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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Migration, Geschlecht und Staatsbürgerschaft Einleitung

Migration, Geschlecht und Staatsbürgerschaft Einleitung

Zusammenfassung
In diesem Sammelband geht es um Rassismus und politische Solidarität insbesondere unter Frauen aus feministischer Sicht anhand der Asyl-, Zuwanderungs-und Ausländerpolitik in der Bundesrepublik Deutschland.
Bettina Roß

Geschlecht und Ethnizität in Kontexten

Frontmatter

„Die Mädels mit den Kopftüchern, die sind auf jeden Fall noch nicht so emanzipiert in ihrer Kultur“

Zu Konstruktionen von ‚Geschlecht‘ und ‚Ethnizität‘ bei weiblichen Industriebeschäftigten
Zusammenfassung
Vergesellschaftung spielt sich in so genannten modernen Gesellschaften zu einem guten Teil in der Sphäre der Erwerbsarbeit ab. Dies gilt für Autochthone ebenso wie für Zugewanderte, für Männer seit langem und für Frauen in zunehmendem Maße.1 Während andere Beiträge dieses Buches auf (staats-bürger-)rechtliche Fragen, ausgewählte Politikfelder und spezielle soziale Kontexte eingehen, die sich vorwiegend jenseits von Betriebstoren manifestieren, möchte ich in meinem Beitrag einige Aspekte vorstellen, die im Kontext eines bestimmten Erwerbsarbeitsumfeldes situiert sind. Dabei greife ich auf empirisches Material zurück, das im Zuge eines Länder vergleichenden Forschungsprojektes zu Migration und Interkulturalität in Spanien, Großbritannien und Deutschland erhoben wurde.2 Während die Gesamtstudie die jeweiligen migrationshistorischen Kontexte und aktuellen gesellschaftlichen Diskurse zu Einwanderung und Interkulturalität skizziert sowie sämtliche quantitativen und qualitativen Ergebnisse aus Erhebungen in Industriebetrieben aller drei Länder präsentiert3, möchte ich mich hier mit einer MikroPerspektive noch einmal einem einzelnen der geführten Gruppeninterviews intensiver widmen. Ausgewählt habe ich ein Interview mit vier deutschen Frauen, darunter eine Auszubildende, und einer türkischen Frau, die in einem nordwestdeutschen Betrieb der Autoindustrie arbeiten. Mindestens zwei der Frauen -eine der deutschen und die türkische -sind außerdem Mütter. Meine konkreten Fragestellungen lauten: Wie sprechen Frauen aus einer „interkulturelΓ zusammengesetzten Belegschaft über das, was Multi-oder Interkulturalität genannt wird? Welche Konstruktionen von ‘Ethnizität’ und Geschlecht manifestieren sich darin? Welche Grade von ‘Verstehen’ sind interpretierbar?
Renate Bitzan

Der internationale Frauenhandel als Migrationschance? Neue Perspektive auf Handlungsstrategien migrantischer Sexarbeiterinnen in der deutschpolnischen Grenzprostitution

Zusammenfassung
Der vorliegende Artikel beschäftigt sich mit dem Spannungsfeld von sexueller Ökonomie, sozialem Geschlecht und dem Verlauf der Migrationsprozesse von Frauen aus postsowjetischen Republiken nach Westeuropa.1 Einen bisher wenig thematisierten Kristallisationspunkt dieses Spannungsfeldes erkenne ich im Phänomen der Grenzprostitution in der deutsch-polnischen Grenzregion Viadrina, die sich grenzüberschreitend zwischen Frankfurt/Oder und Slubice darstellt. Die Gewalt in dessen lokalen Machtverhältnissen dringt derzeit in einer Weise an die Öffentlichkeit, in der Sexarbeiterinnen reduzierend als ohnmächtige Opfer eines internationalen Frauenhandels dargestellt werden. Es ist mir ein Anliegen, diese Sichtweise zu hinterfragen, da sie die zugrunde liegenden Machtverhältnisse und die Lebenssituation der Frauen vereinfacht und in eine einseitige Position drängt. Meiner Meinung nach werden Individuen durch solche Viktimisierungsdiskurse entmächtigt. Ziel ist daher, eine sensiblere Perspektive zum gängigen Diskurs über Frauenhandel und Grenzprostitution anzubieten, indem Handlungsmöglichkeiten migrantischer Sexarbeiterinnen erörtert werden.
Agnieszka Zimowska

Leistungsfähig, männlich, weiß Bevölkerungspolitik im Zeitalter der Reproduktionsmedizin

Zusammenfassung
Bevölkerungspolitik im Sinne eines geplanten, methodischen Eingriffs in das generative Verhalten von Bevölkerungen wird heute sowohl von einzelnen Staaten gegenüber der eigenen Bevölkerung als auch gegenüber der Bevölkerung anderer Staaten praktiziert. Sie ist nicht nur fester Bestandteil internationaler und nationaler Politik, sondern hat in Folge des Konsenses von Kairo auch eine neue öffentliche Legitimation erlangt. Wie alle anderen Politikfelder wird auch Bevölkerungspolitik maßgeblich von den Interessen der Hauptakteure bestimmt. Im Bereich der Bevölkerungspolitik gehören dazu sowohl einflussreiche private Organisationen, die häufig von Industriellen unterstützt werden, internationale Organisationen wie die UNO oder die Weltbank und nationale Regierungen als auch zahlreiche reformerische Bewegungen und religiöse Gruppen (vgl. Mertens 1998: 156f.). Zu den von ihnen verfolgten Interessen zählen vor allem die Aufrechterhaltung des kapitalistischen Wirtschaftssystems und die Ausdehnung des eigenen Einflussbereiches, die Sicherung von Ressourcen, die Entwicklung neuer Technologien, die „Optimierung“ der Bevölkerung, die Kontrolle der Gebärfähigkeit von Frauen und der Erhalt der natürlichen Umwelt (vgl. Schneider 2000: 10). Nach Aufnahme der zentralen Forderungen der Frauengesundheitsbewegung in das Abschlussdokument der jüngsten Weltbevölkerungskonferenz 1994 in Kairo verbleibt nur noch ein kleiner Teil von Kritikerinnen, die Bevölkerungspolitik und das ihr zugrundeliegende Dogma der „Überbevölkerung“ noch immer als eine Strategie zur Aufrechterhaltung eines auf westlichen Werten basierenden, männlich dominierten kapitalistischen Weltsystems grundsätzlich ablehnen.
Antje Schulz

Migration und Staatsbürgerschaft in Deutschland

Frontmatter

Die aktuelle Zuwanderungspolitik

Zusammenfassung
Sprache ist verräterisch. Wenn mit dem Übergang von einer „Ausländerpolitik“ zu einer „Zuwanderungspolitik“ Ende der neunziger Jahre vielleicht tatsächlich der viel beschworene Paradigmenwechsel in Gang gesetzt wurde, so ist sie aber doch keine Einwanderungspolitik. Vor der Endgültigkeit, Unumkehrbarkeit der Einwanderung scheut sich auch die neue Politik; die halbherzige Rede vom „Zuwandern“ trägt noch immer die Option eines Bleibens auf begrenzte Zeit in sich. Die deutsche Sprache hält einen erstaunlichen Vorrat an Nuancierungen bereit, mit denen das Gesagte zum Euphemismus wird.
Veronika Kabis

Frauen und Asyl Geschlechtsspezifische Fluchtgründe im deutschen Asyl-und Ausländerrecht

Zusammenfassung
Bis heute finden in Deutschland geschlechtsspezifisch verfolgte Mädchen und Frauen kaum ausreichenden asyl-und ausländerrechtlichen Schutz. Im Folgenden zeige ich, dass dies aus zwei Gründen der Fall ist: Erstens liegen dem deutschen Asyl-und Ausländerrecht und insbesondere seiner gängigen Interpretation sexistische Annahmen zugrunde. Zweitens führt das vorherrschende Konstrukt exklusiver deutscher Identität zu einem weitverbreiteten Rassismus, der sich in den Programmen und Politiken der meisten Parteien widerspiegelt und eine entsprechende Änderung des Asyl-und Ausländerrechts bis heute verhindert hat.
Heike Brabandt

Bewegungsfreiheit als Privileg

Zusammenfassung
Sie sind unsichtbar -und doch von enormer Bedeutung für das alltägliche Leben von Flüchtlingen. Keine Mauer, kein Stacheldraht, keine weiße Linie markiert die Landkreisgrenzen. Grenzen, die Flüchtlinge innerhalb Deutschlands in bestimmten Regionen einschließen und vom gesellschaftlichen und politischen Leben ausschließen (sollen).
Susanne Köhring

Vom Mythos der „Ausländerkriminalität“ — MigrantInnen im deutschen Recht

Überlegungen zu einer kritischen Rechtswissenschaft
Zusammenfassung
Kriminalität ist männlich. Im Zuge der Anwerbung von so genannten „Gastarbeitern“ seit den sechziger Jahren geriet auch die Kriminalität der Migranten in den Blickpunkt der Kriminologinnen. Schon damals hatte die ausländische Bevölkerung eine andere Zusammensetzung als die deutsche Bevölkerung. Für die Rechtswissenschaften ist der vergleichsmäßig höhere Anteil junger Männer von Bedeutung, die unabhängig von der Nationalität die kriminologisch am höchsten belastete Gruppe darstellen. Immer mehr ausländische Männer gerieten schnell in den Blickpunkt der Kriminologie und des Strafrechts.
Stephanie Schmoliner

Anforderungen und Perspektiven eines nicht-rassistischen Feminismus und solidarischer Interkulturalität

Frontmatter

„…ohne Angst verschieden sein…“ Aspekte einer feministisch-pluralistischen Staatstheorie am Beispiel osteuropäisch-jüdischer Zuwanderung nach Deutschland

Zusammenfassung
In meinem Beitrag werde ich das Themenfeld Staatsbürgerschaft -Migration -Minderheit aus der Sicht feministischer Staats-und Gesellschaftstheorie beleuchten, wie sie im hiesigen (nichtjüdisch dominierten) kulturellen Kontext bislang entwickelt wurde: Wie lassen sich angesichts deutscher Staatstradition, deren dezidiert homogen-ethnische Nationalismusvariante letztlich der Schoa2 den Weg ebnete, antirassistische und tendenziell multikulturalistische feministische Staatsansätze formulieren, die Judentum und Antisemitismus angemessen reflektieren?
Birgit Seemann

Diversity Management als Instrument für feministische und antirassistische Praxen?

Zusammenfassung
Dieser Beitrag soll ein Instrument vorstellen und kritisch diskutieren, das für sich in Anspruch nimmt, Differenz positiv aufzunehmen und zur Überwindung der Unterrepräsentanz von Frauen, Angehörigen ethnischer Minderheiten und Vertreterinnen anderer gesellschaftlicher Gruppen beizutragen. Diversity Management ist ein Begriff, der in den letzten fünf Jahren Einzug in die bundesdeutsche Diskussion über Gleichstellungspolitik, Antidiskriminie-rungspolitik und Praxisansätze zur Überwindung von Rassismus gefunden hat. Für die einen bedeutet dieser Ansatz Hoffnung auf wirkliche Überwindung von Diskriminierung und Chancenungleichheit, für andere aber ist er wieder nur ein Modetrend, der nicht in der Lage sein wird, die bestehenden Probleme von Diskriminierung tatsächlich zu lösen.
Nils Pagels

Geschlecht, Migration und Bürgerschaft

Zusammenfassung
Dieser Beitrag bezieht sich in erster Linie auf die Nachkriegsmigration nach Europa und die Forschung zu Geschlecht und Migration. Ich werde einen kurzen Überblick zu Forschungsansätzen geben und dann auf ein aktuelles Forschungsgebiet über qualifizierte Migrantinnen eingehen. Ein besonderes Augenmerk richte ich dabei auf die Rolle, die ‘Agency’ oder Handlungsfähigkeit in den Forschungsansätzen spielt.
Umut Erel

„Lohn für Hausarbeit“ revisited! Die Aufbereitung einer Kampagne für das Recht auf Mobilität

Zusammenfassung
Celina ist 27 und vor einem Jahr nach Hamburg gekommen. Drei von ihren vier Kindern leben bei ihren Eltern in Ecuador, wo sie als Büroangestellte arbeitete. Mit der Frage der Migration hat sie sich befasst, als ihre Ehe unmöglich geworden ist. Ihre jüngere Schwester lebt seit längerem illegal in Deutschland und verdient ein gutes Einkommen als transsexuelle Prostituierte auf der Reeperbahn. Sie bestärkt Celina in dem Gedanken zu ihr zu kommen. Als Celina feststellt, dass sie von ihrem Freund schwanger ist, beschließt sie ihren Ehemann endlich zu verlassen und zu ihrer Schwester nach Deutschland zu fliegen. Sie leiht sich von ihr Geld für das Ticket und setzt sich, im zweiten Monat schwanger, ins nächste Flugzeug nach Hamburg. Ihre Schwester nimmt sie in ihrer kleinen Zweizimmerwohnung in einem Hochhaus in St. Pauli auf, ein Zuhause, das sie mit weiteren sieben illegalen Migrantinnen aus Ecuador teilt. Einen Tag später wird ihre Schwester bei einer Routinekontrolle der Polizei auf dem Strich aufgegriffen und verhaftet. Sie sitzt einige Zeit im Gefängnis und wird dann abgeschoben. Celina steht an ihrem zweiten Tag in Deutschland vor dem Problem, sich allein, ohne Geld, ohne jede Orientierungshilfe und ohne deutsche Sprachkenntnisse ein neues Leben in Hamburg aufzubauen. Eine eher unproblematische Situation für sie, denn es ist für die anderen WG-Mitbewohnerinnen selbstverständlich, Celina nicht nur weiterhin dort wohnen zu lassen, sondern ihr insgesamt zur Seite zu stehen. Mit Hilfe dieses Netzwerkes hat Celina innerhalb kurzer Zeit diverse Arbeitsmöglichkeiten.
Efthimia Panagiotidis

Horizonte der Repräsentationspolitik — Taktiken der Intervention

Zusammenfassung
Die neue bundesdeutsche Frauenbewegung war und ist wie soziale Bewegungen im Allgemeinen durchzogen von Kämpfen und Debatten, die sich vornehmlich um die Fragen des Ein-und Ausschlusses drehen: Wer soll von wem und von was befreit werden? Nachdem das Sprechen von ‘Wir-Frauen’ immer wieder deutlicher Kritik unterzogen worden ist, befindet sich die feministische Theorie und Praxis, so wird jedenfalls behauptet, in einer Krise. Eine feministische Bewegung ist nicht mehr auszumachen, obwohl feministische Stimmen immer noch vernehmbar sind. Leise vielleicht und zaghaft, doch vernehmbar. Die Fragen, die sich an diese Diagnose anschließen, sind vielfältig, und in den letzten Jahren in zahlreichen Essays und Konferenzen angegangen worden: Was hat die feministische Bewegung zum Stillstand gebracht? Wie kann die Bewegung revitalisiert werden? Soll sie überhaupt re-vitalisiert werden? Und radikaler: Hat es je eine feministische Bewegung gegeben, die es wert wäre gerettet zu werden? Je nach Perspektive fallen die Antworten auf diese für die Bewegung existentiellen Fragen sehr unterschiedlich aus.
María do Mar Castro Varela, Nikita Dhawan

Kontaktadressen: Antirassistische Gruppen und Projekte

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Kontaktadressen: Antirassistische Gruppen und Projekte

Zusammenfassung
Im Rahmen dieses Sammelbandes werden verschiedene antirassistische Vereinigungen genannt bzw. haben sich selbst an diesem Buch beteiligt. Da sie in feministischen Kreisen nicht unbedingt bekannt sind, habe ich Kontaktadressen zusammengestellt. Diese Liste ist nicht repräsentativ, nicht mal annähernd vollständig, sondern beschränkt sich auf den Kontext des Sammelbandes und auf Gruppen, die schon länger etabliert sind. Es wurde keine Gruppe mit bösen Absichten nicht aufgenommen.
Bettina Roß

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