Skip to main content
main-content

Über dieses Buch

Fragen der technologischen und strukturellen Entwicklung einer Volkswirtschaft nehmen im Rahmen der "Schumpeter-Renaissance" der letzten Jahre breiten Raum in wirtschaftstheoretischen und -politischen Diskussionen ein. Das theoretische Interesse konzentriert sich im wesentlichen auf die wechselseitigen Erklärungszusammenhänge zwischen der Marktstruktur einerseits und dem Innovations- und Diffusionsprozeß andererseits. Erst in jüngster Zeit werden einige vielversprechende formaltheoretische Modelle eines technologischen und strukturellen Wandels auf der Marktebene vorgestellt. Die einzelnen Erklärungsansätze stehen bislang aber noch weitgehend unverbunden nebeneinander. Gegenstand des vorliegenden Buches ist eine integrierende Darstellung und kritische Beurteilung der neueren und neuesten Arbeiten auf diesem Gebiet. Hervorzuheben sind neben einer konsequenten mathematischen Ableitung aller Ergebnisse die sorgfältige und verständliche Darlegung der jeweiligen Modellimplikationen. Mit diesem Buch wird erstmals eine größere geschlossene Abhandlung auf dem zukunftsträchtigen Gebiet des technologischen und strukturellen Wandels auf einer formaltheoretischen Basis vorgelegt.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung und thematische Abgrenzung

Zusammenfassung
Zu den faszinierendsten Forschungsgebieten der modernen Wirtschaftswissenschaften zählt zweifelsohne der Prozeß des technologischen Wandels. Trotz seiner überragenden Bedeutung für den Wachstums- und Entwicklungsprozeß einer Volkswirtschaft steht die Analyse seiner Bestimmungsgründe und seines differenzierten Ablaufs noch in den Anfängen. Stagnative Tendenzen in den westlichen Industrieländern und Diskussionen über die jeweilige technologische Wettbewerbsfähigkeit haben aber gerade in den letzten Jahren zu einer rasch zunehmenden Zahl theoretischer und empirischer Arbeiten auf diesem Gebiet geführt. Allen diesen Arbeiten liegt die gemeinsame Einsicht zugrunde, daß der technologische Fortschritt nicht als eine exogen vorgegebene Größe wie „Manna vom Himmel“ fällt, sondern vielmehr das Ergebnis eines ständigen Wettbewerbs konkurrierender Unternehmen um neue Produkte und neue Produktionsverfahren darstellt. In diesem Innovationswettbewerb nehmen die unternehmerischen Aktivitäten in Forschung und Entwicklung (F&E) einen zentralen Stellenwert ein. Abgesehen von nicht auszuschließenden rein zufälligen Entdeckungen erfordert die Produktion eines neuartigen technologischen Know-hows regelmäßig den Einsatz von F&E-Ausgaben. Eine Analyse der Bestimmungsgründe des technologischen Wandels kann daher nicht erfolgen, ohne zunächst auf die Determinanten der unternehmerischen F&E-Ausgaben einzugehen.
Manfred Stadler

2. F&E-Aktivitäten und Marktstruktur bei unternehmerischem Wettbewerb um kontinuierliche Verbesserungsinnovationen

Zusammenfassung
In der modernen Industrieökonomik spielt die Oligopoltheorie eine zentrale Rolle. Das traditionelle Oligopolmodell der MikroÖkonomik mit dem Output als Entscheidungsvariable der Unternehmen wird dabei variantenreich um weitere Wettbewerbsfaktoren wie Produktionskapazität, Produktqualität, Werbungsausgaben oder Ausgaben für F&E ergänzt (vgl. neuere industrieökonomische Lehrbücher wie z.B. Scherer 1980, Waterson 1984 oder Clarke 1985). Ein derartig erweitertes Oligopolmodell, das neben dem Output auch Innovationsaktivitäten in Form privater F&E-Ausgaben als Entscheidungsvariablen enthält, bildet den modelltheoretischen Ausgangspunkt in diesem Kapitel. Zunächst wird in Anlehnung an die eher traditionelle Sicht (vgl. Nordhaus 1969, Kap. 2) angenommen, daß die Unternehmen mittels ihrer F&E—Ausgaben aus einem stetigen Kontinuum an technologischen Verbesserungsmöglichkeiten auswählen können. Die aus den Verbesserungsinnovationen resultierenden Effekte sind den Unternehmen genau bekannt — es existiert keinerlei Unsicherheit. Unter diesen Grundannahmen lassen sich einige wichtige Verbindungslinien zwischen den unternehmerischen F&E-Aktivitäten und der Markt-Struktur anschaulich aufzeigen. Im Vordergrund der Analyse steht die Neo-Schumpeter-Hypothese über den Zusammenhang zwischen der Marktkonzentration als zentralem marktspezifischen Strukturparameter und den durch F&E-Ausgaben generierten Innovationen. In kurzfristiger Betrachtungsweise kann die Marktkonzentration als exogene Bestimmungsgröße angesehen werden.
Manfred Stadler

3. F&E-Aktivitäten und Marktstruktur im unternehmerischen Wettlauf um Basisinnovationen

Zusammenfassung
Vor allem in „progressiven“ Industriebranchen wird weniger den kontinuierlichen Verbesserungsinnovationen, sondern vielmehr den weitreichenden Basisinnovationen eine entscheidende Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen beigemessen. Im Vordergrund steht dabei die Suche nach völlig neuen Produkten und Produktionsverfahren, die dem erfolgreichen Pionierunternehmen außerordentliche Gewinne versprechen, bis Imitatoren nachziehen und diese Gewinne wieder abbauen. Ziel eines Unternehmens ist es daher, möglichst vor der Konkurrenz mit einer Innovation aufzuwarten bzw. den „Innovationswettlauf“ zu gewinnen. Den Schumpeterschen Vorstellungen des dynamischen Wettbewerbs entsprechend reagieren die Unternehmen damit nicht auf Wettbewerbsvorsprünge ihrer Konkurrenten, sondern versuchen ihrerseits, durch technologische Neuerungen derartige Vorsprünge zu erzielen. “Der Schumpetersche Wettbewerb ist somit Innovationswettlauf (Kromphardt, Teschner 1986, S. 237). Dieser zeitliche Aspekt im Innovationswettbewerb spielt eine um so größere Rolle, wenn sich der Erstinnovator die ausschließliche Nutzung seiner Innovation durch ein Patent für eine bestimmte Zeit sichern kann. Es finden dann regelrechte Patentrennen zwischen den konkurrierenden Unternehmen statt.
Manfred Stadler

4. F&E-Aktivitäten und Differenzierung der Marktstruktur in duopolistischen Patentrennen

Zusammenfassung
In der jüngsten Literatur zu den unternehmerischen Patentrennen werden die bislang vernachlässigten strategischen Interaktionen der Konkurrenten während eines Rennens in den Mittelpunkt der Analyse gerückt. Eine wesentliche Voraussetzung für strategische F&E-Aktivitäten inmitten des Forschungsprozesses sind Informationen über den jeweiligen „Zwischenstand“ im Rennen. Dementsprechend wird in diesem Kapitel eine vollkommene Informationsstruktur der Form unterstellt, daß alle Unternehmen ohne Verzögerung über die Position der Konkurrenten, gemessen am Stand ihres technischen Wissens, genau Bescheid wissen (vgl. zur Bedeutung der Informationsstruktur auch Fudenberg, Titole 1987). Die Kenntnis ihrer Position im Rennen ermöglicht es den Unternehmen, ihren optimalen F&E-Einsatz in einem sequentiellen Entscheidungsprozeß jeweils in Abhängigkeit ihres eigenen technischen Wissens sowie des technischen Wissens der Konkurrenten zu bestimmen. Von besonderem Interesse ist das F&E-Verhalten der einzelnen Unternehmen, sofern sie im Patentrennen nicht gleichauf liegen, sondern unterschiedliche Niveaus an technischem Wissen aufweisen und daher noch unterschiedliche „Forschungsleistungen“ bis zur Verwirklichung ihrer Innovation erbringen müssen. Derartig differenzierte Konstellationen stellen sich selbst unter gleichen Startbedingungen im Laufe eines Rennens ein, falls neben der technischen und der Marktunsicherheit zusätzlich noch Unsicherheit in der Wissensproduktion berücksichtigt wird.
Manfred Stadler

5. F&E-Aktivitäten und technologischer Wandel durch eine Sequenz von Innovationen

Zusammenfassung
Die wirtschaftliche Entwicklung in den einzelnen Industriebranchen ist durch einen mehr oder weniger raschen, aber ständigen technologischen Wandel gekennzeichnet. Mit ihm geht gleichzeitig eine fortwährende Evolution der Marktstruktur oder ein Prozeß der „schöpferischen Zerstörung“ (Schumpeter 1950, Kap. 7) einher. Ein technologisch führendes Pionierunternehmen kann in diesem Prozeß des technologischen und strukturellen Wandels seine Spitzenstellung nur dann behaupten, falls es ihm gelingt, durch ständige technologische Weiterentwicklungen potentielle „Herausforderer“ und Imitatoren immer wieder abzuschütteln bzw. laufend neue „dynamische Marktschranken“ (Schellhaaß 1985) zu errichten.
Manfred Stadler

6. Marktstruktur und zeitliche Diffusion kapitalgebundener Innovationen

Zusammenfassung
Ein nicht nur in den wirtschaftswissenschaftlichen Fachgebieten vielbeobachtetes Phänomen ist die zeitintensive Ausbreitung oder Diffusion von Informationen und Neuerungen im weitesten Sinne (vgl. Rogers 1983). Den vielfältigen empirischen Diffusionsstudien in all diesen Forschungsrichtungen liegt der gemeinsame Analogieschluß zu einer epidemischen Ausbreitung ansteckender Krankheiten zugrunde. Die dafür entwickelten „epidemischen Diffusionsmodelle“ finden zunehmend auch in der Industrieökonomik ihre Anwendung, insbesondere zur Beschreibung von Diffusionsvorgängen bei technologischen Neuerungen in Form von Produkt- und Prozeßinnovationen. Inhaltlich geht es dabei je nach Analyseschwerpunkt um den Diffusionsprozeß innerhalb eines Unternehmens, zwischen den einzelnen Unternehmen innerhalb eines Marktes und schließlich innerhalb der gesamten Volkswirtschaft (vgl. Stoneman 1983, S. 67). Untersuchungsgegenstand dieses Kapitels ist ausschließlich die nachfrageseitige Diffusion einer Produktinnovation zwischen den Unternehmen eines spezifischen Marktes.31
Manfred Stadler

7. F&E-Aktivitäten und technologischer Wandel im duopolistischen Innovationswettbewerb

Zusammenfassung
Eine entscheidungstheoretisch begründete Analyse des technologischen Wandels kann nicht ohne die Hilfe geschickt angesetzter „Kunstgriffe“ erfolgen. Im Hinblick auf den Neuheitsgrad einer Innovation waren bislang vor allem zwei dieser Kunstgriffe von Bedeutung. Dem Kapitel 2 lag die Vorstellung kontinuierlicher Verbesserungsinnovationen zugrunde, aus denen die Unternehmen jederzeit ohne Unsicherheit auswählen können. In einer Gleichgewichtsanalyse sind dann das Innovationsergebnis und die sich einstellende Marktstruktur bereits von vornherein determiniert. In den Kapiteln 3 bis 5 wurden diesen kontinuierlichen Verbesserungsinnovationen drastische Basisinnovationen gegenübergestellt. Hier wurde zwar der Unsicherheit im Innovationsprozeß Rechnung getragen — allerdings nur die Fragen betreffend, welchem Unternehmen wann die Basisinnovation gelingt. Die Innovationserträge des erfolgreichen Unternehmens wurden vereinfachend entweder exogen vorgegeben oder wie in Kapitel 6 zumindest ansatzweise durch Verkaufserlöse im Diffusionsprozeß erklärt. Folglich sind auch hier die ökonomischen Eigenschaften der angestrebten Innovation den Unternehmen von vornherein bekannt. Beide theoretischen Kunstgriffe schließen somit die Suche nach „Unbekanntem“ aus. In diesem Kapitel werden nun Zwischenformen von Innovationsklassen (vgl. Mensch 1975, S. 37) analysiert, die sich weder den kontinuierlichen Verbesserungsinnovationen noch den drastischen Basisinnovationen zurechnen lassen. Zudem wird unterstellt, daß der Neuheitsgrad einer eventuellen Innovation ex ante nicht genau vorhersehbar ist.
Manfred Stadler

8. Der technologische Wandel in neoklassisch orientierten Ansätzen der Industrieökonomik — eine abschließende Bewertung

Zusammenfassung
“The literature on the economics of scientific and technological change presents a puzzle” (Dasgupta 1988, S. 66). Anliegen dieses Buches war es, die vorhandenen Puzzle-Stücke zu sortieren, teilweise zu ergänzen und schließlich zu einem möglichst geschlossenen Bild des technologischen Wandels zusammenzufügen. In seiner Gesamtheit läßt sich dieses Bild nur durch das Zusammenspiel von technologischen und strukturellen Elementen in den einzelnen Märkten erklären. Die Marktstruktur stellt einerseits eine wesentliche Determinante des Innovations- und Diffusionsprozesses dar, unterliegt aber gleichzeitig auch selbst einer evolutorischen Dynamik im Prozeß des technologischen Wandels. Als konzeptioneller Rahmen wurde die theoretische Industrieökonomik gewählt. Da sie definitionsgemäß die industriellen Märkte als Analyseebene zugrundelegt, scheint sie (im Gegensatz zur MakroÖkonomik) für das gestellte Thema geradezu prädestiniert zu sein. Nicht zu Unrecht werden die hier diskutierten Erklärungsansätze einer “Theorie des technologischen und strukturellen Wandels” bereits als recht erfolgversprechend beurteilt (vgl. etwa Jaeger 1986, S. 137).
Manfred Stadler

Backmatter

Weitere Informationen