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02.03.2015 | Medien | Im Fokus | Onlineartikel

Was Facebook und Twitter Medien wirklich bringen

Autor:
Andrea Amerland

Nachrichten über soziale Medien verbreiten und sonst nirgends: Das ist das Modell eines Berichterstattungs-Kanals in den USA. Doch hierzulande wird über die Bedeutung von Facebook und Twitter für den Journalismus noch immer gestritten.

Reported.ly will das Social Web als primären Berichterstattungs-Kanal nutzen. "We want to bring global news directly to you through social media  –  and hope you’ll become a part of our online community", heißt es auf der vorläufigen Medium-Seite. Dabei will das Journalismus-Projekt von First Look Media ohne Website auskommen und seine Geschichten nur via Facebook, Twitter oder Reddit recherchieren und erzählen. Reported.ly-Chef Andy Carvin bezeichnet dieses Vorgehen als "native journalism". Wie das in der Praxis aussehen wird, bleibt abzuwarten.

Twitter liefert bislang weit weniger Traffic als Facebook

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Folgt auf Native Advertising und Content Marketing nun wirklich Native Journalism oder wird wieder einmal nur ein leeres Buzzword durchs Mediendorf getrieben? Wer einen Blick auf die aktuellen Zahlen von Facebook und Twitter wirft, wird große Unterschiede bei der Nutzung der beiden Netzwerke feststellen. So hat Twitter weltweit 284 Millionen Nutzer (Stand: Dezember 2014). Facebook kann hingegen 1,29 Milliarden aktive User bieten.

Während Facebooks Bedeutung als Trafficlieferant für andere Webseiten im vergangenen Jahr deutlich an Bedeutung gewonnen hat und im Dezember der Anteil des Facebook-Traffics am Gesamttraffic von Webseiten laut Shareaholic bei rund 25 Prozent lag, stagniert der von Twitter kommende Referral Traffic bei unter einem Prozent. Die Shareholic-Untersuchung liegen mehr als 300.000 Webseiten weltweit mit über 400 Millionen eindeutigen Besuchern pro Monat zugrunde.

Nachrichten werden vor allem über Facebook geteilt

Wie eine Studie der Technischen Universitäten Darmstadt und Dresden zudem zeigt, teilen Internetnutzer Nachrichten immer häufiger über Facebook. Der Konkurrent Twitter hat dabei ganz klar das Nachsehen. 2014 gaben die Leser der 15 beliebtesten Internetportale 476.000 Beiträge insgesamt 75,4 Millionen Mal über Likes auf Facebook weiter während sie dazu Twitter nur 5,7 Millionen Mal nutzten.

Dazu passt, dass Twitter seine Reichweite nun erhöhen will und mit Google wieder einen Deal geschlossen hat, so dass Tweets in Echtzeit in den Suchergebnissen sichtbar werden sollen. Auch Bing und Yahoo verfahren dem US-Nachrichtendienst Bloomberg zufolge nach diesem Modell. Somit wird auch die Relevanz von Twitter für den Journalismus steigen.

Die Redaktion ist das Social-Media-Zentrum

Doch nicht nur der Referral Traffic und die Reichweite entscheiden über den Nutzen sozialer Netzwerke. Christian Lindner, Chefredakteur der „Rhein-Zeitung“ (Koblenz) sieht "Social Media als Verlagsaufgabe". Allerdings komme es auf die richtige Haltung der Redaktion an: Es gehe um People, nicht um User, ist sich der Springer-Autor sicher. Die Relevanz der Online-Kommunikations-Kanäle für Recherche und Medienprodukt fasst er in vier Kernthesen zusammen.

  • Social Media ist eine Themen-Lupe
  • Social Media ist ein Wissens-Korkenzieher
  • Social Media ist ein Reichweiten-Einfädler
  • Social Media ist eine Image-Feile – oder auch das Gegenteil 

Während Volker Lilienthal, Inhaber der Rudolf-Augstein-Stiftungsprofessur in Hamburg, im Jahrbuch für Journalisten 2015 davor warnt, Social Media über zu bewerten, rät Lindner davon ab, die Kommunikation im Social Web zu unterschätzen und als Aufgabe an Volontäre, Praktikanten oder Marketing zu delegieren. "Verlage brauchen Social Media-Profis für Storifys" (Seite 200), betont er. Das Zentrum von Social Media müsse die Redaktion sein. Dann klappt's auch mit der Verbreitung von News und der Themenfindung über Facebook oder Twitter.

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