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29.04.2014 | Medien | Im Fokus | Onlineartikel

Willkommen in der werbefreien TV-Zone

Autor:
Michaela Paefgen-Laß

Die öffentlich-rechtlichen Sender haben zu viel Gebühren eingenommen, was dem Beitragszahler jetzt zugute kommen soll. Das ist prima, lenkt es doch von Debatten um das Qualitätsfernsehen ab.

Zum Hintergrund: Die 2013 eingeführte pauschale Haushaltsabgabe hat nicht wenige Nutzer erwischt, die bislang keine Rundfunkgebühren gezahlt haben. ARD, ZDF und Deutschlandradio werden die "neuen“ Abgabenzahler bis 2016 einen unverhofften Gebührenüberschuss von rund 1,15 Milliarden Euro bescheren. Behalten dürfen die Sender den Geldsegen allerdings nicht, dafür sogt die Gebührenkommission KEF (Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten).

Bereits Ende vergangenen Jahres haben die Sachverständigen in ihrem 19. Bericht empfohlen, das Geld zurück zu erstatten, also die Rundfunkbeiträge für Privathaushalte von derzeit 17,98 Euro auf 17,25 zu senken. Im März nahmen sich die Länderchefs der Sache an und debattierten um Pfennigbeträge. Sollen künftig die vorgeschlagenen 73 Cent weniger fällig werden, oder doch nur 48 Cent, oder mit dem überschüssigen Geld gar werbefreies Fernsehen finanziert werden?

Ist TV ohne Werbung möglich?

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Jeder dritte Deutsche, so berichtet die Welt, das möchte das überschüssige Geld in besseres TV-Programm investiert sehen. Aber es könnten damit auch lästige Werbeblöcke eliminiert werden. Denn die komplette Abschaffung von Werbung und Sponsoring in den öffentlich-rechtlichen Anstalten ließe sich mit 1,25 Euro monatlich über den Gebührenzahler kompensieren. Auch diese Möglichkeit rechnete die KEF in ihrem Sonderbericht vor. Einen Teilbetrag davon könnte bereits das Einkommensplus der Sender deckeln. Doch ist werbefreier Rundfunk für die Anbieter auch wirtschaftlich tragbar? Die Einschätzung der Sachverständigen lässt sich knapp zusammenfassen: Für das Fernsehen ja, für den Hörfunk nein. Denn, dem Radio wird damit die Finanzgrundlage entzogen, befürchtet die Kommission.

Pfennigfuchserei ersetzt keine Qualitätsdebatten

"Die Rundfunkpolitik ist tot“, kommentierte Claudia Tieschky im März in der Süddeutschen Zeitung die Gebührendebatte der Ministerpräsidenten. Den Länderchefs sei, wenn es nicht gerade ums Geld gehe, ein „sagenhaftes Desinteresse“ an Rundfunkfragen zu unterstellen, der Rundfunk selbst noch immer nicht in der digitalen Wirklichkeit angekommen. „Das Netz ist überall, es bestimmt auch den Rundfunk. Die Digitalisierung verlangt technisches Verständnis von den Entscheidern“, schreibt die Journalistin. Digitale Grundregeln, wie etwa die Netzneutralität, blieben undiskutiert. Doch wie kann Medienpolitik dem neuen Fernsehen gerecht werden und wie können sich die Sender in die medienpolitische Debatte einbringen?

Fernsehen braucht den Dialog

Angelika M.Mayer ist diesen Fragen in ihrem Buch "Qualität im Zeitalter von TV 3.0” nachgegangen. Im Buchkapitel "Fazit: Ausblick und Empfehlungen“ fordert sie vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen, sich den neuen Akteuren im Fernsehsektor nicht zu verschließen sowie eine stärkere Einbindung der KEF und sämtlicher Stakeholder in die Qualitätsdebatte zu gestatten (Seite 272). Die Öffentlich-Rechtlichen, so kritisiert die Autorin, hätten sich zuletzt in erster Linie den machtstrategischen Gruppen zugewandt. "Der Dialog zum Fernsehen muss auch Teil des Programms werden“ (Seite 277). Damit verbunden sei auch die Werbefreiheit als zukunftsfähiges Qualitätskriterium: "Das Verlangen nach einer strikten Trennung der Finanzierungsmodi Gebühr und Werbung ist so allgegenwärtig, dass der Punkt schwerlich ignoriert werden kann“ (Seite 280).

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