Mediensozialisation in „smarten“ Umgebungen
Selbst- und Sozialwerdung im Kontext von Datafizierung und Automatisierung
- 2026
- Buch
- Herausgegeben von
- Laura Sūna
- Wolfgang Reißmann
- Buchreihe
- Medien • Kultur • Kommunikation
- Verlag
- Springer Fachmedien Wiesbaden
Über dieses Buch
Prozesse der Datafizierung und Automatisierung restrukturieren Medien- und Alltagswelten auf tiefgreifende Weise. Vielfältige Dateninfrastrukturen von digitalen Plattformen bis Sensormedien sind Treiber dieser Entwicklung. Damit ändern sich die Bedingungen von Selbst- und Sozialwerdung, oft unhinterfragt und intransparent im "Rücken der Subjekte". Für die Mediensozialisationsforschung stellen sich Fragen des Aufwachsens sowie nach Gestaltungsspielräumen und Handlungsmacht völlig neu. Der Band widmet sich der veränderten Ausgangslage über die theoretische Rejustierung einschlägiger Ansätze sowie auf Basis empirischer Fallstudien und gegenstandsbezogener Analysen.
Inhaltsverzeichnis
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Frontmatter
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1. Mediensozialisation in „smarten“ Umgebungen. Einführung in den Band
Wolfgang Reißmann, Laura SūnaZusammenfassungDie Sozialisationsperspektive in der Medienforschung widmet sich der Frage, wie Menschen in und mit medialen Umwelten aufwachsen, wie sie von diesen geprägt werden, diese aber auch eigenmächtig aneignen und mitgestalten. Eine hohe mediale Durchdringung und Verdichtung von Alltag und Kommunikation wird dabei seit langem konstatiert. Datafizierung und Automatisierung stellen neuartige „Kontexte“ des Heranwachsens und Lebens mit Medien dar. Menschen bewegen sich zunehmend in datenintensiven, „smarten“ Umgebungen. Kommunikationsmedien zeigen sich integral verkoppelt mit Dateninfrastrukturen. Eine moderne Mediensozialisationsforschung nimmt die ‚Tiefe‘ digitaltechnischer Infrastruktur als vertikale Ebene in ihre konzeptuellen und empirischen Designs auf. Während die prinzipielle Sozialisationswirksamkeit und Prägekraft von Datafizierung und Automatisierung unstrittig scheinen, stellen sich dabei grundlegende theoretische, empirische und auch normative Fragen nach Handlungsmacht und ihrer Verteilung: Was etwa heißt – aus der Perspektive interaktionistischer Sozialisationsforschung gefragt – „produktive Realitätsverarbeitung“ in „smarten“ Umgebungen? Wie ist die qualitativ veränderte (Eigen-)Aktivität „smarter“ Umgebungen angemessen in Beschreibungen und Bewertungen von Prozessen der Mediensozialisation einzubinden? -
Konzeptuelle Perspektiven
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Frontmatter
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2. Soziotechnische Praktiken in smarten Umgebungen. Subjektivierung im Wandel und unter Beobachtung
Dagmar HoffmannZusammenfassungIn Zeiten, in denen tiefgreifende soziale, wirtschaftliche, politische und kulturelle Veränderungen zu verzeichnen sind, modifizieren sich die strukturellen und somit auch mikrosozialen Lebenswelten moderner Menschen. Es justieren sich bestehende kommunikative Figurationen in verschiedenen Lebensbereichen (u. a. bezogen auf Arbeit, Partnerschaft, Familie, Nachbarschaften) neu. Insbesondere durch den Einzug smarter Technologien in den häuslichen Alltag wandeln sich insofern auch Prozesse der Subjektivierung. Digitale Transformationen und technologisch bedingte Umbrüche sorgen dafür, dass sich Individuen zu dem soziotechnischen Wandel verhalten und ihr Handeln anders ausrichten (müssen). Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit soziotechnischen Praktiken in smarten Umgebungen, d. h. den vielfältigen Handlungen, die Menschen im Umgang mit technischen Apparaten und Systemen vollziehen, und die gleichzeitig soziale sowie symbolische Bedeutungen, Normen und Werte widerspiegeln. Es gilt aufzuzeigen, wie soziotechnische Praktiken nicht nur auf die Neugestaltung der eigenen Wohnumgebung, auf bestimmte Anforderungen an Sinne und Embodiment verweisen, sondern auch auf das ambivalente Empfinden von Selbstermächtigung versus Unterwerfung, Sicherheit versus Entgrenzung. -
3. Aufwachsen in datenintensiven und automatisierten (Medien-)Umgebungen
Claudia LampertZusammenfassungSmarte Geräte und KI-Anwendungen halten zunehmend Einzug in den Alltag von Kindern und Jugendlichen und verändern die Mediennutzung grundlegend. Die Anwendungen bieten einerseits viele praktische und effiziente Einsatzmöglichkeiten, z. B. auch im Bildungsbereich, aktualisieren bzw. potenzieren aber andererseits auch Fragen zu Datenschutz, Sicherheit sowie langfristigen Auswirkungen auf die Sozialisation. Allerdings fehlt es bisher an Studien, die den Nutzungspraktiken in den veränderten datenintensiven und automatisierten Medienumgebungen angemessen Rechnung tragen. Der Text beleuchtet die sich verändernden Nutzungspraktiken sowie mögliche Implikationen für die Sozialisationsforschung und verweist auf die Notwendigkeit inter- bzw. transdisziplinärer Langzeitstudien, um den tiefgreifenden Wandel kritisch und formativ begleiten zu können. -
4. Algorithmen und Faszination Soziale Medien. Jugendliche Sozialisation im Kontext der Spätmoderne und Individualisierung am Beispiel von TikTok und Architekturen der Berechnung
Juliane Koglin, Dan VerständigZusammenfassungDieser Beitrag fragt aus einer Perspektive im Schnittfeld von Bildungs- und Medientheorie nach den Implikationen algorithmischer Plattformen für die Sozialisation Jugendlicher. Während soziale Medien Räume für Selbstausdruck und Vernetzung bieten, prägen algorithmische Strukturen zunehmend Identitätsbildungsprozesse und soziale Interaktionen. Die zunehmende Datafizierung beeinflusst dabei nicht nur individuelle Wahrnehmungen, sondern auch gesellschaftliche Ordnungen, indem sie digitale Technologien und Plattformen als zentrale Sozialisationsinstanzen etabliert. Aus einer strukturtheoretischen Perspektive der Medienbildung werden die Ambivalenzen zwischen Selbstbestimmung und algorithmischer Steuerung reflektiert. Der Beitrag diskutiert, inwiefern digitale Plattformen bestehende Machtstrukturen reproduzieren und neue Herausforderungen für die Medienbildung und die kritische Reflexion algorithmischer Systeme mit sich bringen. -
5. Die Produktion von Sozialisationsbedingungen: Algorithmische Medien, „Audience datafication“ und Agency
Susanne EichnerZusammenfassungDer Beitrag bietet einen differenzierten Blick auf die Transformation medialer Agency im Kontext der Digitalisierung und Datafizierung. Nutzer*innen agieren nicht mehr nur als Rezipient*innen, sondern werden zu Datenproduzent*innen in algorithmisch gesteuerten Datenkreisläufen. Am Beispiel des Streamingdienstes Netflix wird gezeigt, wie Empfehlungsalgorithmen, Interface-Design und Plattform-Agency individuelle Handlungsspielräume sowohl eröffnen als auch begrenzen. Nutzer*innen passen sich algorithmischen Strukturen an, können diese aber auch durch reflexive und widerständige Praktiken hinterfragen und umgehen. Das Konzept der „algorithmic imaginary“ beschreibt, wie gesellschaftliche Erwartungen und Diskurse über Algorithmen die Agency der Nutzer*innen prägen. Trotz bestehender Machtasymmetrien zugunsten von Medienunternehmen bleibt Agency in datengetriebenen Medienumgebungen situativ, fluide und nicht vollständig kontrollierbar. Die kritische Reflexion dieser Dynamiken eröffnet neue Perspektiven für die Erforschung von Medienhandeln und Agency in einer zunehmend datafizierten Kommunikationslandschaft und unterstreicht die Notwendigkeit medienkompetente und kritische Nutzer*innenperspektiven in die Forschung einzubeziehen, um die Auswirkungen datafizierter Kommunikationsstrukturen umfassend zu verstehen. -
6. Sozialisation im Feld mediatisierter Rollen – Subjektwerdung und Social Media Performances
Claudia Wegener, Matthias HufgardZusammenfassungDurch die benutzerbasierte Struktur entstehen in den Sozialen Medien neue Netzöffentlichkeiten und Diskurse, in denen vielfältige, vormals private Themen nunmehr öffentlich dargestellt und verhandelt werden. So findet auch Mutterschaft, sowohl ihre individuelle Aushandlung als auch die damit verbundenen strukturellen Rahmenbedingungen, zunehmend im öffentlichen Raum der digitalen Medien statt. Neben Prominenten, die ihre Mutterschaft in den Sozialen Medien annoncieren und bebildern, thematisieren junge Mütter als Mumfluencer ihre Rolle, stellen sie in den Mittelpunkt ihrer Darstellungen, bauen Reichweiten auf und nutzen die Chancen zur Monetarisierung. Damit findet sich ein Rollenbild, das durch die Strukturen, Produktionslogiken und Affordanzen der digitalisierten Plattformen mitgestaltet ist und junge Frauen in unterschiedlichen Lebensphasen adressiert. -
7. Die Maschine „KI“ – Gesamtgesellschaftliche Herausforderung und (medien-)pädagogische Aufgabe
Thomas Hickfang, Bernd Schorb, Helga TheunertZusammenfassungDer Beitrag analysiert die gesamtgesellschaftlichen und insbesondere die medienpädagogischen Herausforderungen, die mit der Existenz „Künstlicher Intelligenz“ (KI) einhergehen. KI-Modelle werden als interaktive, zeichenverarbeitende Maschinen beschrieben, deren zunehmende Kompliziertheit, verbunden mit einer oft unreflektierten Nutzung, zu einer Vermenschlichung in der Wahrnehmung führt. Die Autorin und die Autoren erfassen KI-Modelle als Objekte der Aneignung als einerseits außerhalb des Subjektes stehende, seiner Wahrnehmung und seinem Bewusstsein äußerliche und andererseits in sein Denken und Handeln einzubettende Gegenstände. Die Medienpädagogik erhält die klare Aufgabe, die Menschen zu befähigen, KI kritisch zu reflektieren, ihre Funktionsweise zu verstehen und sie souverän und verantwortungsvoll als digitales Medium zu nutzen. Die Auseinandersetzung mit KI-Modellen bzw. deren Aneignung wird als kollektive Lernaufgabe beschrieben, die expansive Transformationsprozesse in den (medien-)pädagogischen Tätigkeitssystemen einfordert. Aufzudeckende Widersprüche und Konflikte werden als Ausgangspunkte für die Transformation identifiziert, deren Ziel eine „Kultur der Digitalität“ ist. Die Autorin und die Autoren fordern von den medienpädagogisch Handelnden, dass diese den öffentlichen Diskurs über KI stärken, Transparenz fordern und die menschliche Souveränität gegenüber der Maschine „KI“ sichern. -
8. Die Bibliothek von Babel: Vom Wissen zum Gewussten und die Grenzen des Computers
Friedrich KrotzZusammenfassungDie Geschichte der „Bibliothek von Babel“, die der argentinische Schriftsteller Jorge Luis Borges 1940 veröffentlicht hat, eignet sich, um zu zeigen, dass die mathematisch/formallogische Konstruktion von schriftlichen Texten auf Basis des Alphabets im Gegensatz zur sinngeleiteten Konstruktion durch Menschen zu absurden Ergebnissen führen kann. Diese Argumentation lässt sich auf die heutigen LLMs übertragen, auch wenn die ganz anders funktionieren: Sie konstruieren kein Wissen, sondern nur kontextabhängiges, situatives und personalisiertes Gewusstes. Sie stellen so eine Grundkategorie menschlicher Handlungen, Denkvorgänge und Interpretationen in Frage, mit gefährlichen Folgen. Dies führt weiter zu der These, dass wir anstatt einer Digitalisierung mit von Computerprogrammen gebildeten Satzketten eine Digitalisierung brauchen, die von den Menschen kontrolliert wird, die sie benutzen und die ihnen dient. Dann kann die digitale Transformation gegen die derzeit vorherrschenden Digitalunternehmen und deren Gewalt in generationenübergreifenden solidarischen Formen gestaltet werden. Dies setzt allerdings einerseits widerständige Sozialisationsprozesse der kommenden Generationen, andererseits aber auch voraus, dass sich die heutigen Erwachsenen nicht resignativ zurückziehen, sondern sich engagiert und solidarisch mit den damit verbundenen Fragen auseinandersetzen. -
9. Postdigitale Gouvernementalität und die Refiguration des Alter(n)s. Sozialisationstheoretische Perspektiven auf Bildung und biografische Bewältigung
Anja Hartung-Griemberg, Cornelia BogenZusammenfassungDas Alter rückt zunehmend in das Blickfeld der Auseinandersetzung – nicht länger als Phase des Rückzugs, sondern als Raum neuer Erwartungen, Anforderungen und Normierungen. Der Beitrag verortet das Alter(n) im Spannungsfeld postdigitaler Transformation, die neue Leitbilder und Formen der Vergesellschaftung prägt. Ausgehend von einer sozialisationstheoretischen Perspektive kontextualisiert er Gesundheit, Kompetenz und soziale Netzwerke in ihrer Bedeutung für die Handlungsfähigkeit im höheren Lebensalter. Exemplarisch wird das ambivalente Verhältnis zwischen technischer Ermöglichung und normativer Funktionalisierung anhand aktueller Entwicklungen wie Granfluencing, KI-gestützter Assistenzsysteme oder medienpädagogischer Bildungsangebote beleuchtet. Im Zentrum steht die Frage, inwiefern diese Kontexte einer biografischen Selbstermächtigung dienen oder vielmehr in eine gouvernementale Logik eingebettet sind, die Selbstsorge, Anschlussfähigkeit und Selbstoptimierung zur Voraussetzung für Teilhabe machen. In der Zusammenschau plädiert der Beitrag für ein Bildungsverständnis, das älteren Menschen nicht nur Zugang, sondern auch Deutungshoheit über ihre Rolle in der postdigitalen Gesellschaft eröffnet.
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Spezifische Forschungsfelder
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10. Design im Alltag Heranwachsender. Sozialisation und Teilhabe in automatisierten Medienumgebungen
Christine LinkeZusammenfassungDer Beitrag beleuchtet die Rolle von Design im Alltag Heranwachsender unter den Bedingungen digitaler und automatisierter Medienumgebungen. Ausgehend von einer interaktionistischen Perspektive auf Sozialisation wird aufgezeigt, wie sich Prozesse der Selbstwerdung im Spannungsfeld zwischen familialen, peerbezogenen und medialen Sozialisationsinstanzen sowie medialer Selbstsozialisation vollziehen. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie gestalterische Prinzipien digitaler Plattformen Identitätsbildung und soziale Teilhabe strukturieren. Der Beitrag diskutiert das gestalterische Potenzial aktiver Medienproduktion ebenso wie die ambivalente Wirkung automatisierter Designmechanismen, die Teilhabe ermöglichen, aber auch Konsumverhalten und Aufmerksamkeitsökonomien steuern. Abschließend werden forschungspraktische Implikationen für alltagssensible und partizipative Zugänge skizziert, die das Wechselverhältnis von Design, Sozialisation und Handlungsmacht in digitalen Kontexten weiter erschließen können. -
11. „Das Erste, was man sieht, sind diese muskulösen Körper“ – Mediensozialisation und algorithmisierte Körperbilder auf Social Media
Maria Schreiber, Marius LiedtkeZusammenfassungKörperbilder auf Social Media und die dazu gehörigen Medienfiguren sind ständig im Alltag präsente Sozialisationsagenten. Sie sind zudem in hohem Maße situiert und mit Plattformaffordanzen, -kulturen und -trends sowie gesellschaftlichen Darstellungskonventionen und Machtverhältnissen verwoben. User:innen begegnen ihnen auf unterschiedlichste Art, durch gezieltes Suchen, Followen, aber viel öfter noch durch algorithmische Sortierung und Empfehlungen. Die Bedeutung und Relevanz von Körperbildern kann sich dabei in der alltäglichen Medienpraxis sehr unterschiedlich gestalten. Der vorliegende Beitrag identifiziert auf Basis von Interviews und autoethnografischen Feldnotizen von jungen Erwachsenen unterschiedliche Modi der Bezugnahme zu Körperbildern auf Instagram, YouTube und TikTok im Kontext von Gesundheit und Wohlbefinden. Dabei werden vielschichtige Begegnungen mit Bildern rekonstruiert, und gefragt, wie diese von den Teilnehmenden vor dem Hintergrund algorithmisierter Medienumgebungen für den eigenen Lebenskontext nutzbar gemacht werden. -
12. Kompetenzen im Umgang mit Künstlicher Intelligenz in medialen Umwelten
Niels BrüggenZusammenfassungUm gesellschaftliche Handlungsfähigkeit in einer von Medien geprägten Lebenswelt zu erreichen gilt, Medienkompetenz als notwendige Schlüsselkompetenz. Doch gilt diese Prämisse gleichfalls, wenn heute Medien auch mit Künstlicher Intelligenz durchdrungen sind, die (nicht nur, aber auch) Einfluss auf die Auswahl von Inhalten nimmt und die Reichweite kompetenten Handelns möglicherweise beschränkt? Der Beitrag setzt sich mit der Frage auseinander, wie eine kompetenzbezogene Betrachtung des Umgangs mit KI konzipiert werden kann und welche Kompetenzdimensionen dabei eine Rolle spielen. Dabei greift er konzeptionelle und empirische Arbeiten aus dem Projekt „Digitales Deutschland | Monitoring der Digitalkompetenz der Bevölkerung“ auf, in dem die Kompetenzanforderungen durch den digitalen Wandel untersucht werden. -
13. Subjektive Alltagstheorien und die Aneignung von KI-bezogenen Kompetenzen im Erwachsenenalter
Laura SūnaZusammenfassungIm Fokus des Beitrags steht die Frage, wie Menschen im Erwachsenenalter Kompetenzen erwerben, um mit KI-Technologien bedürfnisgerecht und verantwortungsvoll umgehen zu können. Subjektive Alltagstheorien als Annahmen und Vorstellungen darüber, was in etwa (KI-)Technologie ist, was sie de facto kann und was sie leisten können sollte, tragen zur Aneignung von KI-bezogenen Kompetenzen bei. Im Umgang mit KI-Technologien erleben Subjekte zudem Kompetenzanforderungen, die sie an sich stellen sowie die die Gesellschaft an die Subjekte richtet. Anhand einer qualitativen Studie wird aufgezeigt, welche subjektiven Alltagstheorien über Technologien der Automatisierung Menschen im Erwachsenenalter entwickeln. Sie weisen des Weiteren elaborierte Bewältigungsstrategien auf, wenn es um die Kompetenzanforderungen der Datensouveränität geht. Diese Strategien reichen von pragmatischer über resignierter bis zu kreativer Nutzung. -
14. Alltagstheorien zur technischen und ökonomischen Einbettung von Smart-Home-Technologien
Tim Hector, Niklas StrüverZusammenfassungDer vorliegende Beitrag untersucht, welche Alltagstheorien die Nutzer*innen der Geräte über deren Funktionsweise in Interviews präsentieren, insbesondere mit Blick auf Datenverarbeitung und -verwertung. Alltagstheorien verstehen wir dabei als selbst entwickelte Annahmen über die Funktionsweise der Geräte, deren Sensor- und Datenpraktiken, Algorithmen sowie die Beteiligung anderer Menschen ,im Hintergrund‘. Wir erarbeiten dies auf Basis des „Folk Theory“-Konzepts. Damit wird ein epistemologischer Zugriff auf das Alltagshandeln ermöglicht. Mit diesem Vorgehen lässt sich Transparenz über Annahmen der Nutzer*innen herstellen und somit hinter die Kulissen der Medienaneignung schauen, sodass ein vertieftes Verständnis kultureller Dynamiken und Dynamiken der Mediensozialisation entstehen kann. Wir erarbeiten vier Themenfelder (Funktions- und Bedienweise, individualisierte Werbung, Datenverarbeitung, -aus- und verwertung sowie die Geschäftsmodelle der Anbieter). Während von den Nutzer*innen selbst wahrgenommene Prozesse als Ankerpunkte für Wissen herangezogen werden, bleiben Aspekte der Datenverarbeitung häufig intransparent und sind Gegenstand von Nichtwissen. -
15. Wie leben in der Smart City? Gegenwart und Zukunft von Sozialisationsprozessen in der smarten Umgebung Stadt
Peter GentzelZusammenfassungDer Beitrag beleuchtet Aspekte der Mediensozialisation in der smarten Umgebung Stadt. Im Zentrum stehen dabei kritische Analysen der kommunikativen Konstruktion der Smart City sowie der Gestaltungs- und Umsetzungspraxis städtischer Digitalisierungsprojekte in Deutschland. Im ersten Teil wird die Frage nach der Bedeutung einer datafizierten, von digitalen Informations-, Kommunikations- und Medientechnologien durchdrungenen städtischen Umwelt für Sozialisationsprozesse auf konzeptioneller Ebene erörtert. Mediensozialisation in der emergierenden smarten Stadt wird dabei analytisch in die Dimensionen Praktiken sozialräumlicher Transformationsprozesse und mediale Aneignung des städtischen Raums unterschieden und durch Befunde aus unterschiedlichen sozialwissenschaftlichen Disziplinen konturiert. Im Mittelpunkt des zweiten Teils stehen Fragen der Gestaltungspraktiken und Imaginationen der smarten Umgebung Stadt im Hinblick auf Öffnung und Schließung, Vielstimmigkeit und Selektivität. Zunächst wird exploriert, welche Akteure und Inhalte im nationalen Kontext das Entwicklungsziel „Smart City“ diskursiv prägen. Anschließend wird anhand von Expert:inneninterviews skizziert, wie Akteure aus Politik und Verwaltung, Privatwirtschaft und Civic-Tech die gegenwärtige Transformation deutscher Städte beschreiben und bewerten. -
16. Herausforderungen der Mediensozialisation durch mediatisierte Vergemeinschaftungen
Johannes Gemkow, Anneke Elsner, Sonja GanguinZusammenfassungSoziale Beziehungen und die Vergemeinschaftung beeinflussen die Sozialisation in der Jugend maßgeblich. In diesem Zusammenhang kann argumentiert werden, dass der Wandel der Vergemeinschaftungsformen, insbesondere durch soziale Medien, die Bedingungen der Sozialisation verändert, indem neue soziale Praktiken und Normen entstehen. In diesem Zusammenhang diskutiert der vorliegende Beitrag besonders die möglichen Herausforderungen durch Intermediäre sowie mögliche Risiken für bestehende aber auch neu gewonnene Beziehungen, in sozialen Netzwerken. -
17. „Ich hab mir übrigens gerade ein Bier aufgemacht! Nehmt das, ihr Kataris“ – Ko-Orientierung während der Fußballweltmeisterschaft in Katar 2022
Felix Krell, Jörg-Uwe Nieland, Johannes Czech, Udo GöttlichZusammenfassungDieser Beitrag untersucht die Ko-Orientierung von Fußballfans während der Fußball-WM 2022 in Katar im Kontext der Second-Screen-Nutzung. Die Analyse der Social-Media-Inhalte bietet Einblicke in die Aushandlungsprozesse von Fanidentitäten unter den Bedingungen des nach-pandemischen Sporterlebens und der Kommerzialisierung des Fußballs. Die Studie zeigt eine deutliche Ko-Orientierung bei Teilen des Publikums, wobei Online-Kommentare parallel zur Übertragung und überwiegend kritisch verfasst wurden. Das für die Navigation auf Fußball-Twitter erforderliche Wissen wird als Teil der mediatisierten Medienrezeption betrachtet, in der Fans eine virtuelle Stadionatmosphäre schaffen. Statt einer einheitlichen Online-Protestbewegung zeigt sich eine weitere Fragmentierung der Fangruppen, verstärkt durch die Logik sozialer Medien. Die Untersuchung beleuchtet die komplexe Dynamik der digitalen Fanpartizipation und deren Auswirkungen auf die Fankultur.
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- Titel
- Mediensozialisation in „smarten“ Umgebungen
- Herausgegeben von
-
Laura Sūna
Wolfgang Reißmann
- Copyright-Jahr
- 2026
- Electronic ISBN
- 978-3-658-50216-4
- Print ISBN
- 978-3-658-50215-7
- DOI
- https://doi.org/10.1007/978-3-658-50216-4
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