Skip to main content
main-content

08.10.2019 | Mikromobilität | Im Fokus | Onlineartikel

Ein Milliardengeschäft mit Kleinstfahrzeugen

Autor:
Andreas Burkert

Klein ist nicht genug. Um die Elektro-Mikromobilität in Städten zu fördern, sind gänzlich neue Fahrzeugkonzepte erforderlich. Die Fahrzeuge müssen dabei nicht nur wenig Raum beanspruchen, sie müssen auch vernetzt sein.

Der Phantasie rund um die Mikromobilität für den urbanen Raum scheint keine Grenze gesetzt. Die E-Scooter, die Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer vor Kurzem genehmigt hat, um die Verkehrswende voranzubringen, gelten derzeit in der Stadt als das sichtbarste Produkt einer Verkehrswende. Dabei erheben sie nur einen kleinen, fast unbedeutenden Anspruch auf die Mikromobilität der Zukunft. Wesentlich mehr bot die Eurobike, die eigenen Angaben zufolge weltweit größte Messe für das Bike-Business. Nur wenige Tage vor der Internationalen Automobilausstellung IAA präsentierten in Friedrichshafen knapp 1.400 Aussteller ein Potpourri an urbanen Fortbewegungsmöglichkeiten. Im Mittelpunkt standen der elektrifizierte Antriebsstrang fürs Fahrrad und zahlreiche führende Automobilzulieferer. 

Empfehlung der Redaktion

2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Geschäftsmodelle entlang der elektromobilen Wertschöpfungskette

In diesem Kapitel werden Veränderungen entlang der originären Wertschöpfungskette innerhalb des Automobilmarkts betrachtet, welche mit der voranschreitenden Elektrifizierung des Antriebsstrangs einhergehen.

Das Engagement der Automobilindustrie auf der Fahrradmesse kommt dabei beiden Branche zu gute. Zum einen profitiert der Fahrradhandel von Innovationen der Automobilingenieure, wie dem elektrischen Zweiradkonzept Klement. Laut Skoda handelt es sich um ein elektrisches Zweirad für nachhaltige Mikromobilität in der Stadt, bei dem die Tretpedale durch eine Art Paspedal ersetzt wurden. Beschleunigen und bremsen lässt sich Klement genau wie bei Hoverboards über das Neigen der Fußpedale. Für die Entwicklung hat der Automobilhersteller Skoda im Übrigen die Experten von BFO Mobility ins Boot geholt.

Multimilliardenmarkt der Mikromobilität

Zum anderen profitieren die Akteure in der Mikromobilität von einem Geschäftssegment mit einem Multimilliarden-großen Volumen. Laut einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey soll der Weltmarkt für Mikromobilität bis 2030 auf bis zu 500 Milliarden US-Dollar anwachsen. Ein Blick in die Start-up-Szene zeigt, wie lukrativ das Geschäft ist. Die Unternehmensberater haben ermittelt, dass Start-ups im Micro-Mobility-Segment innerhalb kurzer Zeit fast sechs Milliarden US-Dollar an Investorengeldern eingesammelt haben. Darunter sind Anbieter von Scooter- und Bike-Sharing-Services, deren Marktwert mittlerweile mit mehr als einer Milliarde US-Dollar bewertet wird.

Auch Winfried Hermann, Verkehrsminister des Landes Baden-Württemberg und Gast der diesjährigen Eurobike, schätzt diese Art der Mikromobilität. Sie ist "zentraler Bestandteil eines Verkehrssystems der Zukunft". Ebenso das Lastenrad, das in diesem Jahr einen regelrechten Boom erlebt. "Der Markt wächst so dynamisch wie der E-Bike-Markt 2018", weiß Siegfried Neuberger, Präsident des Zweirad Industrie Verbands (ZIV). Knapp 40.000 E-Lastenräder wurden im vergangenen Jahr verkauft. Für den Einzelhandel sind Cargo-Räder mittlerweile eine erste Wahl für die Last-Mile-Fortbewegung. Das hat unter anderem auch Volkswagen erkannt. 

Cargo-E-Bike von Volkswagen

In einem gemeinschaftlichen Projekt haben Volkswagen Group Services und Volkswagen Nutzfahrzeuge mit dem Cargo-E-Bike ein elektrisches Lastenrad entwickelt, das – inklusive Fahrer – bis zu 210 Kilogramm transportieren kann. Das Cargo-E-Bike ist ein Pedelec, das mit seinem 250 Watt (48 Volt) starken Mittelmotor den Fahrer beim Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h unterstützt. Komfortabler ist allerdings das von Seat entwickelte Konzeptauto Minimó. Es ähnelt dem Renault Twizy und soll im urbanen Raum für das Carsharing genutzt werden. Die Reichweite beträgt nur 100 Kilometer. Etwa weiter denkt dabei Renault mit der Idee eines autonom fahrenden EZ-Pods. 

Der Nutzer eines multimodalen Transportsystems kann auf verschiedene Verkehrsmittel zugreifen und sie als Alternative und in Kombination zu dem ggfs. vorhandenen Privatauto auswählen. Dabei schließt das E-Carsharing die Lücke im motorisierten Individualverkehr innerhalb urbaner Zentren und ist eine Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr. Die innerstädtischen Nutzungsszenarien der Verkehrsmittel kompensieren darüber hinaus die noch kurzen Reichweiten und langen Ladezeiten von Elektrofahrzeugen. Eine natürliche Reichweitenverlängerung wird durch den Einsatz von Intercity-Zügen und -Bussen garantiert. Bei der Mikromobilität wird eine Vergrößerung der Akzeptanz von Verkehrsmitteln wie Fahrrädern, Pedelecs und Elektromotorrollern erwartet". In: Geschäftsmodelle entlang der elektromobilen Wertschöpfungskette

Das Mikromobil basiert auf dem Twizy und beansprucht nur drei Quadratmeter Grundfläche. Dabei bietet es dank einer weit öffnenden Tür einen bequemen Ein- und Ausstieg für Fahrgäste. Zusätzlich wurde eine Variante für den Gütertransport entwickelt, die zum Beispiel in Logistikzentren als auch bei der Auslieferung an Kunden zum Einsatz kommen kann. Ein weiteres Konzeptfahrzeug, das während der Olympischen Spiele 2020 zum Einsatz kommen soll, ist das iRoad, ein dreirädriges Elektroautomobil von Toyota. Wie im Report Wenn die Mobilität verrückt wird aus der MTZ 6/2019 beschrieben, ist das Personal Mobility Vehicle (PMV) bereits Teil des Verkehrsprojekts Hamo in Toyota City und Grenoble.

Solche Elektrokleinfahrzeuge sind nicht nur als Ersatz herkömmlicher Autos mit Verbrennungsmotor zu sehen, sondern vor allem auch in Ergänzung zum öffentlichen Personennahverkehr. Die Springer-Autoren Garnet Kasperk, Sarah Fluchs und Ralf Drauz sehen darin im Übrigen die Chance, Geschäftsmodelle entlang der elektromobilen Wertschöpfungskette aufzubauen. 

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

01.09.2017 | Schwerpunkt | Ausgabe 3/2017

Mikromobile und Fahrzellen

01.06.2019 | Im Fokus | Ausgabe 6/2019

Wenn die Mobilität verrückt wird

Das könnte Sie auch interessieren

07.03.2019 | Mikromobilität | Infografik | Onlineartikel

Mikromobilität wird zum Milliardenmarkt

17.09.2019 | Mobilitätskonzepte | Fragen + Antworten | Onlineartikel

Was Sie über E-Scooter wissen müssen

Premium Partner

    Bildnachweise