse, der eine ausschlaggebende Veränderung in den Handlungsorientierungen von Wirtschaftsakteuren, die Träger der kapitalistischen Entwicklung sind (Weber 1920), voraussetzt. Der neue Geist des Kapitalismus beinhaltet einen grundlegenden Wandel von Wert-, Deutungs- und Handlungsorientierungen im Managementkontext, der von neoliberalen Grundelementen geprägt wird.
Elizangela Valarini

Kapitel 2. Globalisierung und der „neue Geist“ des Kapitalismus

Zur empirischen Untersuchung der Annahme einer weltweiten Verbreitung neuer ökonomischen und organisatorischen Prinzipien und damit der Etablierung neoliberaler Handlungsorientierungen in Großunternehmen wird ein Forschungsprogramm benötigt, mit dem sich die Denk- und Handlungsorientierungen der Trägerschicht der kapitalistischen Entwicklung rekonstruieren lassen. Dies erfordert die Herausarbeitung von kollektiven Denk- und Handlungsmustern, an denen sich die Wirtschaftsakteure orientieren, und die Analyse, inwiefern diese die weitere Entwicklung der Wirtschaft in eine neoliberale Richtung vorantreiben.
Elizangela Valarini

Kapitel 3. Die Reproduktionsmechanismen des „Geistes“ des Kapitalismus

Die Annahme einer neoliberalen Gesinnung der Spitzenmanager weltweit und damit auch in den brasilianischen Großunternehmen ist besonders im Kontext der aktuellen Debatte zur Konvergenzannahme im Sinne eines globalen Finanzkapitalismus thematisiert. Die konvergierenden Thesen behaupten, dass durch den Vormarsch der neoliberalen Globalisierung eine weltweite Angleichung von ökonomischen und unternehmerischen Prinzipien nicht nur in den Wirtschaftsorganisationen, sondern auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen zu erkennen ist. Entgegen dieser Konvergenzthese verweist eine Vielzahl von institutionentheoretischen Kapitalismustheorien einerseits auf die Pfadabhängigkeit von Entwicklungswegen, andererseits auf die Nachhaltigkeit von kulturellen und ökonomischen Settings sowie auf die Veränderungen auf der makroökonomischen Ebene.
Elizangela Valarini

Kapitel 4. Internationale Karriere, Management und Führung in brasilianischen Unternehmen

Die These einer tiefgreifenden Veränderung in den Deutungsmustern der „corporate elite“ wird nur in wenigen Beiträgen empirisch untersucht. Es gibt zwar zahlreiche Studien über Verhalten und Werte der brasilianischen Manager und Unternehmer, aber eine Analyse der Handlungsorientierungen und Wissensstrukturen liegt bis heute nicht vor. Die im Rahmen dieses Kapitels präsentierten Beiträge betonen die Forschungslücke hinsichtlich der Karriereverläufe und Handlungsorientierungen der Trägerschichten des kapitalistischen Wandels und unterstreichen damit die wissenschaftliche Relevanz von empirischen Untersuchungen, die dieses Thema in unterschiedlicher Weise anschneiden.
Elizangela Valarini

Kapitel 5. Forschungsleitende Fragen und Arbeitshypothesen

Die „Corporate Elite“ steht im Zentrum der Globalisierungsdebatte. Mit ihrer hohen internationalen Mobilität und neoliberalen Gesinnung – resultierend aus ihrer wirtschaftswissenschaftlichen Ausbildung an den besten internationalen Business Schools – präge sie weltweit die Unternehmensführung mit einer neuen Denk- und Handlungsweise. Sie verbreite nicht nur neues Wissen und neue Werte, sondern verändere die „symbolische Landschaft“ der Organisationen hin zur Etablierung eines neuen „Geistes“ des Kapitalismus in der Ökonomie.
Elizangela Valarini

Kapitel 6. Wirtschaftsgeschehen Brasiliens: Strategiewechsel und politische Kontinuität

Der Neoliberalismus in seinen ökonomisch-theoretischen Überlegungen gewann Kraft mit der Gründung der Mont Pèlerin Society (MPS). Diese Gruppe von Akademikern, Geschäftsleuten und Journalisten, der Milton Friedman, Karl Popper, Lionel Robbins und Ludwig von Mises angehörten, unterstützte das Konzept von Friedrich von Hayek (Gros 2008; Paulani 1996; 2006) über die Freiheit des Marktes und den Individualismus der Gesellschaftsakteure (Individuen und Organisationen) (Hayek 2010). Als Kernprinzip vertrat die Mont Pèlerin Society die Bekämpfung aller Arten von staatlichem Interventionismus, die sowohl die Marktmechanismen als auch die individuelle Handlungsfreiheit einschränken (ebd.).
Elizangela Valarini

Kapitel 7. Forschungsdesign

Das folgende Forschungsdesign basiert auf einer Kombination von quantitativen und qualitativen Methoden der Sozialforschung. Die Vorgehensweise erfolgt sowohl hypothesenprüfend als auch explorativ. Die zu untersuchende Zielgruppe – die Trägerschicht der kapitalistischen Entwicklung – bildet im Rahmen dieser Studie die ökonomische Elite Brasiliens, die die amtierenden und ehemaligen Vorstandsvorsitzenden und CEOs der 100 umsatzstärksten Industrieunternehmen umfasst.
Elizangela Valarini

Kapitel 8. Die Globale-Elite-These auf dem Prüfstand

Zur Untersuchung der Frage, wie die Selektion und Rekrutierung von Topmanagern die Etablierung neuer Formen von neoliberalen Managementprinzipien in der Unternehmensführung in brasilianischen Unternehmen herbeiführt, wurde, wie oben bereits diskutiert, im Rahmen einer quantitativen Lebensverlaufsanalyse der Karriereverläufe und Qualifikationswege von Vorstandsvorsitzenden der Top-100-Industrieunternehmen Brasiliens erforscht. Dieses Kapitel widmet sich den Ergebnissen dieser Analyse, die auf Basis der zu überprüfenden Hypothesen dargestellt und diskutiert werden. Das Ziel der Analyse der Karriere- und Qualifikationswege dieser Gruppe besteht darin, herauszufinden, welche Karrieregruppe für die Reproduktion des neoliberalen kapitalistischen Geistes steht (Weber 1920; Pohlmann 2008).
Elizangela Valarini

Kapitel 9. Neoliberale Handlungsorientierung der Unternehmensführung?

In der Debatte um die Entstehung eines neoliberalen kapitalistischen Geistes werden die Veränderungen auf der makroökonomischen Ebene durch die internationale Freiheit des Marktes geprägt und treiben dadurch den Finanzkapitalismus voran. Der Vormarsch des finanzmarktorientierten Kapitalismus steht eng mit der Frage nach dem Effekt dieser makroökonomischen Veränderungen auf die brasilianischen Unternehmen und die Lebensführung ihrer Spitzenmanager in Verbindung. Handeln brasilianische Topmanager nach dem Shareholder-Value-Prinzip, indem sie ihre Managementhandlungen zugunsten der Gewinnmaximierung der Shareholder ausrichten statt an den Zielen der Stakeholder? Sind sie bereit, durch ihr Handeln das Unternehmen und die damit verbundenen Arbeitsstellen, Lieferanten, Kunden etc.
Elizangela Valarini

Kapitel 10. Resümee, Hypothesenprüfung und Diskussion der Ergebnisse

Die Debatten um den Neoliberalismus und die Globalisierung laufen zur gleichen Zeit. Für viele Kritiker sind beide Phänomene zwei Seiten einer Medaille (Willke 2003, S. 14). Die Folge der Globalisierung und des Finanzkapitalismus sei auf der Makrogesellschaftsebene in der Internationalisierung und Globalisierung von Arbeitsmärkten, der Intensivierung von Kapitalfluss und Ausbreitung der Finanzwirtschaft sichtbar (Harvey 2000).
Elizangela Valarini

Kapitel 11. Brüche oder Kontinuität im „Geist“ des Kapitalismus?

In den letzten zwei Dekaden hat die Diskussion über die Streuung und Etablierung neuer Denkweisen und Handlungsorientierungen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Sektoren zunehmend an Aufmerksamkeit gewonnen. Diese Debatte wird insbesondere von Autoren der Mainstream-Globalisierungsliteratur und von kritischen Kapitalismustheorien vertreten, die u. a. behaupten, dass die Verbreitung von neoliberalen Prinzipien insbesondere durch die transnationalen Organisationen eine ausschlaggebende Veränderung in der Handlungsorientierung des Managements und im Leben der Wirtschaftsakteure hervorgebracht hat.
Elizangela Valarini

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