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11.05.2015 | Medien | Im Fokus | Onlineartikel

Lasst die Roboter ruhig kommen

Autor:
Michaela Paefgen-Laß

Die Text-Roboter kommen und plötzlich muss der Journalismus einen Job-Killer mehr befürchten. Dabei ist die Sache einfach geregelt: Der Roboter generiert Fließbandtexte, während der Journalist recherchiert und kreativ erzählt.

"Frondienst" ist die deutsche Übersetzung des tschechischen Wortes "robota". Roboter ein Kunstbegriff aus dem futuristischen Theaterstück "R.U.R - Rossums Universal Robots" des tschechischen Dramatikers Karel Capek von 1921. Und jeder Journalist, der schon einmal dazu verdonnert wurde, über einen längeren Zeitraum hinweg stereotype faktenbasierte Meldungen zu schreiben, weiß genau wie sich das anfühlt, redaktionellen Frondienst am Fließband zu leisten – eben ein Schreibroboter zu sein.

Roboter verrichten Frondienst

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Als die ersten Roboter nach dem zweiten Weltkrieg die Fertigungshallen der Industrie eroberten, grassierte die Angst um Arbeitsplätze. Roboter verrichten Handhabungen in kürzesten Taktzeiten. Sie übernehmen ermüdende und wie bei Lackieren, Schweißen oder Löten in der Automobilherstellung gesundheitsgefährdende Arbeiten. Es denkt und lenkt aber der Mensch, was die "Bedrohung" durch die Maschine relativiert. Wenn Algorithmen sich nun also anschicken zu texten, kann das dem Journalisten auch hilfreich sein, oder?

Generieren ist nicht gleich schreiben

Zunächst: Algorithmen texten nicht, sondern verbinden aktuelle Daten, etwa aus Börsenberichten oder von Wetterdiensten mit vom Menschen zu Verfügung gestellten fertigen Textbausteinen und generieren daraus Meldungen. Simpel strukturiert, schnell verarbeitet, einfach zu lesen. Von der Automatisierung profitierten Kunden und Reporter, lies das Software-Unternehmen "Automated Insights" die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" für den Artikel "Nehmen Roboter Journalisten den Job weg?" wissen. "Sie führt zu weniger Fehlern und einer größeren Newsroom-Effizienz". Rund eine Milliarden Meldungen haben die Tools des Herstellers im vergangenen Jahr laut F.A.Z generiert, unter anderem Finanzberichte für die Nachrichtenagentur Associated Press. Der Computerlinguist Michael White sieht den Journalisten dadurch von lästiger Routine entlastet und für Rechercheaufgaben befreit.

Wo die schreibende Zunft an ihre Grenzen stößt

Das mobile Internet und sein Allways on User stellen Betreiber von Webseiten mit Informationsangeboten vor die Herausforderung, massenweise Content liefern zu müssen. Das gilt für redaktionell hochwertige Inhalte der Verlagshäuser und speziell für die Massenware der Online-Shops und Agenturen. "Die neuen Anforderungen an flexiblen Content öffnen gleichzeitig die Türen für eine stärker modularisierte Content-Produktion", schreibt Springer-Autor Saim Alkan in "Mobiler Content - Strategie und Produktion" (Seite 46). Doch was macht den in kommerziellen Zusammenhängen benötigten anpassungsfähigen, flexiblen und damit "intelligenten" Content aus? Saim Alkan gibt dazu folgende Tipps (Seite 446):

  • Content ist darauf ausgerichtet auf mehreren Kanälen veröffentlicht und immer wieder neu verwendet zu werden
  • Er ist stark strukturiert und semantisch kategorisiert, kann also immer wieder neu zusammen gestellt werden
  • Inhalt ist unformatiert und damit an verschieden Design-Umgebungen anpassbar
  • Content ist mit Meta-Daten versehen, die ihn kategorisieren und beschreiben

Das Schreiben von Texten ist für Alkan der "Flaschenhals der Content-Produktion" bei der Anbieter wie Textbroker schnell an ihre Liefergrenzen stoßen. "Die automatisierte Produktion ermöglicht eine solche Varianz der Texte, dass sie genau auf die spezielle Situation des (mobilen) Users zugeschnitten sind, ohne sich zu doppeln" (Seite 447).

Zum menschlichen Gang ist der Roboter unfähig

Die Vorteile automatisierter Texte lassen sich nach Ansicht von Springer-Autor Tassilo Pellegrini ("Die Bewirtschaftung vernetzter Daten auf Basis von Linked Data Technologien") vom Produkt- und Servicesektor auf die Informationsmedien übertragen. "Dies ( = die Verdichtung von Daten zu Textbausteinen, Anm. d. Red.) stellt etwa in der Verwertung aktualitätskritischer Information einen wichtigen Aspekt dar und spiegelt sich auch im aktuellen Trend des "Roboter-Journalismus wieder, wo redaktioneller Content auf Basis hochstrukturierter Informationsbasen de-facto vollautomatisch generiert wird" (Seite 70).

Ist der Roboter-Journalismus also Entastung oder Job-Killer? Geschichten erzählen, Fakten in Kontexten bewerten, Zusammenhänge erklären und kommentieren, das erfordert menschliche Logik gepaart mit journalistischem Know-how. Und genauso, wie Roboter aller Forschung zum Trotz noch immer nicht die menschlichen Gangart nachahmen können, fehlt es ihnen an Gespür für Textsorten.

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