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Über dieses Buch

Dieses Buch entwickelt Qualifikationsstandards im Bereich der Lehrerfortbildung im Fach Mathematik und versammelt Best-Practice-Beispiele aus allen Bereichen der Arbeit des Deutschen Zentrums für Lehrerbildung Mathematik (DZLM), der zentralen Anlaufstelle für Lehrerfortbildungen in der Mathematik. Es gibt möglichst plastisch Auskunft über Maßnahmen, ihre Ziele, ihre Struktur und die Ergebnisse. Die Zielgruppe des Buches sind FachberaterInnen und sogenannte MultiplikatorInnen (d.h. Personen, die andere fachlich bzw. fachdidaktisch beraten, aus- und fortbilden), LehrerInnen, Verantwortliche für Fortbildungen in den Landesinstituten und Schulämtern sowie FachdidakterInnen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Das Deutsche Zentrum für Lehrerbildung Mathematik (DZLM)

Frontmatter

1. Das DZLM – Eine Initiative der Deutsche Telekom Stiftung

Vergleichsstudien belegen, dass die Qualität der mathematischen Bildung an deutschen Schulen – immer noch – hinter internationalen Leistungen zurückbleibt. Mathematische Bildung ist aber unverzichtbar in einer Gesellschaft, die von Technik auf der Grundlage mathematischen Wissens und hohem Innovationstempo geprägt ist. Der Schlüssel zu besserer mathematischer Bildung liegt in der Aus‐ und Fortbildung der Lehrpersonen. Die berufsbiografisch orientierte Lehrerforschung zeigt, dass die Erstausbildung von Lehrpersonen alleine keine hinreichende Qualifizierung für den Beruf gewährleisten kann. Lehrerfortbildung soll in diesem Zusammenhang der Erhaltung und Erweiterung der beruflichen Kompetenz der Lehrperson dienen.

Ekkehard Winter, Dietmar Schnelle, Gerd Hanekamp

2. Das Deutsche Zentrum für Lehrerbildung Mathematik – DZLM

Im vorangegangenen Kapitel wurde die Vorgeschichte beschrieben, wie es durch Initiative der Deutsche Telekom Stiftung zur Gründung des DZLM gekommen ist. In diesem zweiten Kapitel werden die Tätigkeitsfelder und Konzepte des DZLM in seiner ersten Förderphase vom 01.10.2011 bis 30.09.2016 beschrieben.Das Ziel des DZLM ist die Professionalisierung von Mathematiklehrkräften durch Fortbildungen und Unterstützungsangebote, um die Kompetenzen der Lehrkräfte zu fördern und letztlich die Mathematikleistungen der Schülerinnen und Schüler durch eine Weiterentwicklung des Unterrichts zu verbessern. Bereits im vorangegangenen Kapitel wurde ausgeführt, dass ein wichtiger Schlüssel zu besserer mathematischer Bildung in der Aus‐ und Fortbildung der Lehrkräfte liegt.Um das Ziel der Neu‐ und Weiterentwicklung von effektiven Fortbildungen zu erreichen, beforscht, entwickelt und implementiert das DZLM Fortbildungsmaßnahmen modellhaft, aber konkret. Dabei fokussiert sich das DZLM auf die Qualifizierung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, also Mathematik‐lehrpersonen, die andere Mathematiklehrpersonen fortbilden, beraten, unterstützen und deren Unterrichtsentwicklungsprozesse begleiten. Qualifizierte Multiplikatorinnen und Multiplikatoren ermöglichen die Verbreitung von innovativen, relevanten und wirksamen Fortbildungskonzepten und ‐materialien.Für ein solches kaskadierendes Modell der Verbreitung (des Scaling‐Ups) von Fortbildungen oder Unterstützungsmaßnahmen (Maaß und Artigue 2013) ist ein essentieller Erfolgsfaktor die Unterstützung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren.

Bärbel Barzel, Rolf Biehler, Sigrid Blömeke, Regine Brandtner, Julia Bruns, Christian Dohrmann, Ulrich Kortenkamp, Thomas Lange, Timo Leuders, Bettina Rösken-Winter, Petra Scherer, Christoph Selter

3. „Mathematik Anders Machen“ (MAM) – eine subjektive Retroperspektive vor dem Hintergrund des heutigen „Deutschen Zentrums für Lehrerbildung Mathematik“ (DZLM)

Das von der Deutsche Telekom Stiftung im Zeitraum 2006–2011 geförderte Projekt „Mathematik Anders Machen“ (MAM) kann als ein wesentlicher Schritt der Professionalisierung von Mathematiklehrerinnen und Mathematiklehrern in der dritten Phase in Deutschland angesehen werden; es bereitete zudem die Aktivitäten des DZLM vor. In der wissenschaftsgeleiteten und zugleich praxisorientierten MAM‐Initiative zur Lehrerfortbildung im Fach Mathematik fanden bundesweit fast 500 Kurse statt. Der nachfolgende Artikel des Autors, einer der damaligen beiden Projektleiter, zeichnet die interne Entwicklung dieses Projektes aus dem Blickwinkel des heutigen Forschungsstandes zur Professionalisierung von Lehrpersonen nach.

Günter Törner

Beispielprojekte des DZLM zur Professionalisierung von Mathematikfortbildungen

Frontmatter

4. Fachliche Qualifizierung von Lehrpersonentandems mit Unterstützung von Unterrichtsentwicklung konzeptionell verbinden

Fachlich orientierte Fortbildungen für Grundschullehrpersonen sind eine Seltenheit, obwohl empirische Untersuchungen einen engen Zusammenhang zwischen dem fachlichen Professionswissen der Lehrpersonen und den Leistungen der Schülerinnen und Schüler nachgewiesen haben. In Berlin kommt hinzu, dass die im Mathematikunterricht der Grundschule tätige Lehrerschaft sehr heterogen ist und eine Vielzahl fachfremder Lehrpersonen eingesetzt ist. Vor diesem Hintergrund sind im Deutschen Zentrum für Lehrerbildung Mathematik (DZLM) fachwissenschaftliche Fortbildungskurse unter didaktischer Perspektive entwickelt und mehrfach erprobt worden. Das Konzept des beispielhaft dargestellten „Stochastikkurses“ orientiert sich an den Empfehlungen der Deutscher Mathematiker‐Vereinigung (DMV), der Gesellschaft für Didaktik der Mathematik (GDM) und des Deutschen Vereins zur Förderung des mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterrichts e. V. (MNU) zu den Standards der Lehrerbildung, dem Rahmenlehrplan für die sechsjährige Grundschule in Berlin und den Gestaltungsprinzipien des DZLM. Die Heterogenität der Teilnehmenden hat sich eher als Bereicherung denn als Belastung herausgestellt. Begleitforschung, Reflexionsrunden und Einzelinterviews ergaben deutlich positive Effekte bei der Entwicklung des Wissens, den fachlichen Kompetenzen der Teilnehmenden. Es konnten auch positive Auswirkungen auf den Unterricht der Teilnehmenden festgestellt und anhand von Schülerleistungen dokumentiert werden. Die angestrebte Arbeit in Professionellen Lerngemeinschaften konnte aufgrund schulischer Rahmenbedingungen nur in Ansätzen realisiert werden, trotzdem hat sich das Konzept, Tandems aus Schulen zur Fortbildung zu schicken bewährt.

Elke Binner, Marianne Grassmann

5. Empirische Befunde zur beruflichen Situation von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für den Mathematikunterricht an Grundschulen

Exemplarisch für das Multiplikatorensystem in zahlreichen deutschen Bundesländern wird die Situation der so genannten Fachberaterinnen und Fachberater Unterrichtsentwicklung für Mathematik an Grundschulen in Baden-Württemberg betrachtet, die Lehrerfortbildungen auf Schulamtsebene durchführen. Im Beitrag wird zunächst das Ergebnis einer Befragung zur beruflichen Situation und den Fortbildungsaktivitäten dieser Gruppe dargestellt. Die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren erweisen sich als eine für die regionale und schulinterne Fortbildung wichtige Personengruppe, der bislang sowohl seitens der Schulverwaltung als auch in der Forschung zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Weiter wird über die Konzeption, Durchführung und Evaluation einer Multiplikatorenfortbildung zur Leitidee „Größen und Messen“ berichtet. Es zeigen sich sehr deutlich unterschiedliche Aspekte der Doppelrolle, die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren einnehmen.

Stephanie Schuler, Gerald Wittmann

6. Entwicklung und Erprobung einer internetgestützten einjährigen Lehrerfortbildung „Daten, Häufigkeit und Wahrscheinlichkeit“ für Primarstufenlehrpersonen

Ziel der Fortbildung ist die Entwicklung fachlicher und fachdidaktischer Kompetenzen von Mathematiklehrerinnen und Mathematiklehrern der Primarstufe zur inhaltsbezogenen mathematischen Kompetenz „Daten, Häufigkeit und Wahrscheinlichkeit“ der Bildungsstandards im Fach Mathematik. Zwischen den vier Präsenzveranstaltungen, die der direkten persönlichen Kommunikation über ausgewählte Inhalte dienen, finden drei Online‐Arbeitsphasen statt. In diesen erproben die Lehrpersonen ihr neu erworbenes Wissen im Unterricht und stellen ihre Ergebnisse auf einer E‐Learning‐Plattform in Form von Erfahrungsberichten vor. Die Entwicklung und Erprobung des Kurses erfolgte nach der Methode der konstruktiven Entwicklungsforschung von Wellenreuther (2000). Im Beitrag werden die Forschungsmethode, Ziele und Inhalte im Kurskonzept, die Phasen der Kurskonzeptentwicklung und Ergebnisse der Erprobung des Kurses dargestellt. Aus den gesammelten Erfahrungen werden Thesen zur wissenschaftlich fundierten Entwicklung eines Fortbildungskurses für Primarstufenlehrpersonen im Bereich Mathematik abgeleitet.

Hans-Dieter Sill, Grit Kurtzmann

7. Geometrie dynamisch interpretieren und kompetenzorientiert unterrichten – Konzept und Evaluation der viertägigen Fortbildungsreihe Geometrie kompakt

Aufgrund curricularer Vorgaben äußern Mathematiklehrerinnen und Mathematiklehrer Unterstützungsbedarf für das dynamische und prozessorientierte Geometrieunterrichten. Zu diesem Zweck wurde eine Lehrerfortbildung entwickelt und im Auftrag des Ministeriums für Schule und Weiterbildung des Landes NRW vom DZLM und der Medienberatung NRW durchgeführt, die Lehrpersonen ermöglichen soll, einen modernen und kompetenzorientierten Geometrieunterricht zu gestalten. Die Inhalte orientierten sich an den Erkenntnissen aus der stoffdidaktischen und empirischen Literatur zum Kompetenzaufbau im Geometrieunterricht und zum Einsatz von dynamischer Geometrie‐Software, an Erfahrungen der vorherigen DZLM‐Lehrerfortbildung „Dynamische und kompetenzorientierte Sicht auf die euklidische Geometrie“ und an Lehrerfortbildungen aus dem Projekt „Mathematik Anders Machen“. In diesem Beitrag stellen wir das Konzept, die Durchführung und die Evaluation der Lehrerfortbildung vor, die unter dem Namen „Geometrie kompakt“ im Schuljahr 2014/15 in NRW durchgeführt wurde. Abschließend gehen wir auf Ergebnisse der Evaluation im Hinblick auf eine Weiterentwicklung ein.

Ana Kuzle, Rolf Biehler, Wilfried Dutkowski, Hans-Jürgen Elschenbroich, Gaby Heintz, Katrin Hollendung

8. Konzeptionelles und Beispiele aus der Arbeit des Projekts PIKAS

Für die Umsetzung von Bildungsstandards und Lehrplänen kann man die Qualität der Lehrerausbildung in den ersten beiden Phasen nicht hoch genug einschätzen. In der Praxis spielt aber auch die „dritte Phase der Lehrerbildung“ eine immer wichtigere Rolle: Für die breitenwirksame und nachhaltige Entwicklung des Mathematikunterrichts bedarf es zusätzlich der Intensivierung und Systematisierung der Lehrerfortbildung. Diese sollte verknüpft sein mit Maßnahmen zur Förderung der fachbezogenen Schulentwicklung und dem Aufbau professioneller Netzwerke auf unterschiedlichen Ebenen. Im vorliegenden Beitrag berichten wir über diesbezügliche Erfahrungen aus dem von der Deutsche Telekom Stiftung und dem Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW geförderten Projekt PIKAS, in dem versucht wird, Erkenntnisse aus Innovations‐ und Schulentwicklungsforschung im mathematikdidaktischen Kontext so weiterzuentwickeln, dass Bildungsstandards und Lehrpläne die Unterrichtspraxis noch besser erreichen können.

Christoph Selter, Martin Bonsen

9. Kompetenzorientierter Mathematikunterricht in der Grundschule – ein Qualifizierungskurs für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren

Die Fortbildungsmaßnahme „Kompetenzorientierter Mathematikunterricht“ wurde für angehende und praktizierende Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in NRW konzipiert und bislang in den Schuljahren 2012/13 und 2013/14 insgesamt zweimal durchgeführt. Sie stellte einen von drei Teilen des einjährigen Zertifikatskurses „Kompetenzorientierter Mathematikunterricht und Umgang mit Heterogenität“ dar und beinhaltete zehn zentrale Themen eines kompetenzorientierten Mathematikunterrichts. Der Fortbildungszeitraum für den hier dargestellten Teil erstreckte sich über ein halbes Jahr und umfasste fünf ganztägige Präsenztermine. Dazwischen lagen jeweils mehrwöchige Praxisphasen mit Erprobungen und kollegialen Reflexionen sowie Aktivitäten zum Selbststudium. Ein zentraler Aspekt war die Etablierung von Professionellen Lerngemeinschaften (PLGen), einerseits als Veranstaltungsinhalt, andererseits auch als Veranstaltungsform bei der Behandlung der Themen. Für die Zertifizierung erbrachten die Teilnehmenden mehrere Leistungsnachweise.

Karina Höveler, Maren Laferi, Christoph Selter

10. „MAMUTH“ in Thüringen – eine Mammut-Aufgabe erfolgreich gestartet

Im Beitrag wird das Projekt „MAMUTH“ (Mathematikunterricht in Thüringen) in seiner Konzeption und seinen Zielen beschrieben. Von dem aus vier Modulen bestehenden Projekt wird eines im Detail näher erläutert. Anhand der Modulinhalte wird das zu entwickelnde Professionswissen zukünftiger Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in Verbindung mit der Umsetzung der Gestaltungsprinzipien des DZLM beschrieben.

Heike Hahn, Regina Möller, Ute Alsdorf

11. Fortbilden lernen – ein mathematikdidaktisches Qualifizierungskonzept für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren

Guter Mathematikunterricht folgt den didaktischen Prinzipien der kognitiven Aktivierung, Differenzierung, Verstehensorientierung, Diagnosegeleitetheit und Sinnstiftung in allen Unterrichtsphasen. In dem Beitrag wird dargelegt, wie diese Prinzipien in prozessbezogener Perspektive in und für Fortbildungen thematisiert werden können. Die Teilnehmenden der Qualifizierung für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren werden zum einen in ihrer Rolle als Lehrerin und Lehrer angesprochen, um gemeinsam zu erarbeiten, wie entsprechender Mathematikunterricht selbst gestaltet und durchgeführt werden kann. Zum anderen werden sie in ihrer Rolle als Multiplikatorin und Multiplikator adressiert und es wird thematisiert, wie die Prinzipien guten Unterrichts an Lehrerinnen und Lehrer vermittelt werden können. Beide Ebenen beziehen die Teilnehmenden als Expertinnen und Experten für Unterricht und Fortbildung aktiv ein und bieten theoretische Rahmungen, um bisherige und während der Fortbildung gemachte Erfahrungen einzuordnen und gemeinsam zu reflektieren.

Bettina Rösken-Winter, Stephan Hußmann, Susanne Prediger

12. Lerngelegenheiten für Mathematisches Argumentieren, Modellieren und Problemlösen (LEMAMOP)

Das seit dem Schuljahr 2013/14 für drei Jahre angelegte Materialentwicklungs‐ und Lehrerfortbildungsprojekt LEMAMOP (Lerngelegenheiten für Mathematisches Argumentieren, Modellieren und Problemlösen) hat folgende Zielstellung: Ein theoretisches Konzept von vierstündigen kompakten Kompetenztrainings als spezifischen expliziten Lerngelegenheiten zum Argumentieren, Modellieren und Problemlösen von Jahrgang 5 bis 12 wird als Modellprojekt des Landes Niedersachsen und mit Unterstützung durch das DZLM in Form von Unterrichtsbausteinen konkretisiert, erprobt und evaluiert. Schließlich wird dieses materialgestützte Konzept im Rahmen der von Multiplikatoren des Landes Niedersachsen (MUT; MUT steht für eine Gruppe gymnasialer Mathematiklehrkräfte in Niedersachsen, die als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren regelmäßig innovative Angebote für Schulen vorbereitet und umsetzt.) getragenen Lehrerfortbildung in Niedersachsen eingeführt und in die online‐Fortbildungskurse integriert, die über das DZLM bundesweit angeboten werden. Vielfältige fachdidaktische Erkenntnisse und die Erfahrungen aus den beiden mehrjährigen Vorgängerprojekten CAliMERO (CAliMERO steht für Computer‐Algebra im Mathematikunterricht: Entdecken, Rechnen, Organisieren. Zu Ergebnissen des Projektes CAliMERO, bei dem es von 2005–2013 um die Entwicklung und Erprobung von Lehr‐ und Lernmaterialien mit Einsatz von CAS in der Sekundarstufe I ging, vgl. Pinkernell und Bruder (2011).) und MABIKOM (vgl. Pinkernell und Bruder 2011; Bruder und Reibold 2012, Bruder et al. 2014a) in Niedersachsen wurden für das Konzept von LEMAMOP genutzt.

Regina Bruder, Ulf-Hermann Krüger

13. Unterrichtsentwicklung und Professionalisierung im Verbund – Konzepte und Umsetzung im KOSIMA-Projekt und -Netzwerk

Das KOSIMA‐Netzwerk (Kontexte für sinnstiftendes Mathematiklernen) setzt sich zum Ziel, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sowie Lehrpersonen auf der Basis eines theoretisch fundierten, praktisch erprobten und empirisch beforschten Unterrichtskonzepts zu professionalisieren. Der Artikel zeigt auf, welche Chancen und Herausforderungen sich durch den konsequent verknüpften Verbund von Unterrichtsentwicklung und Professionalisierung ergeben.

Lars Holzäpfel, Bärbel Barzel, Stephan Hußmann, Timo Leuders, Susanne Prediger, Judith Blomberg

14. Umgang mit Heterogenität im Mathematikunterricht der Grundschule – Erfahrungen und Ergebnisse einer Fortbildungsmaßnahme für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren

Heterogene Lerngruppen stellen Lehrpersonen im Mathematikunterricht der Grundschule vor besondere Herausforderungen. Dabei wird das Heterogenitätsspektrum durch die zunehmende Umsetzung von Inklusion erweitert, und die Berücksichtigung und Unterstützung aller Kinder erfordert eine Weiterentwicklung des Unterrichts. In Nordrhein‐Westfalen wurde eine einjährige Fortbildungsmaßnahme für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren konzipiert, die im Schuljahr 2012/13 durchgeführt sowie unter Berücksichtigung der Evaluationsergebnisse optimiert und im Schuljahr 2013/14 noch einmal wiederholt wurde. Die Maßnahmen umfassten die drei Bereiche „Kompetenzorientierter Mathematikunterricht“, „Heterogenität im Mathematikunterricht“ sowie „Fortbildungsdidaktik und ‐management“. In Präsenz‐ und Distanzphasen, E‐Learning‐Elementen sowie individuellen und kooperativen Arbeitsphasen wurden fachliche, fachdidaktische und fortbildungsdidaktische Kompetenzen der Lehrpersonen in den drei Bereichen aufgebaut bzw. vertieft. Der folgende Beitrag gibt einen Einblick in die konkreten Inhalte und die methodische Umsetzung des Themenfelds „Heterogenität im Mathematikunterricht“ (zur Umsetzung des Themenfelds „Kompetenzorientierter Mathematikunterricht“ vgl. den Beitrag von Höveler et al. in diesem Band).

Petra Scherer, Martina Hoffmann

15. Entwicklung einer Fortbildung zu allgemeindidaktischen und fachdidaktischen Aspekten des Differenzierens

Mathematiklehrpersonen äußern Unterstützungsbedarf für das Unterrichten in zunehmend als heterogen wahrgenommenen Lerngruppen. Zu diesem Zweck wurden Fortbildungsmodule entwickelt, die Lehrpersonen der Sekundarstufe I dabei unterstützen soll, Differenzierungsstrategien auf allgemeindidaktischer Ebene der Unterrichtsstrukturen sowie auf fachdidaktischer Ebene der Lerninhalte und Aufgabenkultur einzusetzen (orientiert an dem Konzept „Flexibel differenzieren und fokussiert fördern“ nach Leuders und Prediger 2016). Die beiden eintägigen Module wurden in sechs Zyklen durchgeführt, ausgewertet und weiterentwickelt. Dabei diente das Konzept des knowledge‐of‐practice als Analyserahmen, da hierbei vor allem die Voraussetzungen dafür, dass Lehrpersonen die Fortbildungsinhalte in ihrer bestehenden Praxis konstruktiv aufnehmen, im Blick sind.

Timo Leuders, Claudia Schmaltz, Ralf Erens

16. Mathe kompakt – Entwicklung und Erprobung eines Kurses für Mathematik fachfremd unterrichtende Grundschullehrpersonen

Der Beitrag berichtet über einen Fortbildungskurs für fachfremd unterrichtende Mathematiklehrpersonen, der zu einem Modell für die Gestaltung von entsprechenden Kursen werden kann.Zielsetzung ist es, grundlegende Ideen der Mathematikdidaktik an ausgewählten inhaltlichen Beispielen zu behandeln. Dabei wird in Präsenzphasen der mathematikdidaktische Hintergrund der Beispiele thematisiert, und es werden konkrete Umsetzungsbeispiele für den eigenen Unterricht erarbeitet, die dann in Online‐Seminaren weiter vertieft werden. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der unterrichtlichen Umsetzung der prozessbezogenen Kompetenzen im Rahmen der verschiedenen Inhaltsbereiche. Den fachfremd Unterrichtenden soll zudem die Möglichkeit gegeben werden, tragfähige Einstellungen zur Mathematik und zum Mathematikunterricht zu entwickeln und sich einen Überblick über Entwicklungen in der Mathematikdidaktik zu verschaffen.Der Beitrag beschreibt die konzeptionellen Hintergründe des Kurses und erste Ergebnisse der Evaluation.

Luise Eichholz, Christoph Selter

17. ProFFunt 5/6 – Konzept und Erfahrungen

ProFFunt 5/6 (Professionalisierung fachfremd Unterrichtender in den Klassenstufen 5 und 6) ist ein Fortbildungsprojekt, das vom Lehrstuhl für Mathematik und ihre Didaktik an der Universität des Saarlandes (UdS) in konstruktiver und intensiver Zusammenarbeit mit dem saarländischen Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM), dem Ministerium für Bildung und Kultur des Saarlandes (MBK) und nicht zuletzt dem Deutschen Zentrum für Lehrerbildung Mathematik (DZLM) angestoßen, entwickelt und pilotiert wurde und inzwischen regulärer Teil des LPM‐Angebots ist. In der Fortbildung spielen sowohl ausgewählte fachliche als auch fachdidaktische Fragen sowie insbesondere deren integratives Zusammenspiel eine wesentliche Rolle.

Anselm Lambert, Matthias Römer

18. Ffunt@OWL – Ein Zertifikatskurs für fachfremd Mathematik unterrichtende Lehrpersonen

In Nordrhein‐Westfalen bieten die Bezirksregierungen vor dem Hintergrund, dass der Anteil der fachfremd Mathematik unterrichtenden Lehrpersonen in der Sekundarstufe I schon jetzt bei etwa 13,1 % liegt (Richter et al. 2013) und der Ausfall durch die in den nächsten Jahren in Pension gehenden Mathematiklehrpersonen nicht durch den Nachwuchs gedeckt werden kann (Klemm 2015), sogenannte Zertifikatskurse (Z‐Kurse) an, die fachfremd Mathematik unterrichtende Lehrpersonen qualifizieren. Seit Februar 2014 arbeiten die Bezirksregierung Detmold und das DZLM am Standort Paderborn gemeinsam an einem Zertifikatskurs Mathematik „Fachfremd unterrichten in Ostwestfalen‐Lippe“ (Ffunt@OWL), der in diesem Beitrag beschrieben wird. Ziel der Kooperation war es für den Regierungsbezirk ein Curriculum für den Zertifikatskurs Mathematik zu entwickeln und gleichzeitig passendes Material zu gestalten und zu pilotieren, das dann in den folgenden Jahren genutzt werden kann. Im Schuljahr 2014/2015 wurde der Kurs das erste Mal durchgeführt und im Schuljahr 2015/2016 wiederholt, wobei die Materialien auf Basis der Ergebnisse des Kurses 2014/2015 überarbeitet wurden. In diesem Beitrag beschreiben wir zunächst die rechtlichen Rahmenbedingungen dieser Kurse und ihre Zielgruppe. Anschließend stellen wir den theoretischen Rahmen für das Design des Kurses und exemplarisch die Umsetzung an einem Fortbildungstag aus dem Durchlauf 2015/2016 vor. Abschließend geben wir einen Einblick in einen Teil der Evaluationsmaßnahmen.

Steffen Lünne, Rolf Biehler

19. Moderatorenfortbildung zur Unterstützung fachfremd unterrichtender Lehrpersonen in Mathematik (Moffunt)

Berichtet wird über Konzeption und Durchführung einer Moderatorenfortbildung zur Unterstützung von Lehrpersonen, die Mathematik in den Klassen 5 und 6 ohne Fachfakultas unterrichten (die Zielgruppe). Ziel war, die Moderatorinnen und Moderatoren zu befähigen, eine kleine Fortbildungssequenz – administrativ vorgegeben waren ca. 6 Halbtage – zu entwickeln und umzusetzen, um die Zielgruppe darin zu unterstützen, Mathematikunterricht kompetenzfördernd zu gestalten. Die Moderatorinnen und Moderatoren verfügten bereits über Fortbildungserfahrung zum Fachunterricht Mathematik, aber ohne eine explizite Ausrichtung auf diese Zielgruppe. In einigen fachdidaktischen Bereichen hatten sie teilweise selbst Fortbildungsbedarf.Im ersten Schritt wurde in Absprache mit den Moderatorinnen und Moderatoren festgelegt, welche Inhalte und Themen gemeinsam bearbeitet werden sollten. Bereits in dieser Phase wurde der Blick auf die speziellen Bedürfnisse der Zielgruppe der fachfremd unterrichtenden Lehrpersonen reflektierend geschärft. Dies wurde im zweiten Schritt intensiviert, indem das implizite Wissen der Moderatorinnen und Moderatoren über Kolleginnen und Kollegen ohne Fakultas aktiviert wurde. Dabei wurden auch die Fortbildungsinhalte auf die Zielgruppe ausgerichtet und mit Aktivierungsübungen angereichert. Im dritten Schritt hat die Moderatorengruppe ihre Erfahrungen und bereit gestellte Materialien genutzt, um gemeinsam und arbeitsteilig ein Fortbildungskonzept für fachfremd unterrichtende Lehrpersonen zu erstellen und umzusetzen.

Angelika Bikner-Ahsbahs, Hans Dieter von Zelewski

20. Lehren und Lernen mit digitalen Werkzeugen: Entwicklung und Durchführung einer Fortbildungsreihe

Im Rahmen einer Kooperation des DZLM mit dem Kultusministerium Nordrhein-Westfalens wurde die staatliche Lehrerfortbildungsreihe „GTR kompakt“ durchgeführt, um Lehrkräfte auf einen sinnvollen Einsatz digitaler Werkzeuge im Mathematikunterricht der Oberstufe vorzubereiten. Das Konzept der Fortbildung wurde von einer Gruppe von Lehrenden aus Schule und Universität gemeinschaftlich und theoriegeleitet entwickelt. Im Mittelpunkt stand, die Möglichkeiten und Gefahren des Rechnereinsatzes insbesondere im Bereich der Analysis aufzuzeigen und sinnvolle Unterrichtswege anzubahnen. Gezielter Vorstellungsaufbau, Repräsentationswechsel, verstehensorientierte Aufgaben und schülerzentriertes Unterrichten markieren dabei wesentliche Aspekte. Der Beitrag liefert Einblicke in den Entwicklungsprozess und zeigt wichtige Erfahrungen im Rahmen der Durchführung der Fortbildungsreihe auf.

Marcel Klinger, Daniel Thurm, Bärbel Barzel, Gilbert Greefrath, Andreas Büchter

21. EmMa – Fortbildung für elementarpädagogische Fachperson zur frühen mathematischen Bildung

Im folgenden Beitrag wird die Fortbildungsreihe „EmMa – Erzieherinnen und Erzieher machen Mathematik“ vorgestellt. Dazu wird auf der Grundlage aktueller Forschungsergebnisse der Fortbildungsbedarf in Bezug auf die frühe mathematische Bildung aufgezeigt und das Verständnis der Förderung früher mathematischer Bildungsprozesse für das vorgestellte Fortbildungskonzept abgeleitet. Im Anschluss wird das Fortbildungskonzept dargestellt. Dazu werden die thematisierten Inhaltsbereiche der Mathematik aus der Perspektive des Elementarbereichs und im Hinblick auf ihre Anschlussfähigkeit zu den folgenden Bildungsstufen erläutert und die methodische Aufbereitung dieser Inhalte präsentiert. Mithilfe von Evaluationsergebnissen zur Gestaltung und Umsetzung der Fortbildung werden die bisherigen Fortbildungskurse reflektiert und mögliche Anpassungen bzw. Stärken bezüglich der Fortbildungsreihe beschrieben.

Julia Bruns, Lars Eichen

22. Berufsbegleitende Lehrerbildung als Profession verstehen – Konzeption eines Weiterbildungsmasterstudiengangs für Fort- und Ausbildende von Mathematiklehrpersonen

Eine fundierte, akademische und zugleich praxisorientierte Qualifizierung für Gestalterinnen und Gestalter der berufsbegleitenden Lehrerbildung im Fach Mathematik fehlt in Deutschland bislang generell. Dabei stehen die Akteurinnen und Akteure in diesem Praxisfeld vor zwei großen Herausforderungen: Es wird erwartet, dass sie qualitativ hochwertige, theoretisch fundierte und an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientierte Angebote sowohl planen, durchführen als auch evaluieren und zudem die Herausforderungen einer Führungsaufgabe im Bereich der berufsspezifischen Erwachsenenbildung bewältigen. Für diese Anforderungsbereiche stehen bisher allerdings keine systematischen und berufsspezifischen Qualifikationsmöglichkeiten zur Verfügung. Erschwerend kommt hinzu, dass die akademischen Bezugsdisziplinen sich in den letzten Jahren deutlich ausdifferenziert und methodisch, aber auch inhaltlich an Komplexität gewonnen haben. Der hier vorgestellte Weiterbildungsmasterstudiengang adressiert diese Lücke. Das Konzept sieht reichhaltige, jedoch zugleich am spezifischen Praxisfeld orientierte Lerngelegenheiten vor und trägt somit zur Professionalisierung der Akteurinnen und Akteure bei. Im Artikel wird die Konzeption des Weiterbildungsmasterstudiengangs „Berufsbegleitende Lehrerbildung Mathematik“ vorgestellt sowie theoretisch begründet. Des Weiteren wird die Anlage als bundesweit und schulstufenunabhängig studierbarer Weiterbildungsstudiengang in Teilzeit in einem Blended‐Learning Verfahren (Online‐basierte Veranstaltungen mit wenigen Präsenzphasen) skizziert. Da der Studiengang erst kürzlich akkreditiert wurde, können noch keine Ergebnisse der geplanten systematischen Weiterentwicklung bereitgestellt werden. Anstelle dessen wird die potenzielle Bedeutung des Studiengangs für strukturelle Umbrüche in Bezug auf den Praxisbereich der berufsbegleitenden Lehrerbildung diskutiert.

Anke Lindmeier, Thomas Riecke-Baulecke, Bärbel Barzel
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