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09.04.2014 | Medien | Interview | Onlineartikel

"Ein todsicheres Erfolgsrezept kann niemand formulieren"

Autor:
Andrea Amerland
3 Min. Lesedauer

In den Medien steigen Frauen besonders schwer in Führungspositionen auf. Da hilft auch keine Quotenregelung, vermutet Springer-Autorin Insa Sjurts im Interview. Denn oft stehen Frauen sich selbst im Weg.

Die neue Regierung hat sich auf eine 30-Prozentquote für Aufsichtsräte bis zum Jahr 2016 verständigt. 2013 ist der Anteil der Frauen in den Vorständen der Dax-Konzerne allerdings gesunken. Floppt die Frauenquote auf diesem Gebiet?

Gleich einen Flop zu diagnostizieren, wäre etwas sehr voreilig. Eindeutig ist hingegen, dass Handlungsbedarf besteht. Dort, wo es um strategisches Gestalten und unternehmerisches Agieren geht - auf der Vorstandsebene - haben es Frauen nach wie vor sehr schwer. Die Gründe dafür sind vielfältig: Bevorzugung von Männern durch Männer, also männliche Seilschaften, zählen genauso dazu wie fehlendes Zutrauen in die Führungsstärke weiblicher Chefs. Hinzu kommen Hindernisse, die sich Frauen selbst schaffen: Unsicherheiten über die eigenen Fähigkeiten, Unklarheiten zu den kritischen Erfolgsfaktoren des Aufstiegs und Fehleinschätzungen der wirklichen Anforderungen in Spitzenpositionen. Was oftmals fehlt, sind der Mut und das Zutrauen zu sich selbst und die Freude, Verantwortung zu tragen.

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Vor rund 20 Jahren haben Vereinte Nationen und Europäische Union die gesellschaftliche Relevanz von Frauen in der Führung von Medienhäusern erkannt und daraus einen Handlungsauftrag abgeleitet. Im Jahr 2013 kommt das Europäische Institut für Gleichstellungsfragen zu dem Ergebnis: In kaum einer anderen Branche, steigen so wenig Frauen auf wie in Medienhäusern. Hilft auch hier nur noch eine Quotenregelung?

Auf den ersten Blick überrascht es in der Tat, dass es in der Medienbranche um einiges schwerer ist, aufzusteigen. Denn schließlich erlebt man viele Frauen in den Medien. Doch der großen Gruppe von Frauen, die in den Medien präsent sind, steht eine verschwindend geringe Zahl gegenüber, die dort eine Führungsposition inne haben. Ob hier eine Quotenregelung hilft, ist schwer abzusehen. In jedem Fall legt die Diskussion dazu aber den Finger in die Wunde und zeigt Personalern und Führungskräften den dringenden Handlungsbedarf auf. Denn man darf nicht vergessen: Diese Befunde sind nicht nur für sich genommen problematisch. Sie sind auch mit Blick auf die besondere Rolle von Medien in einer Gesellschaft kritisch zu sehen. Medien sind Wegbegleiter und in ihrer beschreibenden, erklärenden und einordnenden Funktion auch Mit-Gestalter gesellschaftlicher Realität und Kultur. Wenn hier Frauen in Spitzenpositionen Rarität sind, hat dies weitreichende Bedeutung über die Medienunternehmen hinaus.

Die erwähnte Studie zeigt außerdem, dass Beförderungen in Medienhäusern besonders intransparent und netzwerkgetrieben sind. Was machen Frauen falsch? Oder anders gefragt: Was ist das Erfolgsrezept der Frauen, die Sie für Ihr Buch befragt haben?

Ein todsicheres Erfolgsrezept kann niemand formulieren. Die Interviews haben jedoch sehr klar gemacht, dass es bestimmte Eckfeiler der Karriereentwicklung gibt, auf die es ankommt. Sie gelten über alle Medienteilbranchen hinweg und sind auch gültig für Verwaltungs- wie auch Kreativ-Spitzenfrauen:

1. Aktiver Umgang mit beruflichen Herausforderungen und Schwierigkeiten
2. Klares Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten
3. Nachhaltige Unterstützung durch individuelle Förderer und/oder durch Netzwerkkontakte

Und natürlich sollte man Leidenschaft für seine Aufgaben mitbringen. Die formale Qualifikation kann ein wichtiger Baustein des späteren Erfolgs sein, sie ist aber nicht der zentrale Karrieretreiber. Die große Karriere entsteht da, wo Leidenschaft für Medien zusammenkommt mit dem Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten. Und natürlich ist am Ende auch ein wenig Glück entscheidend, aber das ist bei den Männern ja nicht anders.

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