Wie Mitarbeiter-Benefits Fluktuationskosten senken
- 05.11.2024
- Mitarbeiterbindung
- Gastbeitrag
- Online-Artikel
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Die Wechselbereitschaft in Deutschland ist hoch: Jeder zweite Beschäftigte ist aktuell auf Jobsuche. Um Mitarbeitende zu halten, müssen Arbeitgeber auch in das Mitarbeiterwohlbefinden investieren.
Damit Mitarbeiter über sich hinauswachsen und besonders viel Leistungsbereitschaft zeigen, müssen sie entsprechend motiviert werden.
Bastian Weltjen / Getty Images / iStock
Der deutsche Arbeitsmarkt ist in Bewegung: Neun von zehn Beschäftigten sind laut einer Studie des Stellenanzeigenportals Stepstone grundsätzlich bereit, ihren aktuellen Job aufzugeben. 45 Prozent suchen demnach aktiv, weitere 47 Prozent sind zumindest offen für Angebote. Für Arbeitgeber bedeutet eine Kündigung nicht nur, ein womöglich hoch geschätztes Teammitglied zu verlieren. Auch unter finanziellen Aspekten entsteht ihnen dadurch ein Nachteil: Experten schätzen, dass ein Personalwechsel das betreffende Unternehmen bis zu 150 Prozent des Bruttojahresgehalts des scheidenden Mitarbeitenden kostet.
Diese Kosten entstehen zum einen durch direkte Ausgaben wie Gebühren für Stellenanzeigen, das Engagement von Headhuntern oder Auslagen im Bewerbungsprozess. Auch Entgeltfortzahlungen im Falle einer Freistellung oder Anwalts- und Gerichtskosten bei Rechtskonflikten zählen zu den direkten Fluktuationskosten. Hinzukommen indirekte Kosten, weil etwa durch den Weggang wichtiges Know-how verloren geht und im schlechtesten Fall zu einem Wettbewerber wandert.
Auch der zeitliche Aufwand für Austrittsgespräche, die Planung der Aufgabenumverteilung und die Vorbereitung und Durchführung von Bewerbungsgesprächen fallen ins Gewicht. Unter Umständen sorgt die Kündigung außerdem für Verunsicherung im Team, die zu Produktivitätsverlusten führen und Quiet Quitting begünstigen kann - was womöglich weitere Kündigungen nach sich zieht.
Mitarbeiterzufriedenheit beeinflusst Wechselbereitschaft
Ein effektiver Hebel, um dies zu verhindern, ist das Mitarbeiterwohlbefinden. Der Work Wellbeing in Germany-Report 2023 von Indeed zeigt, dass es 84 Prozent der Befragten wichtig ist, einen Arbeitgeber zu finden, der sich für ihr Wohlbefinden einsetzt. Investitionen in diesem Bereich haben sich als wirksam erwiesen, um die Mitarbeiterbindung bestehender Teammitglieder zu stärken: So gaben 86 Prozent der Befragten mit hohem Wohlbefinden an, im nächsten Jahr bei ihrem aktuellen Arbeitgeber bleiben zu wollen, im Vergleich zu nur 56 Prozent derjenigen, die sich unwohl fühlen.
Die Studie, für die rund 1.500 deutsche Beschäftigte befragt wurden, identifiziert das Zugehörigkeitsgefühl als größten Einflussfaktor für das Wohlbefinden am Arbeitsplatz. Damit fällt es stärker ins Gewicht als die Vergütung oder die Flexibilität der Arbeitsbedingungen. Dies unterstreicht, wie wichtig es ist, die Motivation und Zufriedenheit der Belegschaft zu fördern und nicht allein die Attraktivität für neue Mitarbeitende zu priorisieren.
Zufriedene Mitarbeitende sind produktiver
Zugleich haben nur 37 Prozent der Befragten das Gefühl, ihr derzeitiger Arbeitgeber schöpfe seine entsprechenden Möglichkeiten voll aus. Dabei würde sich das lohnen, denn: Glückliche Mitarbeitende sind auch produktiver. Im Gegensatz zu ihren weniger glücklichen Kollegen priorisieren doppelt so viele ihre Arbeit effektiv (66 Prozent versus 33 Prozent). Zudem steckt ein höherer Anteil viel Energie in ihre Aufgaben (66 Prozent versus 39 Prozent) und löst Probleme kreativ (65 Prozent versus 32 Prozent).
Zu ähnlichen Erkenntnissen kommt eine Umfrage des Finanzdienstleisters WTW unter mehr als 1.500 deutschen Beschäftigten aus dem Jahr 2022. Sie zeigt, dass die Befragten eher bereit sind, bei ihrem Arbeitgeber zu bleiben, wenn sie den Eindruck haben, er kümmere sich um ihr Wohlbefinden. Dies wiederum hat direkten Einfluss auf die Wechselbereitschaft: 78 Prozent der Beschäftigten, die sich während der Pandemie von ihrem Unternehmen unterstützt fühlten, erklärten, auch in den nächsten zwei Jahren bei diesem bleiben zu wollen.
Im Gegensatz dazu war es unter den übrigen Beschäftigten nicht einmal die Hälfte (46 Prozent). Zudem gaben 53 Prozent derjenigen, die sich von ihrem Arbeitgeber unterstützt fühlten, an, bei der Arbeit größeren Einsatz zu zeigen - im Vergleich zu nur neun Prozent der Beschäftigten, die diesen Eindruck nicht teilten. Darüber hinaus fehlten die zufriedenen Mitarbeitenden seltener: Mit 5,6 Tagen im Jahr lag ihre Fehlzeitenquote deutlich unter der der unzufriedenen Kollegen (10,1 Tage).
Gesundheitsförderung lohnt sich
Es lohnt sich für Arbeitgeber somit gleich in mehrfacher Hinsicht, in das Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden zu investieren. Neben Kommunikation, Work-Life-Balance und Stressmanagement erweisen sich hier vor allem Maßnahmen im Bereich Gesundheitsförderung als effektiv. Arbeitgeber haben dabei oft Sportangebote oder die Ergonomie der Arbeitsplätze als Mitarbeiter-Benefits im Blick. Häufig übersehen werden dagegen die Basics wie etwa Verpflegungsangebote - und das, obwohl das individuelle Wohlbefinden stark mit der Ernährung zusammenhängt.
Steigern lässt sich der Benefit durch einen steuerfreien Essenszuschuss, der gerade in Zeiten hoher Inflationsraten finanziell entlastet. Im Gegensatz zu Yogakursen, Job-Rad oder einer Mitgliedschaft im Fitnessstudio kommt diese Bezuschussung tatsächlich allen Mitarbeitenden zugute, denn essen muss jeder.
Vor dem Hintergrund des sich verschärfenden Fachkräftemangels zwingt die hohe Wechselbereitschaft Arbeitgeber, das Mitarbeiterwohlbefinden als entscheidende Größe für Loyalität und Bindung anzuerkennen. Durch gesundheitsfördernde Maßnahmen signalisieren sie ihren Beschäftigten, dass ihnen deren Wohlbefinden wichtig ist. In der Arbeitswelt von morgen müssen solche Angebote daher schlicht zum Standard werden.