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Medien- und Mediensystemeffekte in komparativer Perspektive

Zur Wirkung von Medienvertrauen, -nutzung und -systemen auf das Politikvertrauen

  • 2025
  • Buch
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Über dieses Buch

In diesem Buch wird eine Konzeption entworfen, wie Medien- und Mediensystemeffekte auf das Politikvertrauen analysiert werden können. Diese Konzeption wird auf der Grundlage von Daten der European Values Study 2017 mit Mehrebenenanalysen untersucht. Es zeigt sich unter anderem, dass sowohl die Mediennutzung als auch das Medienvertrauen direkte Effekte auf das Politikvertrauen haben. Während sowohl das Pressevertrauen als auch das Vertrauen in soziale Medien in einem positiven Zusammenhang mit dem Politikvertrauen stehen, ist der Effekt der Nutzung von Tageszeitungen zwar ebenfalls positiv, jener von sozialen Medien hingegen negativ. Zudem mediiert das Pressevertrauen beide Effekte der Mediennutzungsformen. Das Vertrauen in soziale Medien hingegen verstärkt beide Effekte der Mediennutzung auf das Politikvertrauen. Bezüglich der Kontexteffekte zeigt sich, dass in demokratisch-korporatistischen Mediensystemen das Politikvertrauen höher ist als in hybriden und polarisierend-pluralistischen Mediensystemen. Implikationen und Limitationen der Arbeit werden abschließend diskutiert.

Inhaltsverzeichnis

  1. Frontmatter

  2. 1. Einleitung

    David Gisevius
    Zusammenfassung
    In diesem einführenden Kapitel wird der Stellenwert medial vermittelter Kommunikation für das Vertrauen in die Politik skizziert. Es wird argumentiert, dass sich die politische Kommunikationsforschung intensiv mit der Wirkung der Mediennutzung auf das Politikvertrauen beschäftigt, die Wirkung des Medienvertrauens hingegen vernachlässigt wird. Des Weiteren wird darauf hingewiesen, dass journalistische Medieninhalte auch von strukturellen Gegebenheiten abhängen, was in der Wirkungsforschung unzureichend konzeptionell berücksichtigt wird. Diesen Forschungsdesideraten widmet sich die Arbeit in weiterer Folge.
  3. 2. Vertrauen – Abgrenzung und Verständnis

    David Gisevius
    Zusammenfassung
    Dieses Kapitel widmet sich der Aufgabe, Vertrauen von anderen Konzepten abzugrenzen und zu definieren. Hierzu wird Literatur aus den Disziplinen der Kommunikationswissenschaft, Soziologie, Politikwissenschaft und Psychologie herangezogen. Verkürzt formuliert wird in dieser Arbeit unter Vertrauen im Allgemeinen ein Abhängigkeitsverhältnis verstanden, welches eine Erwartungshaltung des Nutzens impliziert, an welcher Vertrauende ihr zukünftiges Verhalten ausrichten. Daraus abgeleitet kann Politikvertrauen als Abhängigkeitsverhältnis zu politischen Institutionen oder PolitikerInnen verstanden werden, in welchem BürgerInnen die Erwartung haben, dass politisches Handeln zu ihrem Nutzen erfolgt. Beim Medienvertrauen besteht das Abhängigkeitsverhältnis zu journalistischen oder algorithmischen Selektionsmechanismen. Um sich politisch zu informieren, sind BürgerInnen hauptsächlich auf medienvermittelte Inhalte angewiesen. Besteht die Erwartungshaltung, dass nützliche Informationen vermittelt werden und RezipientInnen ihr Handeln danach ausrichten, kann von Medienvertrauen gesprochen werden. Diese Definition von Medienvertrauen beinhaltet sowohl Vertrauen in traditionelle als auch in soziale Medien.
  4. 3. Medienvertrauen und Mediennutzung – Relation und Wirkung

    David Gisevius
    Zusammenfassung
    In diesem Kapitel wird ein hypothetischer Wirkmechanismus des Medienvertrauens und der Mediennutzung auf das Politikvertrauen auf individueller Ebene beschrieben, welcher im Kern auf Matthes (2007) und Matthes et al. (2010) basiert. Ergänzend zu Matthes (2007) und Matthes et al. (2010) wird der Wirkmechanismus über traditionelle Medien hinaus auch für soziale Medien gedacht. Es wird postuliert, dass nicht die Mediennutzung an sich eine Wirkung auf das Politikvertrauen hat, sondern die Akzeptanz der rezipierten Botschaft. Ob eine Botschaft akzeptiert wird, hängt wiederum davon ab, ob dem Medium vertraut wird. Im Umkehrschluss wird angenommen, dass eine rezipierte Botschaft keine Wirkung hat, wenn diese nicht akzeptiert wird bzw. dem Medium nicht vertraut wird.
  5. 4. Komparative Perspektive

    David Gisevius
    Zusammenfassung
    In diesem Kapitel wird der in Kapitel 3 beschriebene Wirkmechanismus auf Individualebene um Kontextmerkmale ergänzt. Es wird angenommen, dass Mediensysteme sowohl einen direkten Effekt auf das Politikvertrauen als auch einen moderierenden Effekt auf die Beziehung zwischen Vertrauen in traditionelle Medien und Politikvertrauen haben. Ein direkter Effekt von Mediensystemen könnte einerseits durch mediensystemspezifische Nutzungsmuster erklärt werden. Eine andere Erklärung eines direkten Effektes wäre, dass die Beschaffenheit eines Mediensystems auf politisches Handeln attribuiert wird, weshalb ein Effekt auf das Politikvertrauen entstehen kann. Ein moderierender Effekt könnte durch die (Un-)Abhängigkeit des Journalismus von Politik erklärt werden. In Mediensystemen, in denen die Politik einen größeren Einfluss auf den Journalismus ausübt, ist journalistische Berichterstattung eher politiknah. Vertrauen in eine politiknahe Berichterstattung wäre dann stärker mit dem Politikvertrauen verbunden. Umgekehrt wäre anzunehmen, dass in Mediensystemen mit einem unabhängigeren Journalismus der Zusammenhang von Medienvertrauen und Politikvertrauen schwächer sein sollte.
  6. 5. Forschungsstand

    David Gisevius
    Zusammenfassung
    In diesem Kapitel wird der Forschungsstand hinsichtlich des hypothetischen Wirkmechanismus aufgearbeitet. Im Kern kann festgestellt werden, dass nur vereinzelte Studien gefunden wurden, die sowohl die Effekte der Mediennutzung als auch des Medienvertrauens auf das Politikvertrauen untersuchen. Auch die Untersuchung von Mediensystemeffekten auf das Politikvertrauen ist nur vereinzelt zu finden. Eine Studie, welche alle interessierenden Variablen berücksichtigt, wurde nach Kenntnis des Autors bislang nicht durchgeführt. An dieses Forschungsdesiderat knüpft in weiterer Folge der empirische Teil der Arbeit an.
  7. 6. Forschungsdesign

    David Gisevius
    Zusammenfassung
    In diesem Abschnitt wird die empirische Vorgehensweise umfassend beschrieben und begründet. Datengrundlage bildet die European Values Study 2017. Nach eingehender Prüfung erweist sich die Mehrebenenanalyse als geeignetes datenanalytisches Verfahren, mit dem die Hypothesen getestet werden können. Die Mehrebenenanalyse kann als hierarchisch-lineare Modellierung verstanden werden, welche die geclusterte Datenstruktur berücksichtigt. Zu unterscheiden sind Random-Intercept-Modelle und Random-Coefficient-Modelle. Random-Intercept-Modelle gehen von der Annahme aus, dass sich die Effekte von unabhängigen Variablen nicht zwischen den Kontexten unterscheiden. Mithilfe der Random-Intercept-Modelle wird geprüft, ob Medienvertrauen, Mediennutzung und Mediensysteme direkte Effekte auf das Politikvertrauen haben. Bei Random-Coefficient-Modellen wird die Annahme von Random-Intercept-Modellen aufgehoben. Dadurch können Effekte von unabhängigen Variablen so modelliert werden, dass sie sich je nach Kontext unterscheiden. In Random-Coefficient-Modellen ist es möglich, eine Cross-Level-Interaktion zu integrieren. Die Cross-Level-Interaktion dient der Bestimmung, inwiefern der Zusammenhang von Medienvertrauen und Politikvertrauen durch Mediensysteme moderiert wird. Abschließend wird die Herangehensweise der grafischen Analyse geschildert.
  8. 7. Ergebnisse

    David Gisevius
    Zusammenfassung
    In diesem Kapitel werden die Ergebnisse präsentiert. Auf Basis der Random-Intercept-Modelle zeigt sich, dass sowohl die Mediennutzung als auch das Medienvertrauen direkte Effekte auf das Politikvertrauen haben. Während sowohl das Pressevertrauen als auch das Vertrauen in soziale Medien in einem positiven Zusammenhang mit dem Politikvertrauen stehen, ist der Effekt der Nutzung von Tageszeitungen positiv, jener von sozialen Medien negativ. Allerdings mediiert das Pressevertrauen beide Effekte der Mediennutzungsformen, wohingegen diese Nutzungseffekte nach Kontrolle des Vertrauens in soziale Medien verstärkt werden. Bezüglich der Kontexteffekte zeigt sich, dass in demokratisch-korporatistischen Mediensystemen das Politikvertrauen höher ist als in hybriden und polarisierend-pluralistischen Mediensystemen. Im Random-Coefficient-Modell mit Cross-Level-Interaktion kann festgestellt werden, dass der Zusammenhang des Pressevertrauens mit dem Politikvertrauen in hybriden und polarisierend-pluralistischen Mediensystemen stärker ist als in demokratisch-korporatistischen Mediensystemen. Die Moderation ist jedoch nicht signifikant. Zur Veranschaulichung werden abschließend die Befunde grafisch dargestellt und analysiert.
  9. 8. Diskussion

    David Gisevius
    Zusammenfassung
    Im abschließenden Kapitel werden die Ergebnisse zusammengefasst und diskutiert. Entgegen der theoretischen Annahme konnten nach Kontrolle des Pressevertrauens und des Vertrauens in soziale Medien direkte Effekte beider Nutzungsformen auf das Politikvertrauen festgestellt werden. Da allerdings das Pressevertrauen sowohl den Effekt der Nutzung von Tageszeitungen als auch den Effekt der Nutzung sozialer Medien mediiert, nach Kontrolle des Vertrauens in soziale Medien hingegen beide Nutzungseffekte verstärkt werden, wird für ein komplexes Verständnis plädiert. Mediensystemeffekte konnten den Annahmen entsprechend festgestellt werden. Jedoch ist zu beachten, dass die direkten Effekte nur unbedeutend zur erklärten Varianz beitragen. Weiterführende Studien sollten demnach Mediensysteme anders operationalisieren, bspw. mit separaten Variablen für prägnante Strukturmerkmale wie dem politischen Parallelismus. Des Weiteren wäre es erstrebenswert, strukturelle Bedingungen von Nachrichten über soziale Medien zu berücksichtigen. Die Cross-Level-Interaktion ergab, dass der Effekt des Pressevertrauens auf das Politikvertrauen von Mediensystemen moderiert wird, diese Moderation aber nicht signifikant ist. Eine mögliche Erklärung könnte der Fokus auf den europäischen Kontext sein. Ein stärkerer Zusammenhang von Pressevertrauen und Politikvertrauen ist vor allem in autoritären Regimen zu erwarten. Daher sollten weiterführende Studien neben prägnanten Strukturmerkmalen von Mediensystemen auch ein breiteres Spektrum an politischen Systemen in die Analyse einbeziehen. Abschließend werden die Limitationen dieser Arbeit diskutiert und die Ergebnisse vor dem Hintergrund einschlägiger Theorien und aktueller empirischer Ergebnisse eingeordnet.
  10. Backmatter

Titel
Medien- und Mediensystemeffekte in komparativer Perspektive
Verfasst von
David Gisevius
Copyright-Jahr
2025
Electronic ISBN
978-3-658-50131-0
Print ISBN
978-3-658-50130-3
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-50131-0

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