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Über dieses Buch

Katharina Neumann beschäftigt sich aus einer kommunikationswissenschaftlichen Perspektive mit dem Phänomen der Radikalisierung. Sie untersucht mithilfe einer qualitativen Befragung von radikalisierten Islamisten und Szeneaussteigern, inwiefern journalistische Medienberichterstattung und Propaganda islamistische Radikalisierungsprozesse beeinflussen können. Es zeigt sich, dass sowohl journalistische als auch propagandistische Inhalte im gesamten Radikalisierungsprozess eine zentrale Rolle spielen und zum Teil unheilvolle Wechselwirkungen entfalten. Auf Basis der Befunde leitet die Autorin schließlich Handlungsempfehlungen für die journalistische Praxis ab.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

Zusammenfassung
Im Herbst 2014 patrouillierte eine Gruppe deutscher Salafisten in orangefarbenen Warnwesten mit der Aufschrift Scharia-Polizei durch die nordrhein-westfälische Stadt Wuppertal, belehrte Passanten über islamische Verhaltensregeln und warb offensiv für die islamistische Ideologie (Welt.de, 05.09.2014). Die Salafisten um den Prediger Sven Lau luden im Anschluss an die Aktion Videos und Fotos in sozialen Netzwerken hoch und provozierten damit ein Medienecho, das die Reichweite der Aktion enorm vergrößerte (ebd.). Die überregionale Berichterstattung über die Scharia-Polizei mündete gar in Äußerungen verschiedener Spitzenpolitiker zu der Aktion, darunter auch Kanzlerin Angela Merkel (z. B. Spiegel Online, 08.09.2014) – von „Paralleljustiz“ und „Kriegserklärung“ war die Rede (Bild.de, 07.09.2014).
Katharina Neumann

Kapitel 2. Islamismus in Deutschland und Österreich

Zusammenfassung
Das folgende Kapitel dient der Definition grundsätzlicher Begriffe und Konzepte aus der Extremismus- und Radikalisierungsforschung, die für die vorliegende Arbeit eine zentrale Rolle spielen. Hierzu zählt neben dem Begriff des Islamismus, der als Form des politisch-religiösen Extremismus verstanden wird, auch das zentrale Konzept der Radikalisierung, dessen mögliche Ausprägungen diskutiert werden sollen. Im Anschluss an diese grundsätzliche Begriffsklärung werden die Erscheinungsformen des Islamismus im deutschsprachigen Raum in Form einer Konkretisierung des Untersuchungsgegenstands der islamistischen Szene dargestellt, wobei auf unterschiedliche Strömungen und Akteure hingewiesen wird.
Katharina Neumann

Kapitel 3. Theoretische Vorstellungen von Radikalisierung und empirische Befunde

Zusammenfassung
Angesichts der interdisziplinären Beschäftigung mit Radikalisierung liegt nahe, dass es unterschiedliche Perspektiven und damit unterschiedliche, multikausale Erklärungsansätze auf unterschiedlichen Analyseebenen gibt. So geht die psychologische Radikalisierungsforschung mikroperspektivisch davon aus, dass die wahren Gründe einer Radikalisierung auf der Ebene des einzelnen Individuums zu suchen sind, etwa im Bedürfnis nach Macht, Status, Anerkennung, Gemeinschaft und Abenteuer, aber auch Negativerfahrungen wie das Erleben von Diskriminierung oder Deprivation werden hier betont (Borum, 2003, Horgan, 2004; Kruglanski et al., 2014; Neumann, 2016). Aus einer politikwissenschaftlichen Perspektive interessiert hingegen weniger das einzelne Individuum, sondern hier geht es um grundlegende Strukturen und Trends, die Radikalisierung im Aggregat begünstigen können (Kepel & Rougier, 2016; Neumann, 2016, S. 37; Roy, 2003).
Katharina Neumann

Kapitel 4. Forschungsstand zur Rolle der Medien im Radikalisierungskontext

Zusammenfassung
Das folgende Kapitel soll einen strukturierten Überblick über die bisherige Forschung zu Medienwirkungen im Verlauf von Radikalisierungsprozessen geben. Diese Strukturierung ist möglich, da im vorherigen Kapitel ein Phasenmodell der Radikalisierung entwickelt wurde und der Forschungsstand zur Rolle der Medien im Radikalisierungskontext nun nach diesen Phasen gegliedert werden kann. Da der Forschungsstand hiezu jedoch relativ defizitär ist, müssen zunächst die Medieninhalte identifiziert werden, die in den jeweiligen Phasen eine Rolle spielen können – dies erfolgt mithilfe bisheriger empirischer Befunde sowie auf Basis theoretischer Überlegungen. Sind die relevanten Medieninhalte identifiziert, können Medieneffekte – wiederum mit Blick auf bisherige empirische Befunde und theoretische Überlegungen – diskutiert werden. Dabei sollen Forschungsdefizite deutlich werden, aus denen sich dann die untersuchungsleitenden Fragen dieser Arbeit für die jeweiligen Radikalisierungsphasen präzisieren lassen.
Katharina Neumann

Kapitel 5. Ein Modell reziproker Radikalisierungseffekte

Zusammenfassung
Im vorherigen Kapitel wurde deutlich, dass im Radikalisierungskontext vermutlich vor allem jene Medieninhalte von Relevanz sind, die einen Islam- bzw. Islamismusbezug aufweisen und damit Personen bzw. Ideen thematisieren, mit denen sich der (radikalisierte) Rezipient im Radikalisierungsverlauf zunehmend identifiziert. Vor diesem Hintergrund liegt nahe, dieser Arbeit einen theoretischen Analyserahmen zugrunde zu legen, der Medienwirkungen auf Personen beschreibt, die selbst bzw.
Katharina Neumann

Kapitel 6. Methode

Zusammenfassung
Im folgenden Kapitel soll das methodische Vorgehen dieser Arbeit beschrieben werden. Dabei wird zunächst die Erhebungsmethode der qualitativen Befragung dargestellt, worauf eine Beschreibung des Interviewleitfadens als Erhebungsinstrument dieser Studie folgt. Daran anschließend wird skizziert, wie der Zugang zu Aussteigern aus der Szene und (unterschiedlich stark) radikalisierten Islamisten gelang und wie sich der Interviewablauf gestaltete.
Katharina Neumann

Kapitel 7. Ergebnisse

Zusammenfassung
Die folgende Darstellung der empirischen Befunde gliedert sich entlang des dreiphasigen Radikalisierungsmodells (siehe Kap. 3), wobei das Augenmerk auf einzelnen – zur Beantwortung der Forschungsfragen zu beleuchtenden – Komponenten des Modells reziproker Radikalisierungseffekte liegt. Zunächst wird die Phase der kognitiven und emotionalen Öffnung, also eine Phase der Prä-Radikalisierung, betrachtet (siehe Kap. 7.1). Da frühere Arbeiten sich bereits mit reziproken Effekten auf Muslime beschäftigt haben (z. B. Karadas, Neumann & Reinemann, 2017) und zeigen konnten, dass diese sich von negativer Islamberichterstattung sowohl betroffen als auch diskriminiert fühlen (siehe Kap. 4), fokussiert sich das folgende Kapitel auf die bislang wissenschaftlich nur unzureichend beachtete Frage, inwiefern medial vermittelte Deprivations- bzw.
Katharina Neumann

Kapitel 8. Fazit

Zusammenfassung
Islamistische Radikalisierung gilt als globales Problem, das in den letzten Jahren unter anderem in Form zahlreicher Terroranschläge in unterschiedlichen Ländern seinen Ausdruck fand. Der Dschihadismus gilt daher als eine der gefährlichsten extremistischen Strömungen weltweit. Vor diesem Hintergrund widmete sich die vorliegende Arbeit dem Phänomen der islamistischen Radikalisierung, mit dem sich bereits unterschiedliche Forschungsdisziplinen beschäftigten – darunter Politikwissenschaft, Soziologie und Psychologie.
Katharina Neumann

Backmatter

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