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20.08.2014 | Medien | Im Fokus | Onlineartikel

Warum wir schuldbewusste Couch-Potatoes sind

Autor:
Andrea Amerland
2 Min. Lesedauer

Auf den ersten Blick sind sie ein schöner Zeitvertreib. Und doch reißt es an den Nerven. Wer TV, Tablet oder Videospiele privat zur Entspannung einsetzt, erreicht zumeist das Gegenteil, so eine Studie.

Insbesondere gestresste und erholungsbedürftige Menschen fühlen sich schuldig, wenn sie in ihrer Freizeit Medien nutzen - und die eigentlich angestrebte Entspannung tritt gar nicht erst ein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie mit dem vielsagenden Titel "The Guilty Couch Potato"von Kommunikationswissenschaftlern der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Freien Universität Amsterdam, die im Journal of Communication veröffentlicht wurde. Von den 471 Studienteilnehmern gaben Personen mit hohem Erschöpfungsgrad an, Medien genutzt, aber dafür andere Aufgaben vernachlässigt zu haben. Das daraus resultierende schlechte Gewissen minderte gleichzeitig die Erholungswirkung der Mediennutzung.

Stress und Belastung durch ständige Verfügbarkeit

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Zuvor hatten Studien immer wieder die positive psychologische Wirkung und den Entspannungseffekt von privater Mediennutzung bestätigt. Jetzt zeigt sich ein differenziertes Bild der Effekte. "In unserer neuesten Forschung ergründen wir daher auch die Rolle der Mediennutzung als mögliche Quelle von Stress und Belastung. In Zeiten von Smartphones und mobilem Internet scheint die ständige Verfügbarkeit von Kommunikations- und Medieninhalten häufig eher eine Bürde als eine Erholungsressource darzustellen", so Juniorprofessor Dr. Leonard Reinecke, Erstautor der Studie.

Social Media macht unglücklich

Auf ein weiteres Problem weist eine Untersuchung der Wohltätigkeitsorganisation Scope unter 1.500 Nutzern hin. Demnach macht das Social Web zwei Drittel der Befragten einsam, neidisch und süchtig. Gründe sind das Messen mit anderen und die Selbstdarstellung in sozialen Medien. Zudem denken viele User, dass sie zu viel Zeit im Social Web verbringen. Sie sind aber nicht in der Lage, ihre Online-Nutzung zu reduzieren oder einzustellen. Das gilt der Studie zufolge insbesondere für jüngere Nutzer.

Exzessive Mediennutzung wird seit längerem als Problem diskutiert. Doch ab wann gilt der TV- oder Spiele-Konsum aus psychisch-medizinischer Sicht als ungesund und belastend? "Exzessive ist eine Nutzung, wenn diese als problematisch thematisiert wird. Diese Thematisierung kann sowohl öffentlich als auch privat erfolgen", definieren es die Springer-Autoren Georg Cleppien und Detlef Scholz (Seite 148). Sie beschreiben Exzessive Mediennutzung als soziales Problem, Konflikt und Abhängigkeit und haben die Faktoren, die eine exzessive Mediennutzung beeinflussen, in einer Grafik veranschaulicht.

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Quelle:
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