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06.10.2017 | Mifid II | Im Fokus | Onlineartikel

Wenn sich endlich der Vorhang öffnet

Autor:
Eva-Susanne Krah

Die Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente, Mi€fid II genannt, hält Banken und Sparkassen in Deutschland unter Spannung. Künftig müssen sie die Kosten für Vertrieb und Handel von Wertpapieren offenlegen. 

Am 3. Januar 2018 tritt die novellierte Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente in Kraft, auch Mifid II genannt. Abgerundet werden die neuen Vorgaben durch die begleitende Markets in Financial Instruments Regulation (Mifir). Durch die Vorgaben aus Mifid II könnte das Produktangebot für Retailkunden deutlich schrumpfen. Die Finanzberatung sollte aber auch einfacher und transparenter werden. 

Mehr Effizienz und Transparenz

Das Reformpaket ist Bestandteil der europäischen Finanzmarktregulierung. Es soll Effizienz, Integrität und Widerstandsfähigkeit der Märkte verbessern und die Voraussetzungen für alle Teilnehmer am Finanzmarkt harmonisieren. Die Brüsseler Aufseher zielen laut Bankmagazin-Autor Stefan Terliesner darauf ab, die europäischen Konsumenten bei ihren Finanz- und Anlageentscheidungen besser zu schützen, schreibt er im Titelbeitrag der Oktober-Ausgabe der Zeitschrift (Seite 13).

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01.10.2017 | Titel | Ausgabe 10/2017

Wenn sich endlich der Vorhang öffnet

Die Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente, Mifid II genannt, hält Banken und Sparkassen in Deutschland unter Spannung. Künftig müssen sie die Kosten für Vertrieb und Handel von Wertpapieren offenlegen. Dadurch könnte das Produktangebot für …

Ein zentraler Punkt in den Regelungen sind beispielsweise verschärfte und teils ganz neue Aufzeichnungspflichten, die zu einer höheren Transparenz beim Handel und Vertrieb von Wertpapieren führen sollen. Zuwendungen von Dritten an Finanzinstitute gegenüber Retailkunden sollen offengelegt und gegebenenfalls sogar verboten werden. Das gilt „sowohl vor der Dienstleistungserbringung als auch während der Laufzeit der Anlage“, zitiert Bankmagazin-Autor Stefan Terliesner in seinem Titelbeitrag der Ausgabe 10/2017 Dirk Auerbach, Partner und Leiter des Bereichs Financial Accounting und Advisory Services bei Ernst & Young (EY). Problematisch sind zum Beispiel Investmentinformationen, die den Kunden von Banken und Sparkassen bisher kostenfrei zur Verfügung stehen. Der Gesetzgeber sieht hierin einen Interessenkonflikt, denn Fondsgesellschaften könnten etwa im Gegenzug für ihre kostenlos veröffentlichten Studien und Analystenmeinungen den produktvertreibenden Geldhäusern ihr Transaktionsgeschäft überlassen. Ein weiteres Ziel für mehr Transparenz im Handel sei, dass clearingfähige Derivate an organisierten Plattformen gehandelt werden müssen, erklärt Auerbach. Eine Umfrage von Bankmagazin bei verschiedenen Kreditinstituten im August 2017 hatte gezeigt, dass die Geldhäuser sich mit der rechtzeitigen Umsetzung der vielfältigen Mifid II-Anforderungen schwer tun, aber auch vor unterschiedlichen Herausforderungen stehen. Dennoch sind die Maßnahmen bei den meisten Instituten in vollem Gange. Eine Erhebung der Beratungsgesellschaft PPI von Januar 2017 unter 50 deutschen Instituten zur Mifid-II-Readiness machte deutlich, dass ein Jahr vor dem Anwendungsstart allerdings fast jedes zweite dem eigenen Zeitplan hinterherlief. Und laut PPI rechnen zum Beispiel 63 Prozent der Geschäfts- und Privatbanken damit, dass durch Mifid II ihre Geschäftsmodelle eingeschränkt werden könnten oder Einnahmen wegbrechen.  

IT und Prozesse stehen im Mittelpunkt

Vor allem die Konsequenzen der neuen Regeln auf IT und Prozesse stehen bei den Geldhäusern im Mittelpunkt. Während die Deutsche Bank unter anderem etwa auf ein integriertes Berichtssystem setzt, um Daten im Rahmen der ausgedehnten Handelsplatzpflicht unter Mifid II europaweit zu konsolidieren und deren Qualität zu verbessern, haben Direktbanken wie die INGDiba vor allem im Blick, ihre Prozesse bei Privatkunden im Hintergrund möglichst einfach zu gestalten. Die Commerzbank hingegen will vor allem die Digitalisierung nutzen, um die neuen Regeln umzusetzen, die bis in die Vertriebsabläufe der Geldinstitute hineinreichen. Bei der Wertpapierberatung hat die Bank die Vorgaben bereits in die neue Multikanalplattform "One" integriert. Über die Plattform können die gesetzlichen Vorgaben erfüllt werden, wonach Telefonate und elektronische Kommunikation im Rahmen von Kundenberatungen, etwa Chats und E-Mails, die mit einem Kundenauftrag in Verbindung stehen könnten, aufgezeichnet werden müssen. Unerheblich ist dabei, ob es am Ende zu einem Geschäftsauftrag kommt oder nicht. Vor allem Häuser mit einem großen Dienstleistungs- und Produktspektrum trifft die Regulierung in vollem Umfang, meint Wolfgang Schlaffer, Partner bei der Management-Beratungsgesellschaft Zeb. 

Kompakt
  • Die Regelwerke Mifid II und Mifir werden die Kreditwirtschaft nachhaltig verändern.
  • Die neuen Vorgaben zwingen die Anbieter zur Straffung ihrer Produktpalette.
  • Die individuelle Geldanlage wird nur noch vermögenden Kunden zur Verfügung stehen.
Quelle: Bankmagazin-Ausgabe 10 | 2017, Seite 13

Die Kreditinstitute stehen laut Terliesner daher vor der Aufgabe, die Produktangebote mit ihrem Beratungsmodell in Einklang zu bringen. Eine direkte Konsequenz zeigt sich Terlieser zufolge bei vielen Banken im klassischen Wertpapiergeschäft. Denn insbesondere im Massenmarkt stellten die Geldhäuser auf weniger und einfachere Produkte um. Mehr Auswahl und eine maßgeschneiderte Beratung erhielten eher vermögende Kunden. Insofern wirkt Mifid II auch auf den Wettbewerb in der Finanzwirtschaft: er wird sich im Anlagegeschäft­ noch verschärfen.

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