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Über dieses Buch

Mit der Analyse des Investitionsverhaltens US-amerikanischer Großunternehmen beleuchtet Charlotte L. Schuster die Praxis von Managern, langfristige für kurzfristige Ziele zu opfern. Damit greift sie ein Thema auf, das in Wissenschaft und Wirtschaft zunehmend als Problem wahrgenommen wird, v.a. für börsennotierte Unternehmen. Doch unklar war bislang, ob auch Gründer-CEOs myopisch handeln. Gründer nehmen oft für sich in Anspruch, langfristig orientiert zu sein. Auf Basis der Standard&Poor’s-1.500-Unternehmen untersucht die Autorin, ob Gründer-CEOs weniger als professionelle CEOs dazu tendieren, R&D-Ausgaben für kurzfristige Gewinne zu kürzen. Sie zeigt, dass Gründer-CEOs zwar weniger anfällig für myopisches Verhalten, aber nicht gänzlich immun sind.​

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Chapter 1. Einleitung

Zusammenfassung
Während das Phänomen Managementmyopie in der Wissenschaft schon länger bekannt ist und verstärkt seit den achtziger Jahren diskutiert wird, gilt „myopisches“ Verhalten von Managern und Investoren und die generelle „Kurzsichtigkeit“ von Kapitalmärkten seit den neunziger Jahren zunehmend als Problem für Unternehmen, Wirtschaft und die Gesellschaft im Allgemeinen. Für die nachlassende Wettbewerbsfähigkeit der US-amerikanischen Wirtschaft machen Manager, Wissenschaftler und Politiker seitdem v. a. das Investitionsverhalten US-amerikanischer Unternehmen verantwortlich. Manager und Investoren, aber auch Politiker äußern sich wiederholt besorgt zu den schädlichen Auswirkungen von Managementmyopie. Doch unklar war bislang, ob dieses Problem auch auf Gründer-CEOs zutrifft. Gründer nehmen typischerweise für sich in Anspruch, langfristig orientiert zu handeln. Die Beantwortung der Frage, ob sich Gründer-CEOs tatsächlich weniger myopisch als angestellte CEOs verhalten, steht im Mittelpunkt dieser Arbeit und baut auf einer empirischen Untersuchung des Investitionsverhaltens der Standard&Poor’s-1.500-Unternehmen auf.
Charlotte L. Schuster

Chapter 2. Managementmyopie

Zusammenfassung
In der Literatur werden verschiedene Gründe (u. a. kürzere CEO-Amtszeiten, performance-basierte Vergütung, Signaling gegenüber dem Arbeitsmarkt oder Informationsasymmetrien zwischen CEOs und Shareholdern) für „myopisches“ Verhalten diskutiert – zum Teil auf Basis widersprüchlicher Standpunkte. Viele der Gründe für Managementmyopie lassen sich opportunistischem Managerverhalten oder Kapitalmarktdruck zuordnen. Erklärungsversuche finden in verschiedenen Fachbereichen der Wirtschaftswissenschaften statt, neben den Managementwissenschaften, insbesondere im Marketing und Accounting, in der Finanzwissenschaft und Kapitalmarkttheorie und in der Volkswirtschaftslehre. Auch wenn disziplinenübergreifend auf ähnliche oder sogar dieselben Argumente zurückgegriffen wird, besteht bislang kein Konsens über die Hauptursachen und Erklärungsansätze für Manage-mentmyopie. Kapitel 2 stellt zunächst die terminologischen und konzeptionellen Grundlagen von Managementmyopie dar, geht im Anschluss auf die wichtigsten theoretischen Strömungen und Erklärungsansätze für Managementmyopie ein und systematisiert die Hauptgründe. Abschließend wird ein Überblick zum Stand der empirischen Forschung und Formen der Operationalisierung von Managementmyopie gegeben.
Charlotte L. Schuster

Chapter 3. Gründer-CEOs und ihr Führungsverhalten

Zusammenfassung
Schon Schumpeter stellte die Frage, warum sich neue Unternehmen überhaupt gegen etablierte Unternehmen durchsetzen können, fehlen ihnen doch entscheidende finanzielle und physische Ressourcen etablierterer Unternehmen. Aber gerade junge Unternehmen bringen in der Person des Gründers die Eigenschaft und Fähigkeit mit, durch „kreative Zerstörung“ und die neue Kombination von Faktoren Innovationen am Markt zu identifizieren und durchzusetzen. Gründergeführte Unternehmen haben mit dieser Durchsetzungskraft „neuer Kombinationen“ und der Unabhängigkeit von gewohnten Strukturen und Prozessen einen entscheidenden Vorteil gegenüber etablierteren Unternehmen, die den Anschluss an den (neuen) Wettbewerb verlieren können, wenn sie in der „Kreislaufwirtschaft“ vorhandener Unternehmen verharren und Zukunftsfelder zu spät erkennen. Auf Basis einer Literaturrecherche und der Diskussion von Praxisbeispielen werden in diesem Kapitel mögliche Unterschiede zwischen angestellten und Gründer-CEOs identifiziert und anschließend diskutiert, welche Auswirkungen etwaige Unterschiede auf die Unternehmensperformance und das Investitionsverhalten von angestellten und Gründer-CEOs haben können. Abschließend werden Gründe systematisiert, die für/gegen die Annahme weniger myopisch handelnder Gründer-CEOs sprechen.
Charlotte L. Schuster

Chapter 4. Hypothesen

Zusammenfassung
Gegenstand dieses Kapitels ist die Motivation und Herleitung der Hypothesen zur Untersuchung von Managementmyopie. Ihnen liegt die Annahme zu Grunde, dass Manager ihr Verhalten an kurzfristigen Gewinnzielen ausrichten. Eine klassische Form von myopischem Verhalten ist die Kürzung von R&D-Ausgaben. Sie sind sofort gewinnwirksam und schädigen die langfristige Entwicklung eines Unternehmens. Es wird erwartet, myopisches Verhalten dann zu beobachten, wenn ein CEO die Chance hat, mit R&D-Kürzungen das Gewinnziel einzuhalten. Zwei Kernhypothesen stehen im Mittelpunkt der empirischen Untersuchung: Myopisches Verhalten bei CEOs im Allgemeinen (Einfluss kurzfristiger Gewinnziele auf die Wahrscheinlichkeit der Kürzung von R&D-Ausgaben) und die Frage, ob Gründer-CEOs weniger myopisch handeln (Einfluss des CEO-Gründerstatus auf die Wahrscheinlichkeit von R&D-Kürzungen, wenn die Möglichkeit besteht, dadurch das Gewinnziel einzuhalten). Die Kernhypothesen werden für zwei verschiedene Gewinnziele untersucht (das Gewinnniveau des Vorjahres und die Vermeidung von Verlusten). Als weitere Aspekte werden der Einfluss der Nähe zum Gewinnziel und des Endes der CEO-Amtszeit gemessen. Darüber hinaus wird getestet, ob mit myopischen Kürzungen tatsächlich das Gewinnziel eingehalten wird.
Charlotte L. Schuster

Chapter 5. Aufbau und Methodik der empirischen Untersuchung

Zusammenfassung
Das fünfte Kapitel beschreibt die methodische Vorgehensweise und das Untersuchungsdesign zur Überprüfung der aufgestellten Hypothesen. Das umfasst die Erläuterungen zur Wahl des Analyseverfahrens (Logistische Regression), zur Konstruktion der Subsample, die Spezifikation der ökonometrischen Modelle und die Begründung zur Wahl und Operationalisierung der relevanten abhängigen und unabhängigen sowie der Kontrollvariablen (für die einzelnen Regressionsmodelle). Um Myopie zu untersuchen, wird eine 3-Sample-Methode verwendet. Myopisches Verhalten wird demnach nur dann erwartet, wenn ein CEO überhaupt die Chance hat, mit Hilfe von R&D-Kürzungen das Gewinnziel (also das Gewinnniveau des Vorjahres oder die Vermeidung von Verlusten) zu einzuhalten. Das ist dann der Fall, wenn die Differenz zum Gewinnziel (Gewinnrückgänge oder Verluste) nicht größer als das zur Verfügung stehende R&D-Gesamtbudget ist. Nur dann können R&D-Kürzungen die Differenz von Gewinnrückgängen/Verlusten (vor R&D) ausgleichen. Es werden zwei Kontrollsample gebildet, in denen die Einhaltung des Gewinnziels durch R&D-Kürzungen nicht möglich (Gewinnrückgänge/Verluste sind größer als das R&D-Budget) oder nötig ist (das Gewinnziel wird sowieso erreicht).
Charlotte L. Schuster

Chapter 6. Durchführung und Ergebnisse der empirischen Untersuchung

Zusammenfassung
Kapitel 6 umfasst die Beschreibung der Vorgehensweise bei der Datenerhebung und Datenbereinigung, die Darstellung und Diskussion der Ergebnisse sowie die Ableitung von Limitationen und Implikationen. Die Datenbasis für die empirische Untersuchung bilden die Standard&Poor’s-1500-Unternehmen für den Zeitraum von 1992 bis 2013 und wurde zum einen Teil Datenbanken entnommen (COMPUSTAT und EXECUCOMP) und zum andern Teil selbst erhoben (u.a. der Gründerstatus von CEOs und das Gründungsjahr der Unternehmen). Im Anschluss werden die Ergebnisse zur Beantwortung der Hypothesen dargestellt und diskutiert. Sie zeigen, dass myopische R&D-Kürzungen eine verbreitete Praxis und ein anhaltendes Phänomen sind. Managementmyopie ist demnach (auch) unter sehr großen Unternehmen verbreitet, die unter starker Beobachtung durch den Markt stehen. Zudem sind R&D-Kürzungen nicht nur kosmetischer Natur, sondern finden in beträchtlicher Höhe statt und sind potenziell schädlich. Erstmals wird empirisch nachgewiesen, dass Gründer-CEOs – die klassischen Unternehmer – weniger anfällig für myopisches Verhalten sind. Das Management durch Gründer kann folglich ein wichtiger Indikator für eine langfristig orientierte Unternehmensführung sein (u.a. für Investoren) und das Vertrauen in die Fähigkeiten und Entscheidungen von Gründer-CEOs stärken (z.B. vor einem Börsengang).
Charlotte L. Schuster

Chapter 7. Zusammenfassung und Fazit

Zusammenfassung
Der Versuch der Steuerung der (externen) Wahrnehmung der Unternehmensperformance durch Earnings-Management-Praktiken ist ein gut dokumentiertes Phänomen. Interne und externe Stakeholder des Unternehmens haben Erwartungen darüber, wie „gut“ Unternehmen performen sollten. Diese Erwartungen können immensen Druck auf CEOs ausüben, die Unternehmensergebnisse zu manipulieren, um ihre Unternehmen entsprechend „gut“ aussehen zu lassen. Dazu kommen weitere Faktoren wie kürzere CEO-Amtszeiten, unbeabsichtigte und negative Nebeneffekte performancebasierter Vergütung oder Informationsasymmetrien zwischen CEOs und Investoren, die Anreize für CEOs schaffen, kurzfristige Gewinnziele zu verfolgen und Gewinne entsprechend zu schönen. Die langfristigen Auswirkungen dieser Gewinnoptik – v.a. durch R&D-Kürzungen und in Industrien, in denen Innovationen eine Geschäftsvoraussetzung sind, können verheerend sein. Während kein CEO immun gegenüber dem Druck ist, Earnings-Management-Praktiken zu betreiben, um positive Eindrücke der Unternehmensperformance zu schaffen, scheinen Gründer-CEOs hierfür weniger anfällig zu sein und sich dem Druck, Earnings Management zu betreiben, seltener zu beugen. Damit schließt sich die Arbeit einem wachsenden Forschungsbereich an, der versucht, zu erklären, warum ein Gründermanagement(stil) den langfristigen Interessen eines Unternehmens dienen kann.
Charlotte L. Schuster

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