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04.09.2015 | Medien | Im Fokus | Onlineartikel

Wie Sie Ihre Interview-Technik verbessern

Das Interview, eine der wichtigsten Darstellungsformen im Journalismus, verkommt immer öfter zur reinen PR-Verlautbarung. Worauf Sie achten müssen, damit die Attraktivität des Interviews wieder steigt.

„Lassen Sie uns den Quatsch beenden!“, forderte Sigmar Gabriel mitten im Live-Interview barsch von Marietta Slomka. Eigentlich war wohl nur ein Gespräch zwischen der ZDF-Journalistin und dem SPD-Chef zum Mitgliederentscheid seiner Partei über den Koalitionsvertrag mit der Union geplant. Die Angelegenheit geriet aber zu einem gereizten Schlagabtausch. Heiße Diskussionen über das Interview zeigten, dass die Medien und das Publikum solche heiklen Rededuelle gar nicht mehr gewohnt sind. Interviews werden heute von vielen der Befragten eher zur Selbstdarstellung und Werbung genutzt. Einige Journalisten fragen ungeschickt oder einfach brav, um zu gefallen und um keine rechtlichen Probleme zu bekommen. Doch gerade die Fragensteller können an diesem Missverhältnis etwas ändern.

Nachhaken gegen Phrasen und Eigenwerbung

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Wie eine Befragung der Springer-Autoren Jürgen Friedrichs und Ulrich Schwinges ergeben hat, werden vor allem Politiker-Interviews vom Publikum durchweg als schlecht beurteilt. Es käme nichts dabei heraus, so der Tenor. Oft verwenden Politiker und andere fachliche Gesprächspartner typische Floskeln, Verklausulierungen und Fachbegriffe, die kaum jemand versteht. Damit sollten sich Journalisten nicht zufrieden geben. Deshalb empfehlen die Autoren in ihrem Buch "Das Journalistische Interview", bei ausweichenden Antworten nachzuhaken: „Wir wollen wissen, wen eine Veränderung in welcher Weise betrifft, kurz: wie sich politische Entscheidungen auswirken“, heißt es im Buchkapitel "Grundlagen" (S. 197).

Zudem ist auf einen angemessenen Tonfall (S. 56) und einen wertschätzenden, aber kritischen Umgang mit dem Gegenüber (S. 218) zu achten. Letzteres wird im Kapitel "Aufbauendes" erläutert. Überdies raten Friedrichs und Schwinges, vor der Veröffentlichung die Aussagen der Interviewten mehr zu selektieren sowie grundsätzlich zu überlegen, ob Interviewpartner und Thema interessant und zielgruppenrelevant genug sind.

Variantenreiches Fragen steigert Attraktivität

Besonders wichtig für ein Interview sind Ein- und Ausstieg: „Unsere Erfahrung ist, dass die Aufmerksamkeit durch einen guten Anfang erzeugt wird, das positive oder negative Urteil über das Interview jedoch durch das Ende“, verraten die Springer-Autoren auf Seite 52. Um den Hauptteil des Gesprächs interessanter zu gestalten, ist es sinnvoll, die Art der Fragen zu variieren. Die gängigsten Typen sind:

  • Die offene Frage. Sie generiert ausführlichere Antworten und sorgt bei Publikum und Journalist für eine breitere Informationsebene.
  • Die geschlossene Frage. Sie legt den Befragten in seiner Meinung fest und sorgt für Klarheit bei den Fakten.
  • Der Trichter. Er beginnt mit einer allgemeinen offenen Frage und spitzt sich nach zwei bis drei Nachfragen mit einer speziellen geschlossenen Frage zu – alle zum selben Thema.

Doppelfragen, also zwei Fragen in einer, seien laut Friedrichs und Schwinges zu vermeiden. Der Grund: „Die befragte Person ist verwirrt, weil sie nicht weiß, auf welche der beiden Fragen sie antworten soll (…). Häufig antwortet die Befragte nur auf eine der beiden Fragen, nämlich die letztere und/oder die angenehmere“ (S. 74).

Gesprächsverlauf vor Veröffentlichung überprüfen

Wer sich über die Berechtigung seines Interviews ausreichend Gedanken macht, auf die Varianz und Sinnhaftigkeit seiner Fragen achtet und die Aussagen des Befragten gut selektiert, ist auf dem Weg zu einem ordentlichen Interview. Trotzdem schadet es nicht, vor der Veröffentlichung die wichtigsten Dinge, wie etwa das Erreichen des Informationsziels oder einen sinnvollen Gesprächsverlauf, zu überprüfen. Die Springer-Autoren haben dafür eine Checkliste (S. 202) erarbeitet, mit der sich die Qualität des Interviews prüfen lässt.

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Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2016 | OriginalPaper | Buchkapitel

Grundlagen

Quelle:
Das journalistische Interview

2016 | OriginalPaper | Buchkapitel

Aufbauendes

Quelle:
Das journalistische Interview

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