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16.06.2015 | Marketing + Vertrieb | Im Fokus | Onlineartikel

Hungerlöhne für Kreative

Autor:
Anja Schüür-Langkau

Viele Kreative in Agenturen verdienen trotz Stress und langer Arbeitszeiten wenig. Doch eine angemessene Bezahlung ist nur ein Kriterium für gut ausgebildete Fachkräfte der Generation Y bei der Entscheidung für einen Arbeitgeber.

Kreative Konzepte zielgruppengerecht und für alle Medienkanäle entwickeln, allezeit bereit sein für die Kundenbedürfnisse, auch abends und am Wochenende: Die Anforderungen an Mitarbeiter in der Werbebranche sind hoch. Doch die Gegenleistung der Agenturen nicht: Mit rund 2.800 Euro brutto im Monat liegt das Durchschnittsgehalt eines Agenturangestellten im Bereich Kreation/Design gerade mal knapp 135 Euro über dem Mittelwert aller Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland. Dies ermittelte die Allianz inhabergeführter Kommunikationsagenturen (Aika) in einer explorativen Befragung auf der Basis von 235 qualifizierten Beschäftigungsverhältnissen (exkl. Praktikanten, Auszubildenden, Volontären) in Agenturen unterschiedlichster Größe und Ausrichtung.

Erfolgsprämien statt Weihnachtsgeld

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„Ein einheitliches Gehaltsgefüge gibt es bei Agenturen jedoch nicht“, so die Erkenntnisse das Aika-Vorsitzenden Carsten Lange. Die Gehälter würden stark variieren und seien abhängig von Region, Branchenspezialisierung und ganz besonders natürlich auch vom Geschäftserfolg“. Generell ließe sich aber sagen, dass die Gehälter von Angestellten ohne Führungsaufgaben im grafischen Bereich unter dem Agenturdurchschnitt liegen. Doch auch mit Gratifikationen sieht es mau aus. Über 80 Prozent der befragten Agenturen zahlen weder Weihnachtsgeld, noch ein 13. Monatsgehalt. Dafür zeigen sich aber die meisten bei der betrieblichen Altersvorsorge und kleineren Zuschüssen wie beispielsweise bei Fahrtkosten großzügig. Über die Hälfte der Kommunikationsagenturen honorieren zudem besondere Leistungen ihrer Mitarbeiter mit erfolgsabhängigen Prämien und Weiterqualifizierungsangeboten.

Faire Anerkennung für geleistete Arbeit

Die Attraktivität des einstigen Traumjobs bröckelt. Denn die Generation Y ist bekanntlich heute nicht mehr bereit, für einen Hungerlohn bis spät am Abend in Agenturen zu schuften. Mitarbeiter möchten „fair behandelt werden und eine faire Anerkennung für die geleistete Arbeit bekommen, auch im Vergleich zu ihren Kollegen oder anderen Unternehmen,“ bringt es Springer-Autor Thomas Schulte in seinem Beitrag „Traditionelle Ansätze haben Grenzen“ auf den Punkt.

Doch ein gutes Gehalt allein reicht nicht aus, um gutausgebildete Fachkräfte zu gewinnen. „Auch die Arbeitsbedingungen müssen stimmen, ergänzt Springer-Autor Gero Hesse im Beitrag „Herausforderungen für das Employer Branding und deren Kompetenzen“ (Seite 89). Die Generation Y stelle eine ganze Reihe von Anforderungen an die Unternehmen. Dazu zählen neben der neuen Sinnsuche und einem Kinderwunsch gleich zu Beginn ihrer Karriere die Ablehnung alter Werte wie Hierarchiedenken, ständige Verfügbarkeit und fremdbestimmte Arbeit. Auch ist ihnen ethisches Verhalten wichtiger als Geld, daher finden sie Konzerne, die auf kurzfristige Rendite getrimmt sind, unattraktiv.

Work Life Balance als Wettbewerbsvorteil

Sicher, der Fachkräftemangel in der Kreativbranche hält sich derzeit noch in Grenzen, doch das könnte sich schnell ändern. Unternehmen, die sich schon heute darauf vorbereiten wollen, sollten also nicht nur das Gehalt sondern auch ihre Arbeitsbedingungen überdenken. Mit einem guten Klima, Arbeitszeiten, die die Vereinbarkeit von Job, Familie und Freizeit ermöglichen und einem wertschätzender Umgang könnten sich Agenturen von der Konkurrenz abgrenzen. Doch bis in dieser Branche ein solche Umdenken stattfindet, wird es wohl noch etwas dauern.

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