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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Medien, Krieg, Geschlecht: Anstöße zur Diskussion spannungsgeladener Relationen

Medien, Krieg, Geschlecht: Anstöße zur Diskussion spannungsgeladener Relationen

Zusammenfassung
Seit 1991 publiziert das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung jährlich das „Konfliktbarometer“ als zusammenfassende Betrachtung des weltweiten gewaltlosen und gewaltsamen Konfliktgeschehens. Über Kriege und Konflikte sollen Medien informieren. Inwieweit das gelingen kann, ist jedoch abhängig von rechtlichen, ökonomischen, politischen und kulturellen Rahmenbedingungen. Vielfältige Bearbeitungs-, Darstellungs-, Selektions- und Wahrnehmungsmuster prägen die medialen Deutungsangebote. Dass die Berichterstattung über Kriege und Konflikte auf einzelne Ereignisse und Personen fixiert ist, es aber an Hintergrundinformationen mangelt, ist häufig kritisiert worden. Die „Initiative Nachrichtenaufklärung“ macht hierauf erneut aufmerksam, wenn sie mit Top 3 der zehn vernachlässigten Themen im Jahr 2009 auf die fehlende Berichterstattung über zivile Konfliktbearbeitung verweist: Kriegsberichterstattung lenke von zivilen Friedensstrategien ab, so etwa im Falle Nepals oder des Verhältnisses der baltischen Staaten zu Russland. Statt über kontinuierliche Verhandlungen, konstruktive Prozesse oder diplomatische Erfolge zu berichten, stünden Gewalt und spektakuläre Ereignisse im Mittelpunkt. Auf dieses Problem haben ForscherInnen verschiedener Disziplinen in den vergangenen Jahren reagiert und sich den vielschichtigen Zusammenhängen von Medien und Krieg zugewandt: Untersuchungen beschäftigen sich mit der Rolle von Medien im Krieg sowie mit Repräsentationen von Krieg in den Medien. Gefragt wird beispielsweise nach der Militarisierbarkeit der Medien in unterschiedlichen Mediensystemen, dem Potenzial von Medien als ‚Frühwarnsystemen‛ bei Konflikten und nach Perspektiven des Friedensjournalismus.
Martina Thiele, Tanja Thomas, Fabian Virchow

Ausgangspunkte

Frontmatter

Medien, Krieg, Geschlecht: Dimensionen eines Zusammenhangs

Zusammenfassung
Kriege und gewaltsam ausgetragene Großkonflikte sind regelmäßig Gegenstand medialer Berichterstattung. Die sprachlichen und visuellen Deutungsangebote zu Konfliktgründen und -parteien, zu Verlaufsformen und (De-)Eskalationen sind zentrale Bestandteile der Hauptnachrichtensendungen des Fernsehens und der Berichterstattung von Tages- und Wochenzeitungen; zugleich finden sie sich auf unzähligen Internetseiten und in Form populärkultureller Angebote wie Spielfilmen oder Computerspielen. Diese Deutungsangebote prägen die Vorstellungen, die sich Gesellschaften und ihre Akteure von einem gewaltsam ausgetragenen Konflikt und der Legitimität des Handelns der daran Beteiligten machen. Immer wieder sind Medien auch unmittelbare Konfliktakteure, d. h. sie tragen zu Stereotypisierungen und Verfeindungen bei oder rufen unmittelbar zu Gewalt auf, wie etwa im Zuge der nationalistischen Zuspitzung zwischen den Republiken des ehemaligen Jugoslawiens bzw. imFalle des ‚Hate Radio‘ in Ruanda (vgl. Nenadovic 1998; Kellow/Steeves 1998; Scott 2007).
Fabian Virchow, Tanja Thomas, Martina Thiele

Militär und Geschlechterverhältnis zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Zusammenfassung
Der vorliegende Beitrag befasst sich mit den Entwicklungen im Verhältnis von Militär und Frauen, das sich zu Beginn des 21. Jahrhundert herausgebildet hat. Ausgangspunkt ist im ersten Punkt die Darstellung der wichtigsten quantitativen Entwicklungen in nationalen Streitkräften, sowohl in den Ländern der NATO als auch in den postsozialistischen Ländern. Es zeigt sich, dass die Einbeziehung von Frauen in Streitkräfte in vielen Ländern erfolgt ist und Frauen Eingang in die militärische Institution gefunden haben. Diese Entwicklungen werfen die Frage nach der Konstruktion der Professionalität der weiblichen Soldaten auf. Dies wird im zweiten Punkt behandelt. Der Einbezug von Frauen geht mit wichtigen Veränderungen einher, so mit dem Wandel des sozialen und rechtlichen Status des Militärs. Es verliert immer mehr seine Sonderstellung in der Gesellschaft. Damit gilt nun auch für diesen gesellschaftlichen Bereich der Grundsatz der Gleichbehandlung der Geschlechter im Berufsleben als Richtlinie für die Ausgestaltung der Beschäftigungsverhältnisse.
Christine Eifler

Bilderpolitiken

Frontmatter

Medial vermittelte Vorurteile, Stereotype und ‚Feindinnenbilder‘

Zusammenfassung
„Frauen und Waffen?“ fragt Alice Schwarzer in einem 1978 in EMMA erschienenen Beitrag und beantwortet diese rhetorisch gemeinte Frage stellvertretend so, wie es damals und wohl auch heute nicht wenige beantworten würden: „Lächerlich. Flintenweiber.“ Damit verwendet Schwarzer einen Begriff, der sich historisch weit zurückverfolgen lässt, und fügt hinzu: „Die Spezifizierung ‚Flintenmann‘ existiert bezeichnenderweise gar nicht erst und wenn es sie gäbe, wäre sie wohl als Kompliment gedacht.“ (Schwarzer 1978) Selbst ‚Flintenkerle‘ würde vermutlich noch positiv gedeutet. Bewaffnete Frauen hingegen als ‚Flintenweiber‘ zu bezeichnen – was auch in aktuellen journalistischen Texten vorkommt – ist häufig nicht etwa ironisch oder sonst wie distanzierend gemeint, sondern geschieht in diffamierender Absicht. ‚Flintenweib‘ zeugt von einer extrem stereotypen Sicht auf Militär und Geschlecht. Danach sind Frauen das ‚von Natur aus‘ friedfertigere Geschlecht und handeln als Soldatinnen ‚wider ihre Natur‘.
Martina Thiele

Orientierungen. Bilder des ‚Fremden‘ in medialen Darstellungen von ‚Krieg und Terror‘

Zusammenfassung
Die meisten Kriege werden heute unter anderem durch kulturalistische Diskurse begründet, wobei Kriegsdiskurse insbesondere Feind- und Wertediskurse enthalten. So lässt sich der global angelegte ‚Krieg gegen den Terror‘ auch als ein Identitätskrieg fassen, er ist „stark normativ aufgeladen und wird immer wieder auch als ein ‚Krieg für westliche Werte‘ dargestellt“ (Harders 2004: 1102). Dabei wurde immer wieder betont, der Krieg würde nicht nur gegen den Terrorismus geführt, sondern gleichsam für die Frauen- und Menschenrechte. In den damit zusammenhängenden Mediendiskursen war hierfür beispielsweise das Bild der viktimisierten afghanischen Frau bedeutsam, die es aus patriarchaler Unterdrückung zu befreien galt.
Tanja Maier, Hanno Balz

Feminisierte Soldatinnen: Weiblichkeit und Militär in Israel

Zusammenfassung
Im Gegensatz zu den bereits existierenden zahlreichen Abhandlungen über den Zusammenhang von Militär und Männlichkeitskonstruktion bzw. die Erfahrungen israelischer Soldatinnen in maskulinen Rollen widmet sich dieser Beitrag der Bedeutung der Institution des Militärs für die gesellschaftliche Konstruktion von weiblicher Geschlechtsidentität. Ziel ist, den von Judith Butler konstatierten gesellschaftlichen Ursprüngen geschlechtlicher Identität nachzuforschen und am Beispiel der israelischen Armee die in ihrem Buch „Körper von Gewicht“ (Butler 1997) dargelegten Normierungsverfahren zu untersuchen, die für eine scheinbare natürliche Einheitlichkeit des Körpers verantwortlich zeichnen. Die Israel Defense Forces (IDF) mit ihrer zentralen Stellung für die Sicherheit der jüdischen Nation erweisen sich, so die These, trotz ihrer besonderen egalitären Komponente als „gendered institution“ (Acker 1992: 567), deren Ideal des ‚guten Soldaten‘ traditionell vom männlichen Kampfsoldaten verkörpert wird.
Susanne A. Friedel

Lions led by lambs

Zur medialen Repräsentation von Geschlecht, Alter und ethnischer Herkunft in Robert Redfords ‚Anti‘-Kriegsfilm Von Löwen und Lämmern
Zusammenfassung
Es gibt keinen Krieg ohne Repräsentation, schreibt der französische Theoretiker Paul Virilio in seinem Buch War and Cinema, in dem er eine Parallele zwischen Kino, den technischen Möglichkeiten der Repräsentation mittels Kameraauge, Schnitt- und Montagetechniken und Krieg zieht: „Direct vision was now a thing of the past; in the space of a hundred and fifty years, the target area had become a cinema ‚location‘, the battlefield a film set out of bounds to civilians.“ (Virilio 1989: 11; Hervorheb. i. O.) Dem Film kommt bei der Repräsentation des Krieges eine besondere Rolle zu: Als bewegtes Medium eignet sich Film am besten die Bewegtheit militärischer Auseinandersetzungen zu repräsentieren. Diese ideale Verbindung ermöglicht aber auch eine gegenseitige Beeinflussung und Veränderung sowohl des Krieges als auch seiner filmischen Repräsentation. Virilio spricht in seiner Analyse realer militärischer Konflikte sogar von einem „systematic use of cinema techniques in the conflicts of the twentieth century“ (ebd.: 2).
Teresa Schweiger

Narrationen

Frontmatter

Unterhaltungstheater als Medium der Verhandlung von Geschlechterrollen im Ersten Weltkrieg

Zusammenfassung
Der Erste Weltkrieg fiel in eine Phase intensiver gesellschaftspolitischer Auseinandersetzung um Geschlechterrollen und Geschlechterverhältnisse, ja um das Wesen des Geschlechtlichen an sich, und der Krieg ging an diesen Verhältnissen auch nicht spurlos vorbei (vgl. Blom 2009: 251–286). Der Krieg der Massenarmeen führte zu einer Abwesenheit der Männer in den Familien, zugleich wurden Frauen in Berufen gebraucht, die sie zuvor nur selten ergreifen konnten – nun prägten Straßenbahnfahrerinnen und Munitionsfabrikarbeiterinnen das öffentliche Bild in vielen europäischen Städten (vgl. Morin-Rotureau 2004: 6). Die Welt der Soldaten an der Front war einerseits weitgehend durch die Abwesenheit von Frauen geprägt, andererseits zerbrach die Vorstellung eines männlich-heldenmutigen Kriegseinsatzes schnell an der Realität des zähen Schützengrabenkriegs oder des irregulären Bewegungskrieges mit Verbrechen an der Zivilbevölkerung, wie es beim Überfall auf Belgien oder an der Ostfront der Fall war (vgl. Horne/Kramer 2004; Holzer 2008). Geschlechterrollen waren – so kann man allgemein feststellen – in Bewegung und Teil des gesellschaftlichen Diskurses im Ersten Weltkrieg, ähnlich wie schon im Jahrzehnt zuvor.
Eva Krivaneč

Gewalt und Männlichkeit: Wahrnehmungsmuster des ‚Fremden‘ und des ‚Eigenen‘ in der deutschen Berichterstattung über den Afghanistankrieg

Zusammenfassung
„Ganz von vorne anfangen“ – diese Forderung bezieht sich auf den militärischen Drill, eine Disziplinartechnik, die darauf abzielt, einen ‚rohen Haufen‘ von Männern durch Körperdressur in eine hierarchisch organisierte Armee umzuwandeln (vgl. Foucault 1977: 192 ff.). Ein solches Konzept der Manneszucht entstand im Europa des 17. Jahrhunderts, in dem 5193 militärische Auseinandersetzungen gezählt werden (vgl. Pröve 1997: 24). Jene Epoche war gekennzeichnet von einer unübertroffenen Kriegsdichte, Heere wurden kontinuierlich vergrößert, neue Waffentechnologien eingesetzt, Kommandostrukturen systematisiert und auch der Drill eingeführt. Er ging aus dem Vorbild der römischen Kriegsführung hervor und wurde in allen europäischen Armeen als eine taktische Innovation ausgebildet. Zur Perfektionierung militärischer Effizienz erfolgte eine Verwissenschaftlichung der Kriegskunst in den neu gegründeten Kriegsakademien. Diese Zäsur wird als „Geburt des Militarismus“ oder „Militärische Revolution“ gekennzeichnet (vgl. Nowosadtko 2002: 213 f.).
Anna Bergmann

Men at war!

Zur medialen Konstruktion von Kriegertypen im amerikanischen, europäischen und asiatischen Gegenwartskino
Zusammenfassung
Kriege sind in der Gegenwart häufig auch Bilder- und Medienkriege, werden nicht selten zu Großereignissen in der (westlichen) Medienberichterstattung. Als Medienspektakel können Kriege mit der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit rechnen. Dies führt zu einer Ausdehnung des Kriegsschauplatzes: die realgeschichtliche Seite des Krieges als lokales Ereignis in unterschiedlichen Ländern bzw. Regionen, die mediale Seite in Form elektronischer Bilder als globale Repräsentationen, etwa auf Fernsehschirmen, Internetdisplays oder Bildern in den Printmedien. Beide Seiten bilden ein spannungsreiches Interdependenzgeflecht.
Marcus S. Kleiner

Artikulationen

Frontmatter

Stehen sie ihren Mann? – Genderrepräsentationen in der medialen Darstellung von Soldatinnen

Zusammenfassung
Am 27. Oktober 2000 hat der Deutsche Bundestag nach einer Vorgabe des Europäischen Gerichtshofs der Änderung des Artikels 12a des Grundgesetzes zugestimmt und damit Frauen den freiwilligen Dienst an der Waffe erlaubt, während sie vorher nur als Sanitäterinnen, Musikerinnen und in zivilen Berufen in der Bundeswehr beschäftigt werden durften (vgl. Deutscher Bundestag 2008; ausführlich dazu Raasch 2004 und Hühn 2000).
Susanne Kirchhoff

Soldatinnen, Opfer, Heldinnen und Monster

Eine kulturmaterialistische Perspektive auf mediale Geschlechterideologien am Beispiel von Debatten um Frauenintegration ins US-Militär
Zusammenfassung
Um den tendenziellen Dualismus von strukturellen Herangehensweisen einerseits und kulturellen Zugriffen andererseits im Forschungsfeld Geschlecht und Militär zu überwinden, werden kulturelle Phänomene in dieser Untersuchung in ihrer gesamtgesellschaftlichen Einbettung betrachtet und die sozialen Bedingungen ihrer Entstehung und ihres Wandels mithilfe kulturmaterialistischer Theorieansätze (vgl. Harris 1979) herausgearbeitet. Diese in der Kultur- und Sozialanthropologie entwickelte Forschungsstrategie orientiert sich kritisch an Marx’ Hypothese, dass Veränderungen in gesellschaftlichen Strukturen, Institutionen und sozioökonomischen Verhältnissen – kurzum: in den materiellen Grundlagen von Gesellschaft – Veränderungen in Ideologien,Werten und Normen stärker beeinflussen als umgekehrt. Dies bedeutet nicht, dass kulturelle Phänomene lediglich als Nebenprodukte strukturellen Wandels betrachtet werden. Die kulturelle Ebene stabilisiert soziale Systeme bzw. erleichtert ihre Veränderung durch positives und negatives Feedback und hat in diesem Sinne auch materielle Effekte.
Saskia Stachowitsch

‚Suicidal Attacks‘ und ihre medialen Repräsentationen: Geschlechtertheoretische Überlegungen und Befunde

Zusammenfassung
Es ist häufig der „Typus der gottverlassenen Frau, die wie in einer Sekte umgepolt“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), 01.06.2006, Nr. 124: 4) worden sei, die „überangepaßte islamische Heilige“ (FAZ, 15.12.2005, Nr. 292: 42) oder es sind Frauen, deren Eltern, Männer, Brüder oder Sühne in gewaltsam ausgetragenen Konflikten ihr Leben verloren haben, die in der überregionalen deutschsprachigen Berichterstattung der Printmedien vorgestellt werden, wenn ein ‚Selbstmord‘-Attentat von Frauen verübt worden ist.
Tanja Thomas, Fabian Virchow

Stand up and sing! Patriotische Frauen gegen den Irak-Krieg

Zusammenfassung
Bereits der Protestsong „This land is your land“ aus dem Jahr 1940 belegt, dass Patriotismus keine Domäne der Konservativen ist. Die Hymne der US-amerikanischen Gewerkschafts-, Antirassismus- und Antikriegsbewegung steht auch in der Tradition der Wortmeldungen und widerständigen Handlungen von Frauen, die dem Anspruch des Feminismus folgen, nämlich den Blick auf die Bedingungen zu richten, unter denen Frauen leben, sich der ungleichen Machtverhältnisse von Frauen und Männern in der Gesellschaft bewusst zu sein und sich dementsprechend privat und öffentlich zu verhalten (vgl. Plesch 1998: 4).
Jörg-Uwe Nieland

Standpunkte

Frontmatter

Die Domestizierung des Krieges: Florence Nightingales ‚Public Relations‘-Strategien während des Krimkrieges

Zusammenfassung
Für britische Bürger des 18. und 19. Jahrhunderts war Krieg etwas, in den man seine ‚Jungs‘ schickte, in dem sie mutig kämpften und aus dem sie entweder heil oder verkrüppelt zurückkehrten, wenn sie nicht ihr Leben in ihm lieüen.Was tatsächlich im Krieg technisch und humanitär passierte, blieb weitestgehend den militärischen Spezialisten vorbehalten und war wenig bekannt und öffentlich fast gänzlich undiskutiert. Die, die darüber sprachen, waren fast ausschlieülich Männer. Obgleich Frauen Soldaten und Kommandierende bei Kampagnen schon immer als Ehefrauen und natürlich auch als Prostituierte begleitet hatten, ging die öffentliche Wahrnehmung davon aus, dass britische Frauen den Realitäten der Kriegsführung unwissend gegenüber standen (vgl. Hacker 1981: 643).
Rainer Emig

Kriegsdiskurs und Geschlechterdiskurs. Journalistinnen zum Ersten Weltkrieg

Zusammenfassung
Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Haltung von Journalistinnen zum Ersten Weltkrieg und interessiert sich insbesondere für den Zusammenhang zwischen Militarismus/Pazifismus und Antifeminismus/Feminismus. Angesprochen sind damit zwei Diskursfelder: zum einen das des Geschlechterdiskurses, in dem Geschlechterungleichheit wie auch Geschlechterideologie gleichermaßen verhandelt werden, zum anderen das des Kriegs/Friedens-Diskurses, in dem u. a. die Notwendigkeit von und das nationale Interesse an Krieg oder Frieden sowie deren jeweilige sozialen und gesellschaftlichen Folgen thematisiert werden. Zu beiden Diskursfeldern gab es zu Beginn des 20. Jahrhunderts vielfältige Diskurspositionen, die großen Einfluss auf die gesellschaftlichen Debatten und Entwicklungen nahmen. Uns interessiert im Folgenden, welche Verbindungen zwischen den Feldern bestanden und wie diese in der publizistischen Arbeit von Frauen zum Tragen kamen.
Elisabeth Klaus, Ulla Wischermann

Reporterinnen im Krieg

Zusammenfassung
Die Frage, ob Journalistinnen im Krieg irgendwie ‚anders‘ seien als Journalisten, ist eigentlich eine Zumutung. Üblicherweise werden solche Fragen gestellt, wenn man Frauen übliche Klischees zu unterstellen versucht. Eine besondere Sensibilität zum Beispiel. Einen subjektiveren Zugang. Oder sonst irgendetwas, das landläufig als ‚typisch weiblich‘ gilt.
Sibylle Hamann

Der Abschied vom furchtlosen Helden – Zum Wandel des Berufsbildes von Kriegs- und KrisenreporterInnen

Zusammenfassung
Um stereotype Rollenbilder ist das Metier des Kriegsreporters historisch wahrlich nicht verlegen. Auch zeitgenössisch finden sich drastische Einzelbeispiele, in denen sich Männlichkeit, Militär und Journalismus zu einem sozialen Milieu verbinden: Peter Scholl-Latour, der „letzte Dandy des deutschen Journalismus“ (Rosenfelder 2009: 37), steht prototypisch dafür.
Margreth Lünenborg, Annika Bach

Frontenwechsel

Eine Journalistin als Diplomatin im Irak-Krieg
Zusammenfassung
Am 15. Dezember 2005 wurde im Irak nach dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein (April 2003) erstmals ein verfassungsmäßiges Parlament gewählt. Auch Teile der arabischen Sunniten, die bis dato mehrheitlich den politischen Prozess boykottiert hatten, nahmen an diesen Wahlen teil. Die unter der USFührung im Irak engagierten Alliierten, aber auch jene Staaten, die der US-amerikanischen Irak-Invasion kritisch gegenüber gestanden hatten, hatten dementsprechend positive Erwartungen: Mit Erreichen dieses politischen Meilensteins, eines wichtigen Schritts hin zu einer demokratischen Staatsordnung im Irak, würde sich die Sicherheitslage, die sich seit 2003 kontinuierlich verschlechtert hatte, wieder beruhigen. So hoffte man.
Gudrun Harrer

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