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14.01.2014 | Medien | Im Fokus | Onlineartikel

Wie Fernsehserien süchtig machen

Autor:
Sabine Eyert-Kobler

Morden in "Dexter", Horror in "The Walking Dead", glänzende Schauspieler in "CSI": TV-Serien sind Kult und machen nach neuesten Erkenntnissen sogar süchtig.

Eine vom Pay-TV Sender Fox und Vodafone in Auftrag gegebenen Studie belegt, dass unser Körper die gleichen Entzugserscheinungen zeigt, wie ein Drogenabhängiger, wenn uns unsere Lieblingsserie vorenthalten wird: Er reagiert mit Schweißausbrüchen und sinkender Körpertemperatur. Die Forscher des Neuromarketing Labs in Stuttgart hatten für diese "weltweit erste neurowissenschaftliche Serienstudie" köperliche Reaktionen der Probanden im Alter zwischen 18 und 47 Jahren untersucht. "Geradezu orgiastisch ging es im Gehirn zu, als die Teilnehmer ihre Lieblingsfiguren über den Bildschirm flimmern sahen", so die Wissenschaftler.

Horror-Serien wirken beruhigend

Damit eine Serie Erfolg haben könne, müssen die Filmemacher Charaktere schaffen, die mindestens eine von 13 elementaren Emotionen beim Zuschauer erzeugen - positive wie negative. Ein weiteres überraschendes Ergebnis der Studie: Der Serienkonsum wirkt sich insgesamt beruhigend aus, selbst wenn es sich um eine Horror-Szene aus "The Walking Dad" handele. "In der Freizeit suchen die Probanden eher den Ausbruch aus dem Alltag und streben danach, Emotionen zu erleben, die in andere Extreme gehen. Es fällt auf, dass besonders die Dimensionen Gefahr und Angst aktiviert werden sollten", fasst das Team um Wissenschaftler Dr. Kai-Markus Müller zusammen.

Serien-Stilmittel: Parallelwelten schaffen

"Komplexe Erzählwelten, vielschichtige Figurenensemble und vielfältige Bezüge zur aktuellen, sozialen und kulturellen Situation machen Serien zu polysemen Texten, die faszinieren und begeistern", so Susanne Eichner, Lothar Mikos, Rainer Winter ("Transnationale Serienkultur", Seite 10). (Kult-)Serien böten Parallelwelten an, die einen voyeuristischen Einblick in das komplizierte Leben von anderen ermöglichten und so eine möglichst große Zuschauerschaft aus verschiedenen sozialen Formationen als Zielgruppe anspreche (Seite 79). Als Serienbeispiele nennen die Autoren "Twin Peaks" oder "Akte X".

Mit Serien wie CSI begann eine qualitative Umorientierung in US-Serien, um andere Zielgruppen zu erschließen ("Schauspielerische Qualität und narrative Innovation am Beispiel von CSI", Seite 122 ff.). Neue Autoren gaben den Serien eine literarische Qualität durch langwieriges Storytelling, Handlungsstruktur und Charaktertiefe, alles in allem Faktoren, die aus einer Serie eine Kultserie mit Suchtfaktor machen - auch für den Zuschauer von morgen.

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Quelle:
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