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14.11.2012 | Media Relations | Im Fokus | Onlineartikel

Der Nachrichtenwert in der PR

Autor:
Andrea Amerland

Für die Pressearbeit spielt der sogenannte Nachrichtenwert eine entscheidende Rolle. Welche Informationen es in die Medien schaffen und welche nicht.

Wann ist eine Nachricht eine Nachricht? Die Nachrichtenwert-Theorie erklärt, warum manche Themen in der Medienberichterstattung wenig oder gar nicht vorkommen, eine Frage, die auch die Initiative Nachrichten Aufklärung, kurz INA, beschäftigt. Sie hat zehn Themen veröffentlicht, die nach Ansicht einer Jury aus Journalisten und Wissenschaftlern in der Medienberichterstattung zu wenig berücksichtigt werden. Das Gemeinschaftsprojekt der Hochschulen TU Dortmund, Universität Siegen und MHMK Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation hat folgende Top 10 festgehalten:

  1. Keine Rente für arbeitende Gefangene
  2. HIV-positiv auf dem Arbeitsmarkt: Kein Rechtsschutz gegen Diskriminierung
  3. Die Antibabypille – gefährliches Lifestyle-Medikament
  4. Weiterbildung zum Hungerlohn
  5. Hartz IV bei Krankheit – kein Thema
  6. Vergessene Zivilprozesse
  7. Gekaufte Kundenbewertungen im Internet
  8. Miserable Zustände in europäischen Haftanstalten
  9. Die undurchsichtige Industrie humanitärer Hilfe
  10. Betrugsanfälligkeit von Drogentests

Der Nachrichtenwert im situativen Kontext

Doch warum berichten Medien über bestimmte Themen, während andere völlig unter den Tisch fallen? Ingrid Andrea Uhlemann hat den Nachrichtenwert im situativen Kontext analysiert. Die Autorin hat in einer empirischen Studie den Einfluss von Tageszeit und Konkurrenz auf Nachrichtenwert und Nachrichtenauswahl untersucht. Demnach ist für Redaktionen die Meldungshäufigkeit von Ereignissen im Agenturmaterial von DPA bis Reuters ein wichtiger Indikator für den Nachrichtenwert. Gleichzeitig beeinflussen Zeit und Konkurrenz die Nachrichtenauswahl deutlich.

Wichtig ist auch der Faktor Erfahrung. Redakteure greifen auf erlerntes Wissen zurück, wenn sie sich für ein Thema entscheiden. Dieses heuristische Vorgehen ist typisch für das Berufsbild des Journalisten, der die Kunst, mit begrenztem Wissen und wenig Zeit, zu praktikablen und guten Entscheidungen zu kommen, beherrschen muss. Die Gatekeeper-Forschung kommt insgesamt zu dem Ergebnis, dass die Nachrichtenauswahl von subjektiven, institutionellen und systemischen Kriterien geprägt ist. Nicht nur Aktualität, Gesprächswert, Kontroverse, Betroffenheit, Kuriosität, lokaler Bezug oder Prominenz entscheiden darüber, ob eine Information oder Pressemitteilung zur Nachricht wird. Auch die Koorientierung an anderen Medien ist ein wichtiger Faktor, wie Hermann Simon in einem Experiment nachweisen konnte.

Fakt ist: Positive Meldungen haben es schwerer, abgedruckt zu werden. Der Negativismus ist dem Journalismus eigen. Daher beklagen gemeinnützige Organisationen häufig, zu wenig Presse zu bekommen. Für die Medien wird ein Thema aber interessant, wenn es in einen aktuellen gesamtgesellschaftlichen Kontext passt. Dann hat die Pressemitteilung tatsächlich Nachrichtenwert.

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