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06.03.2014 | Media Relations | Schwerpunkt | Online-Artikel

Super-GAU für die Litigation-PR

verfasst von: Andrea Amerland

2:30 Min. Lesedauer

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Ein Prozess war für Jörg Kachelmann ein Karrierekiller. Für Oscar Pistorius könnte der Mordprozess einer werden. Die Medienhysterie ist in jedem Fall eine Herausforderung für die Litigation-PR. Ein Kommentar.

Zum ersten Mal darf ein Strafprozess dieser Art live im südafrikanischen Fernsehen übertragen werden. Journalisten aus der ganzen Welt sind daher nach Pretoria gereist. Die Geschichte um den Paralympics-Held Oscar Pistorius ist einfach zu spektakulär, als dass sich die Medien diese entgehen lassen könnten: Ausgerechnet in der Nacht zum Tag der Liebenden, dem Valentinstag, erschießt der Ausnahmensportler seine blonde Modell-Freundin. Man könnte meinen, Hollywood hat sich diesen Plot ausgedacht. Aber das Geschehen ist Realität.

Moral, Recht und Reputation

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Die Begründung, Pistorius habe seine Freundin für einen Einbrecher gehalten und daher durch die Badezimmertür geschossen, stößt in Europa auf Verwunderung, ist in Südafrika aber ein Stück weit bittere Realität. Dort ist die Angst vor Kriminalität groß und der Besitz von Schusswaffen zum eigenen Schutz nichts Ungewöhnliches.

Und doch glaubt die Hälfte der Afrikaner nicht an Pistorius Unschuld, zeigen Umfrage-Ergebnisse. Pistorius hat bereits jetzt ein erhebliches Reputationsproblem, ausgelöst durch die "Personalisierung, Moralisierung und Intimisierung“ während des Strafgerichts-Prozesses, ein Phänomen, wie es Springer-Autor Mark Eisenegger in dem Buchkapitel "Moral, Recht und Reputation“ beschreibt (Seite 113).

In der Öffentlichkeit gilt die Schuldvermutung

Der Reputationsfaktor Moralisierung greift voll und ganz. Denn während im Gerichtssaal die Unschuldsvermutung gilt, "orientiert sich die Öffentlichkeit genau am Gegenteil, nämlich am Prinzip der Schuldvermutung" (Seite 114), so Eisenegger. Gleichzeitig versucht die Anklage "Kompetenz, Integrität und/oder Glaubwürdigkeit öffentlichkeitswirksam und unter Anführung überzeugender Gründe in Zweifel zu ziehen" (Seite 116).

Auch das von Eisenegger beschriebene Phänomen der Intimisierung greift im Falle Pistorius. Die Ursache für das moralische Fehlverhalten wird demnach in der Biografie und Psyche des Angeklagten gesucht. Möglichst alle seelischen Abgründe sollen durchleuchtet werden (Seite 166 ff.). So kursierten Fotos, die den Sportler bei Schießübungen zeigen und sein Surfen auf Pornoseiten war bereits Thema im Prozess.

Insofern stehen die Zeichen in Sachen Litigation-PR derzeit schlecht. Der Verteidigung ist es nicht gelungen, Litigation-PR als aktives Reputationsmanagement zu betreiben und einen Schaden für den Ruf des Angeklagten abzuwenden. Und dem Sportler steht ein wochenlanger schmutziger Prozess bevor. Für dessen Vorbereitung hat er ein Team von forensischen Ermittlern aus den USA verpflichtet. Ein Experten-Team für Öffentlichkeitsarbeit in Gerichtsprozessen wäre vielleicht auch eine Überlegung wert gewesen. Denn schuldig oder nicht: Nach diesem Prozess wird Pistorius wohl kaum noch Sponsoren finden.

Die Autorin

Andrea Amerland verantwortet seit März 2012 als Portalmanagerin den Bereich PR & Medien auf "Springer für Professionals" und ist Chefin vom Dienst. Zuvor war sie als Online-Redakteurin bei SWR.de und ARD.de sowie in der Unternehmenskommunikation tätig.

Profile im Web:

Blog: http://textknowhow.wordpress.com/
Google+: google.com/+AndreaAmerland
Twitter: https://twitter.com/amerlanda + https://twitter.com/GablerMarketing

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2012 | OriginalPaper | Buchkapitel

Moral, Recht und Reputation

Quelle:
Litigation-PR: Alles was Recht ist

2013 | OriginalPaper | Buchkapitel

Litigation Communication Theoretical Considerations