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20.03.2013 | Medien | Im Fokus | Onlineartikel

Wie journalistische Recherche mit Crowdfunding überlebt

2 Min. Lesedauer

Frankfurter Rundschau, Westfälische Rundschau und Financial Times Deutschland sind zu Synonymen für einen kriselnden Berufsstand geworden. Doch "Demokratie braucht gute Journalisten“, so die Medienökonomin Marie Louise Kiefer.

Mit "guten Journalisten“ meint Kiefer im "Journalist“ vor allem den unbequemen politischen und investigativen Journalisten. Doch fördert ihr Ruf nach gut ausgebildeten Medienmachern insgesamt das Dilemma einer Branche zu Tage, in der Qualitätsansprüche steigen und gleichzeitig die Einkommensquellen versiegen. Höchste Zeit also, dass der Journalismus sich um alternative Finanzierungswege kümmert?

Crowdfunding als Zukunftsmodell im Journalismus?

Der US-Journalist David Kaplan hat kürzlich Zahlen zum Journalismus als gemeinnütziger Einrichtung veröffentlicht. In den USA sind die Nachrichtenagentur AP oder das Recherchebüro Pro Publica als gemeinnützige Medienunternehmen registriert. Weltweit ist die Zahl von gemeinnützigen Organisationen, die investigativen Journalismus betreiben in den vergangenen fünf Jahren von 39 auf 106 gestiegen. Geht das auch in Deutschland?

"Die große Frage dreht sich nicht um Gemeinnützigkeit allein“, sagt Kaplan im "Journalist“. Grundsätzlich gehe es um neue Finanzierungsmodelle für zukunftsfähigen investigativen Journalismus. Ein Beispiel: In Berlin ging Anfang des Jahres die Journalismus-Crowdfunding-Plattform "Krautreporter" an den Start. Externe Geldgeber finanzieren journalistische Recherchen, für die in den Verlagen weder Geld noch Zeit vorhanden ist. Vocer und Kontext-Wochenzeitung sind zwei weitere gemeinnützige Redaktionen.

Medien als Wächter der Demokratie und Entertainer

Claudia Hangen erklärt in ihrem Buchkapitel "Medien am Markt" die Doppelfunktion von Medienunternehmen. Als vierte Kraft im Staat produzieren sie "einerseits Güter, die sich an den Rezipienten richten, der Information, Bildung und Unterhaltung sucht" und sind gleichzeitig "unerlässlicher Bestandteil demokratischer Gesellschaften". Im Vergleich zu anderen Wirtschaftsunternehmen tragen sie somit eine besondere Verantwortung. Doch die Bedingungen für den Journalismus haben sich drastisch verändert.

Hangen: "Die Zeitung entwickelt sich weg von der reinen Chronistenpflicht, hin zum Ratgeber, Interpreten, Navigator in einem dichten Informationsangebot.“ In den USA habe der wirtschaftliche Druck auf Redaktionen gar zu einen "market-driven-journalism“ geführt. Rund-um-die-Uhr werden Infotainments, Soft-News oder Serviceangebote mit verwässerten Grenzen zur PR produziert. Aufwändige Recherchethemen bleiben auf der Strecke.

Erst selbstorganisieren, dann gemeinnützig fördern

Ist die Gemeinnützigkeit also der grundsätzliche Königsweg für guten Journalismus? "Das geht sicher nicht“, meint Marie Louise Kiefer. Ihr Vorschlag: Professionalisierung und Selbstorganisation als Berufsstand in einer Kammer. "Wer eine bestimmte akademische Ausbildung erfolgreich absolviert und zusätzlich eine Prüfung vor dieser Kammer bestanden hätte, der könnte als gemeinnützig anerkannt und gefördert werden.“

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Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2012 | OriginalPaper | Buchkapitel

Medien am Markt

Quelle:
Grundlagenwissen Medien für Journalisten
    Bildnachweise