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24.08.2015 | Marketing + Vertrieb | Im Fokus | Onlineartikel

Das Allheilmittel gegen Adblocker ist bessere Werbung

Autor:
Anja Schüür-Langkau
3 Min. Lesedauer

Der Online-Vermarkterkreis (OVK) wirft Internetnutzern vor, durch die Verwendung von Adblockern das freie Internet zu gefährden. Dabei sollten sich Unternehmen lieber fragen, wie sie Onlinewerbung besser und relevanter machen können. Ein Kommentar.

Onlinevermarkter, Werbungtreibende, Agenturen und Verbände sind aufgeschreckt. „Auf durchschnittlich 21,49 Prozent der Page-Impressions wird Online-Werbung geblockt,“ analysierte der Online-Vermarkterkreis (OVK) im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW). Für die Untersuchung haben rund zwei Drittel der OVK-Mitgliedshäuser den Anteil der geblockten Online-Werbung auf ihren Angeboten erhoben.

Gefährden die User das freie Internet?

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Die Stellungnahme von Oliver von Wersch (G+J Digital Products), stellvertretender Vorsitzender des OVK und Geschäftsführer der Gruner + Jahr Digital GmbH, auf der Website des OVK wirkt schon fast weinerlich. „Mit der gemessenen Zahl bestätigen sich bereits vorliegende Schätzungen. Bisher gingen wir davon aus, dass bei 20-25 Prozent des Traffic-Volumens Werbung geblockt wird. Hier entsteht also ein erheblicher Schaden für die Digitale Wirtschaft, der in letzter Konsequenz das konsensuale Ziel eines freien Internets für alle gefährdet. Offensichtlich fehlt bei weiten Teilen der Nutzerschaft immer noch das Bewusstsein für die Bedeutung von Werbung für die Refinanzierung kostenfreier Angebote im Internet.“

Durch Adblocker sinken Werbeeinnahmen der Verlage

Sorry OVK, den schwarzen Peter den Nutzern zuzuschieben, die sich nervige Werbung gefälligst anzuschauen haben, damit nicht die Geschäftsmodelle der Unternehmen und Vermarkter gefährdet sind, ist sicher nicht der richtige Weg. „Da es Verlagen bisher nicht gelungen ist, eine breite Akzeptanz für Paywalls aufzubauen, hinter denen sich weitere (kostenpflichtige) Inhalte befinden, würde durch eine zunehmende Verbreitung von Ad Blockern eine wichtige Einnahmequelle der Verlage wegfallen. Aber auch für viele andere Unternehmen wird es schwerer, die definierten Zielgruppen über Online-Werbemittel zu erreichen“, schreiben auch Ralf T. Kreutzer, Andrea Rumler und Benjamin Wille-Baumkauff in ihrem Beitrag "Instrumente des Online-Marketings".

Die größten Ärgernisse bei der Onlinewerbung

Unternehmen sollten das Ergebnis der OVK-Auswertung lieber zum Anlass nehmen, um über bessere Onlinewerbung nachzudenken. Die sieben Top-Ärgernisse bei der Onlinewerbung hat das Onlinemagazin „Meedia“ treffend auf den Punkt gebracht. Sie lauten:

  1. Nicht wegklickbare Preroll-Ads
  2. Automatisch startender Ton
  3. Penetrante Layer und hässliche Wallpapers
  4. Produktsuche, die den Nutzer verfolgt
  5. Pop-up-U-Boote
  6. Versteckte Kreuze zum Wegklicken
  7. Camouflage-Anzeigen, die Werbung als redaktionellen Content tarnen

Nicht die User bedrohen das freie Internet, sondern miese Onlinewerbung, die keiner sehen will. Springer-Autor Jürgen Seitz sieht Adblocker als "Selbstverteidigung der Nutzer". Die Industrie reagiert uneinheitlich und die Reaktionen der Industrie reichen von Resignation und Frustration über Aufklärungskampagnen bis hin zu Paid-Service-Initiativen, schreibt er in seinem Beitrag "Perspektiven der Werbung in Echtzeit". Hinter den Kulissen fände darüber hinaus auch ein heimliches, technisches Wettrüsten zum Beispiel "durch Anti-Ad-Blocker-Services oder neue Identifikationstechnologien wie Fingerprinting, dem Cookie-freien Erkennen von Nutzern anhand spezifischer Merkmale wie der PC-Konfiguration, statt". Der Erfolg dieser technischen Ansätze sei bisher noch nicht bewiesen und auch für die Zukunft fraglich.

Der Kunde entscheidet

Doch letztendlich dürfe die Industrie nicht vergessen, „dass es bei allem was wir tun um die Verbindung von Unternehmen mit Kunden bzw. potenziellen Kunden geht". Werbung soll User und potenzielle Kunden involvieren und begeistern. Das funktioniert nur über Qualität und der grundsätzlichen Einstellung, das der Kunde die Instanz ist die entscheidet, was sie sehen, lesen und kaufen will.

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2014 | OriginalPaper | Buchkapitel

Perspektiven der Werbung in Echtzeit

Quelle:
Realtime Advertising
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