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19.07.2018 | Mifid II | Nachricht | Onlineartikel

Wo die Genossen Nachbesserungen wollen

Autor:
Stefanie Hüthig

Der BVR nutzte die Vorstellung des konsolidierten Jahresabschlusses für die Finanzgruppe, um deutliche Kritik an politischen Entwicklungen zu üben. Außerdem fordert der Verband Erleichterungen bei Mifid II und Verschärfungen bei Staatsanleihen in den Bankbüchern.

Die genossenschaftliche Finanzgruppe hat 2017 ein konsolidiertes Vorsteuerergebnis von 8,9 Milliarden Euro erzielt. Das entspricht einem Plus von 7,3 Prozent, wie der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) bekanntgab. Auffällig ist der um 8,9 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro gestiegene Provisionsüberschuss, der auf die Suche der Kunden nach renditereicheren Geldanlagen zurückzuführen ist, wenn zugleich auch die Kundeneinlagen um 3,5 Prozent auf 801 Milliarden Euro zulegten. Für 2018 erwartet der Verband ein Ergebnis, das leicht unter dem Wert des Geschäftsjahres 2017 liegen wird.

Staatsanleihen in Bankbilanzen stärker berücksichtigen

BVR-Präsidentin Marija Kolak nutzte die Vorstellung der Zahlen, um der Politik die Leviten zu lesen. Die Verbandschefin fordert weniger Ich-Bezogenheit, ein starkes Europa und eine bessere Konsolidierung der öffentlichen Haushalte. Sie will außerdem Risiken von Staatsanleihen in Bankbilanzen stärker berücksichtigt sehen: "Geschehen könnte dies durch eine quantitative Obergrenze und eine im Start maßvolle Eigenkapitalunterlegung, die greift, wenn Schwellenwerte überschritten werden."

Die Finanzgruppe weist nach Verbandsangaben erstmals ein bilanzielles Eigenkapital von über 100 Milliarden Euro aus. Es erhöhte sich 2017 vor allem aus einbehaltenen Gewinnen um sechs Prozent auf 104,4 Milliarden Euro, wovon 87 Prozent auf die Primärinstitute entfallen. Die Kernkapitalquote wuchs leicht und betrug zum Meldestichtag 15,6 Prozent.

Mifid II verärgert die Kunden

Keine guten Erfahrungen kann der Verband von der Anwendung der seit Anfang 2018 geltenden Finanzmarktrichtlinie Mifid II berichten. Die neuen Vorgaben führten bei den aktiveren Kunden vielfach zur Verärgerung, sie fühlten sich vom Gesetzgeber gegängelt, moniert BVR-Vorstandsmitglied Gerhard Hofmann. In der Kritik stehen insbesondere die Sprachaufzeichnung und die Verzögerung der Orderprozesse durch die Pflicht, umfangreiche Informationsmaterialien zur Verfügung zu stellen. Notwendig sei eine unvoreingenommene Evaluierung von Mifid II und Mifir durch die Europäische Kommission.

Ambivalent sieht der BVR die Brüsseler Bemühungen um ein nachhaltiges Finanzwesen. Gewarnt wird vor einer Bevorzugung grüner Investments beim Eigenkapital, die unter Risikogesichtspunkten nicht gerechtfertigt sei, und vor einer Benachteiligung traditioneller Produkte. So könne beim derzeitigen Wortlaut ein Sparbuch nicht das geplante positiv besetzte Nachhaltigkeitssiegel erhalten.

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01.06.2018 | Schwerpunkt | Ausgabe 6/2018

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