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Über dieses Buch

Woraus ergibt sich das Einflusspotenzial interpersonaler Kommunikation im Medienwirkungsprozess? Dieses Buch liefert auf der Basis von mehr als 2.500 verdeckt beobachteten Alltagsgesprächen sowie einer anschließenden Befragung der beobachteten Kleingruppen Antworten. Es bestätigt zum einen die zentrale Rolle der Meinungsführer: Häufig sind sie es, die Medieninhalte zum Gesprächsgegenstand machen. Zum anderen verweist das Buch auf ein breites Spektrum von Funktionen, die Massenmedien für die Alltagskommunikation erfüllen. Neben der Information und Persuasion anderer stehen vor allem positive Emotionen im Vordergrund, die die Rezipienten mit Menschen aus ihrem sozialen Nahraum teilen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

Zusammenfassung
In modernen Informationsgesellschaften erfüllen Massenmedien für die interpersonale Alltagskommunikation eine Thematisierungsfunktion. Wie wir über Medieninhalte denken, wird nach der vorherrschenden wissenschaftlichen Sichtweise indes vor allem durch unser persönliches Umfeld beeinflusst. Obgleich das große Einflusspotenzial interpersonaler Kommunikation früh erkannt wurde, blieb sie in kommunikationswissenschaftlichen Untersuchungen jahrzehntelang außen vor. Die vorliegende Studie leistet einen Beitrag zur Erforschung des komplexen Wechselspiels zwischen beiden Kommunikationsformen. Im Fokus stehen drei Fragen: Erstens, woraus ergibt sich das Einflusspotenzial interpersonaler Kommunikation? Zweitens, fungiert interpersonale Kommunikation eher als Verstärker oder als Hemmer von Medienwirkungen? Drittens, auf welche Medienwirkungen nimmt interpersonale Kommunikation Einfluss? Antworten gibt eine komplexe Feldstudie, die auf breiter empirischer Basis Einblicke in den Umgang von Menschen mit Medieninhalten in Alltagsgesprächen innerhalb des sozialen Nahraums gewährt.
Nicole Podschuweit

Kapitel 2. Theoretischer Rahmen

Zusammenfassung
Ziel der theoretischen Ausführungen ist die Beantwortung zweier Fragen: Erstens, warum ist anzunehmen, dass interpersonale Kommunikation das Potenzial hat, Medienwirkungen zu beeinflussen? Zweitens, anhand welcher Faktoren lassen sich Stärke, Richtung und Art etwaiger Einflüsse interpersonaler Kommunikation im Medienwirkungsprozess prognostizieren? Den Ausgangspunkt für die Beantwortung der ersten Frage bilden die Überlegungen von Katz und Lazarsfeld (1955) zur Wirkmacht sozialer Normen und zur Schlüsselrolle von Meinungsführern im Kommunikationsprozess. Erweitert wird die theoretische Perspektive durch die Theorie der sozialen Realitätsbildung von Hardin und Higgins (1996). In der vorliegenden Arbeit wird die aus der Sozialpsychologie stammende Theorie erstmals herangezogen, um zu erklären, welche Bedeutung interpersonaler Kommunikation für die Validierung von Vorstellungen zukommt, die Massenmedien Individuen vermitteln. Zentrale Ausgangspunkte für die Beantwortung der zweiten Frage bilden empirische Befunde der Forschung zum sozialen Einfluss, zu Meinungsführern, zur Anschlusskommunikation und zur Medienrezeption.
Nicole Podschuweit

Kapitel 3. Zusammenführung der theoretischen Vorüberlegungen

Zusammenfassung
In diesem Kapitel werden die theoretischen Überlegungen und die referierten Forschungsbefunde zum sozialen Einfluss, zur Rolle von Meinungsführern im Kommunikationsprozess, zum Umgang von Menschen mit Medieninhalten in der interpersonalen Kommunikation und zur Medienrezeption zusammengefasst und in ein theoretisches Modell integriert. Das Modell gibt einen Überblick über Faktoren, die erklären können, ob Menschen Medieninhalte in ihre Alltagskommunikation einbringen, wie sie sie darstellen und welche Funktionen ihre Medienverweise für ihre sozialen Interaktionen erfüllen. Aus dem Modell werden theoretische Annahmen über Einflüsse dieser Faktoren abgeleitet und im weiteren Verlauf dieser Arbeit empirisch geprüft (operationale Modellebene). Weitere Annahmen sind auf einer rein theoretischen Modellebene anzusiedeln. Sie betreffen das Einflusspotenzial interpersonaler Kommunikation im Medienwirkungsprozess, das sich ausgehend vom Umgang mit Medieninhalten in konkreten Interaktionssituationen prognostizieren lässt.
Nicole Podschuweit

Kapitel 4. Methodik der empirischen Untersuchung

Zusammenfassung
Um zu erfassen, ob und wie sich Menschen innerhalb ihres sozialen Nahraums über Medieninhalte austauschen, setzt die vorliegende Studie auf die Kombination einer verdeckten Feldbeobachtung von Alltagsgesprächen mit einer anschließenden Befragung der beobachteten Gesprächsgruppen und einer Analyse der von ihnen thematisierten Medieninhalte. Das Herzstück bildet die Feldbeobachtung von mehr als 2.500 natürlichen Kleingruppen, deren Gespräche 40 geschulte Beobachter im Frühjahr 2016 mit einem standardisierten Beobachtungsschema erfassten. Inspiriert wurde die Beobachtungsstudie durch eine Untersuchung von Hans Mathias Kepplinger und Verena Martin (1986). Als methodisches Novum kann die Kopplung einer verdeckten Beobachtung mit einer mündlich-persönlichen Anschlussbefragung beobachteter Personen gelten. Das besondere Design der Studie ermöglicht zum einen extern valide Aussagen über den Stellenwert, den Medieninhalte in Alltagsgesprächen besitzen. Zum anderen bezieht die Studie medieninhaltsseitige, personale und Gruppenfaktoren ein, die das Zustandekommen und den Verlauf von Anschlusskommunikation beeinflussen, durch Beobachtung aber nicht zugänglich sind.
Nicole Podschuweit

Kapitel 5. Empirische Befunde

Zusammenfassung
Die wichtigsten Ergebnisse der empirischen Untersuchung lassen sich in sieben Punkten zusammenfassen: Erstens, 2016 waren Medieninhalte weniger salient in Alltagsgesprächen als im vordigitalen Zeitalter. Zweitens, Themen der aktuellen Berichterstattung schlagen sich mit einer Verzugszeit von etwa einem Tag auf der Gesprächsagenda nieder. Drittens, Meinungsführer tragen entscheidend dazu bei, dass Menschen sich über Medieninhalte austauschen und dass interpersonale Kommunikation ihr Einflusspotenzial entfalten kann. Viertens, gemeinsame Interessen und Medienpräferenzen fördern Erwähnungen der Massenmedien ebenso wie eine hohe Altershomogenität und Gruppenkohäsion. Fünftens, Medieninhalte werden vor allem zuhause und in größeren Gruppen zum Gesprächsgegenstand. Sechstens, Medienverweise gehen häufig mit positiven Bewertungen der Gesprächsteilnehmer einher. Siebtens, die vorliegende Studie bestätigt zum einen die große Bedeutung der Informations- und Persuasionsfunktion der Massenmedien für die Alltagskommunikation; zum anderen verweist sie auf eine hohe Relevanz der gemeinsamen affektiven Verarbeitung von Medieninhalten innerhalb des sozialen Nahraums.
Nicole Podschuweit

Kapitel 6. Fazit

Zusammenfassung
Die vorliegende Studie verweist auf ein großes Einflusspotenzial interpersonaler Kommunikation im Medienwirkungsprozess. Ihr zufolge bedarf es in jedem dritten Alltagsgespräch weniger als 20 Minuten, bis die Teilnehmer auf die Massenmedien zu sprechen kommen. Harte Nachrichtenthemen ohne Bezug zur Lebenswirklichkeit der Rezipienten sind für die Alltagskommunikation eher nachrangig bzw. ungeeignet. Als anschluss- und konsensfähig erweisen sich vor allem obtrusive Medienthemen und unterhaltende Medienangebote. Will man ihre Wirkung erforschen, sollte man interpersonaler Anschlusskommunikation demnach besondere Beachtung schenken. Da Medieninhalte, die Eingang in die Alltagskommunikation finden, bei den Interaktionsteilnehmern hohe Akzeptanz finden, dürfte interpersonale Kommunikation ihre Wirkung in aller Regel verstärken. Die Funktionen von Medienverweisen legen nahe, dass interpersonale Kommunikation neben kognitiven und persuasiven Medieneffekten vor allem affektive Medienwirkungen beeinflusst. Wie massenmediale (Unterhaltungs-)Angebote und Anschlusskommunikation bei der Entstehung bzw. Festigung subjektiver Realitätsvorstellungen zusammenwirken, sollte demnach weiter erforscht werden.
Nicole Podschuweit

Backmatter

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