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16.09.2021 | Mittelstand | Interview | Onlineartikel

"KMUs praktizieren CSR scheinbar intuitiv"

Autor:
Andrea Amerland
3:30 Min. Lesedauer
Interviewt wurde:
Marina Schmitz

hat Betriebswirtschaftslehre und Sinologie an der Universität Trier studiert und promoviert zurzeit am Lehrstuhl für Personalmanagement mit Schwerpunkt China/Asien in Göttingen.

Corporate Social Responsibility ist nicht nur eine Strategie für große Konzerne. Auch im Mittelstand hat gesellschaftliche Verantwortung ihren Stellenwert, so Martina Schmitz. Im Interview spricht die Expertin darüber, wie gut KMUs bei der CSR-Strategie aufgestellt sind.

Wie weit sind mittelständische Unternehmen in Deutschland bei den Themen Nachhaltigkeit und CSR? 

Mittelständische Unternehmen in Deutschland sind bei Nachhaltigkeit und CSR insgesamt recht gut aufgestellt, da gerade im Mittelstand ein gewisses Augenmerk auf Qualität und Langfristigkeit gelegt wird. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass Familienbetriebe darauf bedacht sind, möglichst zukunftsorientiert zu wirtschaften und daher die Grundzüge einer nachhaltigen Entwicklung feste Bestandteile ihrer unternehmerischen DNA sind. KMUs fokussieren sich oftmals besonders stark auf den Bereich des gesellschaftlichen Engagements mit einer lokalen Ausrichtung ihrer Aktivitäten. Insgesamt ist dabei interessant zu beobachten, dass viele KMUs CSR scheinbar intuitiv praktizieren, ohne zwingend etwas mit dem Begriff an sich anfangen zu können.

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Wo haben kleinere und mittelständische Unternehmen rund um CSR noch Nachholbedarf?

Nachholbedarf besteht bei der strategischen Verknüpfung und holistische Verankerung in allen Funktionsbereichen des Unternehmens, das heißt, wenn CSR über philanthropische Ansätze, wie etwa Spendengelder sammeln, hinausgeht. Oft ist das Wissen um ökologische Themen wie den Klimawandel noch unzureichend oder wird nicht in Bezug zu unternehmerischem Handeln gesetzt, obwohl diese Themen in den kommenden Jahren eine bedeutende Rolle für das Risikomanagement in Unternehmen spielen werden. Durch Gesetzgebungen im Rahmen des europäischen Green Deals, EU-Taxonomie oder des Lieferkettengesetzes wird hier künftig ein zunehmender Wandel in den Unternehmen einsetzen und die Implementierung von Umweltmanagementsystemen, Messbarkeit und strategische Verankerung befeuern.

Was sind Hürden für KMU auf dem Wege zu mehr Nachhaltigkeit und mehr gesellschaftlicher Verantwortung?

Fehlende finanzielle und personelle Ressourcen sowie mangelndes Know-how werden gerade in KMUs als zentrale Hürden genannt. Zusätzlich befürchten sie oft kommerzielle Nachteile, da Nachhaltigkeit hauptsächlich als Kostenfaktor gesehen wird. Zudem sind andere Aspekte, wie etwa fehlende Unterstützung aus der Chefetage, unter den häufig genannten Gründen.

Was müssen KMU beachten, wenn sie eine CSR-Strategie entwickeln wollenr?

Für gewöhnlich durchlaufen Unternehmen in ihrer Entwicklung hin zu mehr Nachhaltigkeit einzelne Reifegrade. In einem ersten Schritt kann eine Bestandsaufnahme einzelner Funktionsbereiche, eine Jahreszielplanung und Priorisierung oder die Gründung einer internen Arbeitsgruppe veranlasst werden. In weiteren Schritten folgen gemeinsam mit Stakeholdern eine Materialitätsmatrix beziehungsweise Wesentlichkeitsanalyse sowie eine Identifizierung und Messung von Nachhaltigkeitskennzahlen (KPIs). Diese ermöglichen die Berechnung des ökologischen Fußabdrucks oder machen das Lieferkettenmanagement transparenter.

Welche Risiken sollten Mittelständler dabei auf jeden Fall im Blick haben?

KMU sollten sich fokussieren. Wenn wir hier die 17 Nachhaltigkeitsziele, die Sustainable Development Goals, kurz SDGs, als Beispiel nehmen, ist es wichtig, dass Unternehmen die Ziele bearbeiten, die zu ihrem Kerngeschäft passen und die sie beeinflussen können. Zudem sollten sie nicht alles gleichzeitig machen wollen, sich ihres Standpunktes sowie ihrer Kapazitäten bewusst sein und mit kleinen, aber stetigen Veränderungen beginnen. Drittens sollte man sich aufgrund der erwähnten  Hürden auch von dem Gedanken verabschieden, alles möglichst im Alleingang machen zu wollen. Mittelständler können ihre gute Vernetzung untereinander nutzen, denn die Herausforderungen der nächsten Jahre werden Unternehmen nur in Kooperation mit anderen Stakeholdern lösen können.

Allgemein sehe ich ein großes Risiko darin, wie die Diskussion rund um das Thema Nachhaltigkeit angesichts der bevorstehenden Wahlen geführt wird. Die Debatte ist in großen Teilen populistisch und emotional aufgeladen. Oftmals fehlt es an fundierten Kenntnissen und neutralen Stellungsnahmen. Für Unternehmen ist es lohnenswert, sich frühzeitig mit dem Thema auseinanderzusetzen, damit wichtige Wettbewerbsvorteile gesichert und unternehmerisches Risiko minimiert werden können. Gerade in Zeiten des Umbruchs ist es besonders wichtig, dass sich KMU auf den Kern ihrer DNA besinnen, um ihren Teil zu einer Zukunft beizutragen, von der wir alle gleichermaßen profitieren können.

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