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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung: Zu diesem Buch

Einleitung: Zu diesem Buch

Abstract
Im Zentrum dieses Buchs steht die lange übersehene Tatsache, dass jede Mediennutzung in Alltagskontexte eingebettet ist. Medienhandeln ist immer auch Alltagshandeln und umgekehrt erfolgt Alltagshandeln vielfach mediatisiert. Wir haben es also aus medien- und kommunikationswissenschaftlicher Sicht nicht mit einem Zusammenspiel zweier getrennter Sphären zu tun, wie es die Begriffe „Medien und Alltag‟ oder „Medien im Alltag‟ suggerieren, sondern mit einem untrennbaren Zusammenhang. MedienAlltag — die Wortschöpfung im Titei will diese Symbiose zum Ausdruck bringen. Der Band beleuchtet die Prozesse, in denen Medien nach und nach Teil des Alltags der Menschen werden.
Jutta Röser

Theoretische Zugänge

Frontmatter

Der Domestizierungsansatz und seine Potenziale zur Analyse alltäglichen Medienhandelns

Abstract
Das „Domestication of Information and Communication Technologies‟-Konzept (Silerstone/Haddon 1996) wurde seit den frühen 1990er Jahren innerhalb der britischen Cultural Studies erarbeitet. Es entfaltet einen analytischen Zugriff, der speziell in Deutschland bislanf vernachlässigt wurde und sowohl historisch als auch bezogen auf die digitale „Mediatisierung‟ des Alltags (Krotz 2001) weiterführende Einsichten erbringen kann.
Jutta Röser

Domestizierung, Alltag, Mediatisierung: Ein Ansatz zu einer theoriegerichteten Verständigung

Abstract
Unter dem Domestizierungsansatz wird — knapp zusammengefasst — ein konzeptioneller Entwurf im Rahmen der Cultural Studies verstanden, der darauf abzielt, zu beschreiben und zu rekonstruieren, wie sich Menschen Medien in ihren Haushalten, Lebensformen und Alltagen zu Eigen machen. Zur Veranschaulichung der Kontinuität solcher Fragestellungen, der Rekonstruktion der Ursprünge des Ansatzes und seiner Diskussion wird im deutschsprachigen Raum immer wieder auch auf kulturwissenschaftliche Studien von Hermann Bausinger (1983) hingewiesen (vgl. Röser 2003; 2005; 2007b in diesem Band; Hartmann 2007); insbesondere im Zusammenhang mit dem verstärkten Interesse an der Integration von Medienhandeln in den Alltag (vgl. exemplarisch Boehnke/Döring 2001; Keitel 2003; Schütz u.a. 2005; Huber/Meyen 2006) erfährt er in den letzten Jahren vermehrt Aufmerksamkeit.
Friedrich Krotz, Tanja Thomas

Medienalltag und Zeithandeln

Abstract
Der Umgang mit Zeit und die Aneignung von (neuen) Medien haben eines gemeinsam: Sie finden als Prozesse sozialen Handelns statt und erscheinen in Folge dessen irgendwann verdinglicht und ‚naturalisiert‛. Zeit erhält durch Veralltäglichung sowie durch de weitergehende Sozialisation der nächsten Generation einen quasi naturwüchsigen Status, dessen soziale Konstruktion vielen Menschen verborgen bleibt.
Irene Neverla

Historische Perspektiven

Frontmatter

Fernsehen in der Erinnerung seiner Zuschauerinnen und Zuschauer. Medienbiiografien, historische Rezeptionsforschung und die Verhäuslichung des Fernsehens in den 1950er Jahren

Abstract
Die Etablierung des Fernsehens in den bundesdeutschen Haushalten ist vielen der heute über 50-Jährigen noch gut in der Erinnerung, sie wurde zu einem Ereignis, bevor sich das Medium in den Alltag integrierte und in die Zeitstrukturen der Menschen einschrieb. Am Fernsehen kann — noch deutlicher als am Radio, bei dem es sehr rasch auch mobile Empfangsgeräte gab — die ‚Verhäuslichung‛ eines Mediums beobachtet werden. Die Integration eines Öffentlichkeit erzeugenden Mediums innerhalb eines, dem Verständnis der bürgerlichen Öffentlichkeit diametral entgegengesetzten Bereichs des Privaten is mit dieser Verhäuslichung verbunden. Abweichend wird hier nicht der Begriff der „Domestizierung‟ (Röser 2005, ähnlich auch Moores 2000) verwendet, weil er im Deutschen ja auch die Bedeutung der Diszipinierung und Entschärfung meint und der damit die Brisanz des Umbaus von Gesellschaft und Kultur, der hier sowohl auf der Ebene der Gesellschaft als auch auf der der Subjekte stattfindet, verharmlost. Mit welcher Macht das MEdium die Gewalt der Konflikte und Katastrophen in die Privatsphäre der Zuschauerinnen und Zuschauer hineindrängt und diese damit aufbricht, ja zerstört, zeigt sich immer wieder, wenn über Kriege berichtet wird, über den 11. September 2001, über Naturkatastrophen wie Tsunamis und Vulkanausbrüche oder über Mediensensationen — wie z.B. 2006, als sich eine junge Frau nach acht Jahren Entführung in den Medien präsentieren musste. Hier zeigt das Medium, dass diese Domestizierung im Sienne einer Befriedung und Fesselung sehr brüchig ist.
Knut Hickethier

Television Memories and Cultures of Viewing Domestizierungsprozesse in Großbritannien 1950–1965

Abstract
„Today everybody talks about the everyday, even the empiricists.‟ (Bausinger 1984: 343)
Die vorliegende Arbeit, die ganz explizit vorläufig ist und mehr Fragen aufwirft denn Antworten bereit hält, basiert auf Interviews, in denen Menschen über ihre Erinnerungen zun frühen Fernsehen in Großbritannien in den Jahren 1950 bis 1965 begraft wurden. Dabeie soll an verschiedene Stränge der neueren Fernsehforschung angeknüpft werden. Ganz allgemein betrifft dies vor allem die Verschiebung des Forschungsinteresses und der Methodologie von Studien über das Fernsehen als fundamental textuelles Phänomen hin zu der Erforschung sozialer Kontexte und Beziehungen zwischen Fernsehrezeption und den weiteren Dynamiken kulturellen Handelns (vgl. z.B. Gray 1987; Morley 1986; Seiter u.a. 1989). Hinsichtlich dieser Verlagerung meine ich, dass sich eine adäquate Geschichte des britischen Fernsehens im Betrachtungszeitraum damit befassen muss, wie das Fernsehen — eine der maßgeblichen kulturellen Technologien der Nachkriegszeit — in den Kulturraum der britischen Haushalte eingedrungen ist und wie sich Fernsehrezeptionskulturen etabliert und das britische Fernsehen ‚domestiziert‛ haben. Mein Hauptanliegen besteht somit weniger in der Analyse von Merkmalen des Fernsehprogramms in dieser wichtigen und prägenden Zeitspanne, sondern vielmehr in der Erforschung früher Fernseherfahrungen der damaligen Zuschauerinnen und Zuschauer und ihrer Erinnerugen daran, welchen Platz dieses Medium in ihrem Leben eigenommen hat. O’Shea hat sich dazu geäußert, wie wichtig es its, sich dem Fernsehen als Ganzes anzunähern und die Besonderheiten des Mediums zue erforschen (vgl. O’Shea 1989: 378). Mit Blick auf dessen Geschichte führt er an:
„The institution of television must also include its technologies of distribution and consumption; how does their insertion into the domestic sphere affect viewing cultures and the (re)construction of everyday life alongside other domestic practices?‟ (ebd.: 378)
Tim O’Sullivan

Vollendete Veralltäglichung: Die Re-Domestizierung des Fernsehens im dualen Rundfunksystem Deutschlands

Abstract
Als offener, prinzipiell endloser Prozess ist die Domestizierung von Technologien zu keinem Zeitpunkt abgeschlossen. Vielmehr handelt es sich dabei um eine Entwicklung, die ständig in Bewegung ist und durch Impulse von innen (z.B. Veränderungen der familiären Lebensverhältnisse) und außen (z.B. Einführung einer Innovation mit ähnlichem Anwendungsspektrum) neue un unvoerhergesehene Wege einschlagen kann (vgl. Bakardjieva 2006; Berker u.a. 2006; Haddon 2001). Die Rolle des Fernsehens muss daher immer wieder neu verhandelt werden, sie unterliegt spezifischen Dynamiken, die mit dem häuslichen Medienhandeln interagieren. „Re- and de-domestication processes can take place — adapting and morphing to meet the changing needs of users, the constitution of households and workplaces.‟ (Berker u.a. 2006: 3)
Corinna Peil, Jutta Röser

„Vom Kellerloch bis hoch zur Mansard’ ist alles drin vernarrt‟ — Zur Veralltäglichung des Radios im Deutschland der 1930er Jahre

Abstract
Staunen, Wundern und die Faszination über das technisch Machbare, dies kennzeichnete anfänglich den Umgang mit dem neuen Medium Rundfunk:
„Wo man geht, wo man sitzt und steht, ist vom Radio heut’ nur die Red’, vom Kellerloch bis hoch zur Mansard’ ist alles drin vernarrt.‟ (Schlager von Leopoldi 1925)
Monika Pater, Uta C. Schmidt

Early Radio. Die Domestizierung einer neuen Medientechnologie in Großbritannien

Abstract
In der folgenden Analyse steht die Frühzeit des Radios in den 1920er und 1930er Jahren im Mittelpunkt, als es noch eine neue Technologie war. Gefragt wird danach, wie das Medium über diese zwei Jahrzehnte hinweg nach und nach domestiziert wurde. Die Darstellung der historischen Entwicklung des Rundfunks zielt darauf, seine Beziehung zum Zuhause zu ‚dekonstruieren‛. Eines der wesentlichen Verdienste historischer Analysen ist es, die derzeitigen sozialen Arrangements zu denaturalisieren — indem Dinge, die inzwischen als gegeben betrachtet werden, in ihrem Entstehungsprozess gezeigt werden. Wie Leslie Johnson (1981) ausführte, hat das frühe Radio dazu beigetragen, häusliche Zeitrhythmen und Räume zu beeinflussen. Die hier präsentierte Untersuchung stellt den Versuch dar, die Transformation des Radios vom ‚widerspenstigen Gast‛ zum — zumindest symbolisch — ‚guten Begleiter‛ der Haushaltmitglieder zu analysieren. Darüber hinaus zielt sie darauf ab, die Herausbildung des Familienpublikums innerhalb der größeren Entwicklung räumlicher und zeitlicher Bereiche nachzuzeichnen.
Shaun Moores

Vom Ausflugs- zum Alltagsbegleiter: Tragbare Radios und mobiles Radiohören 1950–1970

Abstract
Radiohören gilt heute als klassische Nebenbei-Tätigkeit. Mit Badezimmerradio, Tuner der Hifi-Anlage oder Autoradio sind die Geräte hierzu an zahlreichen Orten präsent und als Taschenradio oder Handyfunktion auch mobil verfügbar. Der durchschnittliche deutsche Haushalt besitzt sechs bis sieben UKW-Empfänger, wovon die Hälfte auf tragbare Varianten entfällt (vgl. Breunig 2006: 5). Ein solcher Mehrfachbesitz wurde zwischen 1950 und 1970 üblich, als das fest in den häuslichen Routinen verankerte „Erstgerät‟ durch ein tragbares Radio ergänzt wurde. Im Folgenden wird gezeigt, wie die tragbaren Geräte schließlich in immer mehr häuslichen, außerhäuslichen und (auto-)mobilen Räumen eingesetzt wurden. Zur Domestizierung des Radios gehört mithin nicht nur das Hören am Wohnzimmergerät, durch das es in den 1930er Jahren ‚verhäuslicht‛ worden was (vgl. Friemert 1996; Lenk 1997; femer Pater/Schmidt 2007 und Moores 2007 in diesem Band), sondern ebenso der Prozess, in dem es über mobile Radiovarianten zu einem Alltagsbegleiter geformt wurde.
Heike Weber

Das Fräulein vom Amt und die Quasselstrippe Genderingprozesse bei der Einführung und Durchsetzung des Telefons

Abstract
Kennt ihr das auch: die Dame des Hauses telefoniert immer, überall und andauernd mit Gott und der Welt. Teilweise kann ich es nicht fassen, sie unterhält sich über Sachen, die belanglos sind bis zum Abwinken! Oder besser sie unterhält sich mit einer Freundin darüber, was sie morgen, wo sie sich treffen, miteinander beschnacken können. Kein Witz!!! Kann das angehen, dass es genetisch bedingt ist? Ciao Wire1
Elisabeth Klaus

Gegenwarts-Perspektiven

Frontmatter

Wenn das Internet das Zuhause erobert: Dimensionen der Veränderung aus ethnografischer Perspektive

Abstract
Das Feld der Aneignung neuer Medientechnologien ist überraschenderweise ein Stiefkind kommunikationswissenschaftlicher in Deutschland. Erst seit wenigen Jahren intensivieren sich hier die Forschungsaktivitäten, indem insbesondere die Mobilkommunikation und die Aneignung des Handys durch Jugendliche verstärkt untersucht werden (vgl. z.B. Höflich/Rössler 2001). Damit rückt in den Blick, dass Medien nicht nur auf der symbolischen Ebene, sondern auch auf der materellen Ebene der Technologie Bedeutung haben und sowohl inhaltlich als auch als Objekt angeeignet werden.1 Kommunikationswissenschaftliche Rezeptionsforschung konzentrierte sich in Deutschland traditionell auf die symbolische Ebene, d.h. auf die Frage, wie sich Rezipierende mit speziellen Medieninhalten (innerlich) auseinandersetzen. Dieser Zugang prägte auch die frühe Internetforschung.2
Jutta Röser

Häusliches Medienhandeln der ‚Generation @‛ — Junge Paare und ihr Umgang mit Internet und Fernsehen

Abstract
Jurgendliche und junge Erwachsene von heute gehören der ersten Generation an, die seit ihrer Kindheit oder Jugend mit dem Internet vertraut ist. Opaschowski (1999: 19) had den Begriff der „Generation @‟ geprägt, unter dem er die nach 1970 Geborenen fasst, „die in einer von elektronischen Medien und unter dem Zeichen von @ geprägten Umwelt aufgewachsen sind‟. Sie gelten deshalb als besonders Internet-affin. Junge Paare der Generation @ stehen im Zentrum dieses Beitrags, der sich mit dem Medienalltag von InternetnutzerInnen zwischen 20 und 29 Jahren befasst. Er basiert auf einer explorativen Studie, für die fünf Paare zu ihrem Umgang mit häuslichen Medien und Kommunikationstechnologien qualitativ befragt wurden (vgl. Großmann 2005). Wie junge Menschen Onlinemedien und Fernsehen für die Gestaltung von sozialer Interaktion, geschlechtlicher Identiät sowie räumlichen und zeitlichen Strukturen nutzen, wird basierend auf fünf Fallstudien dargestellt. Analysiert wird das Medienhandeln im Kontext des häuslischen Alltags und der jeweiligen Lebenslage.
Nina Großmann

50plus und abgehängt? Das Internet im häuslichen Alltag von äteren Paaren

Abstract
So wichtig und so gewohnt wie Wasser, Strom und Telefon werde das Internt in Zukunft als Dienstleistung und Lebensbegleiter sein, ließen Managerinnen und Manager aus der IT-Branche 2005 bei einer internationlen Internet-Fachtagung verlauten (vgl. Weiss 2005). In diesem Jahr zählten in Deutschland 58 Prozent der Bevölkerung zu den gelegentlichen Nutzerinnen und Nutzern (vgl. van Eimeren/Frees 2005: 363). Damit hat gut die Hälfte der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger Zugang zu dieser ‚elementaren‛ Grundversorgung, die andere Hälfte nich. Im Sinne eines Digital Divide wird die Bevölkerung als in zwei Lager gespalten gesehen, d.h. es bestehen unterschiedliche Zugangschancen der einzelen Bevölkerungssegmente zu den neuen Medien, darunter auch dem Internet (vgl. Gleich 2004: 233). Teilhabe an der Informationsgesellschaft durch das Internet bedeutet einen teilweise exklusiven Zugan zu Politik, Bildung, Freizeit und Unterhaltung, Einkauf und Dienstleistung zu haben (vgl. Schweiger 2004: 43 ff.). Teile der Bevölkerung sind dabei von einem Ausschluss aus der Informationsgesellschaft stärker betroffen als andere (vgl. Arnold 2003). Im Gegensatz zu Jüngeren zählen über 50-Jährige zu einer der oft genannten ‚Risikogruppen‛.
Julia Ahrens

Mobilkommunikation im Familienalltag

Abstract
Im Rahmen der Analysen von Medienaneignung und Mediennutzung sind in den letzten Jahren vermehrt auch die Kontexte de Alltags, in denen Mediennutzung stattfindet, in den Blick genommen worden. Betrachtet man die historische Verbreitung und Nutzung verschiedener Medien in Bezug zum familialen Kontext, so lässt sich ein allgemeiner Trend beobachten, den man als eine zunehmende „Mediatisierung von Familie‟ bezeichnen könnte: Eltern und insbesondere auch Jugendliche müssen sich mit dem sie umgebenden Mediennetz auseinandersetzen. Die Verbreitung verschiedener Medien betrachtend, fällt auf, dass kein anderes Medium in einer derartig kurzen Zeitspanne eine „Veralltäglichung‟ seitens der Familienmitglieder erfahren hat wie das Mobiltelefon. Neben einer anfangs rein beruflich bedingten Anschaffung sind die hohen Verbreitungszahlen des Mobiltelefons seit Mitte der 1990er Jahre insbesondere dem privaten Bereich zuzuschreiben.
Michael Feldhaus

Grenzverschiebungen — Mobile Kommunikation im Spannungsfeld von öffentlichen und privaten Sphären

Abstract
Medien verlassen ihr — zumindest temporär so empfundenes — klassisches Umfeld, das Haus. Damit verändern sich nicht nur die Medientechnologien, sondern auch die Inhalte. Beides führt zu einer veränderten Nutzung und Rezeption. Nicht zuletzt sind es nicht mehr die bischerigen Orte, an denen Medien konsumiert werden: Der stationäre wird zum mobilen Rezipienten (vgl. Wilke 2005). Zu Beginn der massenhaften Verbreitung der Medien stand alles unter umgekehrtem Vorzeichen: Die Mediennnutzung innerhalb des Hauses was eine Errungenschaft, denn die Verhäuslichung war ein Zeichen zunehmenden Wohlstandes. Man ‚musste‛ micht mehr in öffentlichen Räumen fernsehen oder Zeitungen mit mehreren Lesern in Cafés teilen, sondern konnte sich das eigene Gerät oder das eigene Abonnement leisten. Mit dieser Verschiebung in die privaten Räume hinein begann sich auch die Nutzung zu ändern. Mediennutzung — vordem kollektiv — wurde eine intime Angelegenheit. Später ermöglichte die zunehmende Bandbreite an Medieninhalten eine zunehmende Individualisierung der Nutzung. Diesee Tendenzen verweisen auf ein Verständnis von Privatheit als Zurückgezogenheit, als beschränktem, aber geschütztem Ort. Es sind Tendenzen, die weiterhin anhalten und deren Folgen weiterhin offen sind. Denn neben der Fragmentierung finden zugleich auch neue Formen der Vergemeinschaftung durch die Medien statt (vgl. z.B. Hepp u.a. 2005). Diese Veränderungen zeigen sich sowohl auf der Ebene der Medieninhalte als auch auf der Ebene der Medienaneignung und -nutzung. Gespräche über die Medien, zum Beispiel, verändern sich im Rahmen von fragmentierten Medienangeboten radikal. Neue Identitäts- und Mediennutzungsmuster zeichnen sich ab. Diese weiderum erfordern neue wissenschaftliche Konzepte oder doch zumindest ein Hinterfragen der bestehenden Herangehensweisen.
Joachim R. Höflich, Maren Hartmann

Keitai-Kommunikation: Mobiler Medienalltag in Japan

Abstract
Die Kommunikation mit dem Keitai, dem japanischen Mobiltelefon, ist bereits fest in den häuslichen und mobilen Medienalltag in Japan integriert. Das Land mit seiner Affinität zur miniaturisierten Unterhaltungselektronik ist zwar nicht führent im Hinblick auf die Reichweite, est gilt jedoch als Avantgarde der Mobilkommunikation angesichts ihrer Verwurzelung in der Jugendkultur, des vielseitigen Anwendungsspektrums sowie der immensen Popularität des mobilen Internets. Viele Japanerrinen und Japaner gehen nicht (nur) stationär vom häuslichen oder beruflichen Schreibtisch aus online, sondern greifen auf das Internet mit ihrem Keitai zu, um von unterwegs E-Mails zu schreiben, im Internet einzukaufen oder aktuelle Nachrichten absurufen. Zudem gehen von Japan wichtige wissenschaftliche Impulse aus, da der Gegenstand im Vergleich zu Deutschland schon weit erforscht ist. So verweisen die Vielzahl der ins Englische übersetzten Publikationen über mobile Kommunikation in Japan — etwa der von Ito, Matsuda und Okabe herausgegebene Sammelband „Personal, Portable, Pedestrian‟ (2005) — und die dort durchgeführten ethnografischen Studien auf die große kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung, die das Keitai im japanischen Alltag erfährt.
Corinna Peil

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