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18.08.2014 | Medien | Interview | Onlineartikel

"Heuschrecken-Image konnte etwas entgegen gesetzt werden"

Autor:
Andrea Amerland
3 Min. Lesedauer

Das Bild der Heuschrecke, die eine Firma kauft und und mit größtmöglicher Rendite zerschlägt, ist stark. So stark, dass das Private-Equity-Modell seinen schlechten Ruf schwer los wird, so Springer-Autor Danyal Bayaz im Interview.

Springer für Professionals: Sie haben die Berichterstattung über so genannte "Heuschrecken" in den Medien untersucht. Welches Fazit würden Sie heute ziehen?

Danyal Bayaz: Franz Müntefering hat das Bild als Synonym für rücksichtlose Finanzinvestoren vor etwa zehn Jahren in die Welt gesetzt. Seitdem vergeht kein Tag, ohne dass irgendwo in der Presse von Heuschrecken die Rede ist. Allerdings hat sich der Bezug gewandelt: Zunächst waren speziell Private-Equity-Gesellschaften gemeint, doch mittlerweile werden alle möglichen Wirtschaftsakteure, die sich als unmoralisch oder gierig erweisen, als Heuschrecke bezeichnet. Das kann auch mal ein schwäbischer Mittelständler sein.

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Gleichzeitig haben Sie auch die Kommunikation von Private-Equity-Gesellschaften analysiert. Wie lässt sich deren PR charakterisieren?

Zunächst haben diese Fonds, die ja Ihren Ursprung im angelsächsischen Raum haben, gar nicht kommuniziert, auch weil sie die Dynamik der Debatte unterschätzt hatten. Es ist aber klar, dass große Kapitalgesellschaften, die Verantwortung für mehr Arbeitnehmer als so manche DAX-Vorstände haben, sich langfristig Stakeholdern wie Arbeitnehmervertretern oder Journalisten nicht entziehen können. Auch weil sich das politische Klima dann verändert. Deshalb hat sich die Kommunikation der Fonds mittlerweile professionalisiert und ihre tägliche Arbeit ist transparenter und dialogischer geworden. Man hat aktiv den Kontakt zur Politik gesucht. Auch Politiker unterschieden heute, ob sie es mit einem Investor zu tun hat, der einen Windpark in der Nordsee finanziert oder mit einem Geldgeber, der ein Unternehmen zerschlägt und die Einzelteile mit maximaler Rendite veräußert.

Konnten die Finanzinvestoren Einfluss auf die Berichterstattung nehmen?

Ob es die Private-Equity-Fonds waren, die die Berichterstattung mitgeprägt haben, ist kausal-analytisch schwer zu sagen. Jedenfalls ist die Berichterstattung differenzierter geworden. Journalisten waren ja zunächst mit dem neuen Thema überfordert und haben die Münterfering'sche Deutung der gierigen und kurzfristig orientierten Fonds mehr oder weniger eins zu eins übernommen. Erst im Zeitverlauf ist auch über positive Aspekte berichtet worden, beispielsweise über das langfristige Engagement der Fonds oder ihren Beitrag zur Finanzierung des deutschen Mittelstandes, der Schwierigkeiten hat, bei Banken oder über die Börse Kapital einzusammeln. Dem Heuschrecken-Image konnte etwas entgegen gesetzt werden.

Welche Rolle spielt die Finanzkrise vor dem Hintergrund der Berichterstattung über Private Equity?

Die Finanzkrise hat die Berichterstattung quasi vom Kopf auf die Füße gestellt. Bis zum Untergang von Lehman-Brothers waren die Fonds die Aktiven in der Berichterstattung: Sie kauften und verkauften Firmen. Mit dem Beginn der akuten Krise wurden sie zum Objekt der Berichterstattung, da die Fonds und die von ihnen übernommenen Unternehmen mit an den Abgrund gezogen wurden. Das Geschäft, das ja typischerweise auf einen großen Anteil an Fremdfinanzierung durch Banken angewiesen ist, kam praktisch zum Erliegen. Damit nahm der ökonomische und auch mediale Private-Equity-Boom 2008 ein abruptes Ende. Plötzlich waren jetzt nicht mehr einzelne Unternehmen im Blick, sondern die Berichterstattung hat sich auf der volkswirtschaftlichen Bühne abgespielt: Wachstum, Schulden, Zinsen, Arbeitsmarkt. In Phasen solcher Makro-Events ist es fast aussichtlos, mit einzelnen Meldungen überhaupt durchzudringen.

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