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09.09.2015 | Media Relations | Im Fokus | Onlineartikel

Journalisten halten Pressekonferenzen für Zeitverschwendung

Autor:
Anja Schüür-Langkau

Die Relevanz von Pressekonferenzen nimmt ab, weil Journalisten immer weniger Zeit haben. Doch eine gute PR-Arbeit, die die Autonomie der Redaktionen respektiert, wird immer wichtiger.

Die Zeiten, in denen Journalisten stundenlange Unternehmenspräsentationen in stickigen Konferenzräumen über sich ergehen ließen und anschließend noch Smalltalk bei Häppchen, Sekt und  Kaffee hielten, sind vorbei. Die Mehrheit der Journalisten betrachtet Pressekonferenzen als Zeitverschwendung. Zeitdruck und der zunehmende Arbeitsbelastung sind die Hauptgründe, warum Journalisten heute lieber vom Schreibtisch aus recherchieren oder sich mit wichtigen Gesprächspartnern persönlich unter vier Augen treffen.   

Persönliche Kontakte werden als Recherchequelle wichtiger

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Das geht aus der Ecco-Studie zur Zukunft des Journalismus hervor. An der  gemeinsamen Online-Befragung des PR-Agenturnetzwerks Ecco und des Journalistenportals Newsroom nahmen deutschlandweit 450 Journalisten teil. Dabei gaben 66,3 Prozent der befragten Journalisten an, dass Pressekonferenzen an Bedeutung verloren haben. 11,2 Prozent halten sie für völlig irrelevant. Demgegenüber nimmt nach Ansicht der befragten Medienschaffenden die Bedeutung Vier-Augen-Gespräche mit 77 Prozent Zustimmung zu.

PR-Arbeit ist für Journalisten wichtiger geworden

Der Zeitdruck in den Redaktionen hat für PR-Agenturen und Pressesprecher auch positive Aspekte. Denn nach Ansicht der Befragten sind PR-Informationen für die redaktionelle Arbeit in den vergangenen fünf Jahren deutlich wichtiger geworden. Die andere Seite der Medaille zeigt aber auch, dass die Grenzen zwischen redaktionellen und bezahlten Inhalten immer mehr verschwimmen. Dieser Aussage stimmen rund 91,6 Prozent der Befragten ganz oder teilweise zu. Und 70,2 Prozent der Journalisten nutzen nach eigenen Angaben häufiger als früher vorformuliertes Material. Eine Folge ist nach Ansicht der befragten Journalisten, dass durch diese Entwicklung die Glaubwürdigkeit der Medien gesunken ist.

Herausforderungen für PR-Experten steigen

Zudem haben die Veränderungen der Medienlandschaft durch die Digitalisierung zur Folge, dass die klassischen Medien seit Jahren auf Schrumpfkurs sind. „Dies hat erhebliche Umbruchprozesse in deutschen Medienhäusern und das Überdenken traditioneller redaktioneller Konzepte zur Folge. Ein Umdenken hat begonnen, in dessen Folge sich abzeichnet, dass die klassische Ereignisberichterstattung einer stärkeren Hintergrundberichterstattung weichen wird“, erläutern die Springer-Autoren Markus Kiefer und Jan Lies in ihrem Beitrag „Public Relations als Medienarbeit“. Damit steige in den Redaktionen der „Drang nach exklusiven Meldungen“ (Seite 37), um sich stärker von der Konkurrenz abzugrenzen und die eigene Position zu stärken. Diese Entwicklung erklärt, warum persönliche Vier-Augen-Gespräche aus Sicht der Journalisten an Bedeutung zunehmen. 

Autonomie der Medien akzeptieren

Generell versucht die „Presse- und Medienarbeit in der Unternehmenskommunikation“, „journalistische Selektionskriterien zu simulieren, indem sie Anreize für eine Berichterstattung schafft. Diese Anreize reichen von dem Versprechen der Exklusivität über die Inszenierung von Veranstaltungen und provokanten Statements bis hin zum Einsatz prominenter Testimonials, schreibt Springer-Autor Olaf Hoffjan (Seite 680). Entscheidend für eine erfolgreiche Medienarbeit aber ist, dass PR-Verantwortliche die Autonomie der Medien akzeptieren und nicht versuchen, sie als bloßen Distributionskanal von PR-Botschaften zu instrumentalisieren.  

 

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