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Der Mittelstand hat ein Image-Problem

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Der Mittelstand in Deutschland ist eine wichtige wirtschaftliche Kraft. Als solche werden kleinere und mittlere Unternehmen geschätzt. Allerdings gelten KMU nicht als besonders fortschrittlich. Dieses Image ist im Recruiting ein Hemmschuh, so eine Studie.

Kleinere und mittlere Unternehmen haben in der öffentlichen Wahrnehmung eine zwiespältige Reputation zwischen einer hohen Vertrauenswürdigkeit einerseits und einer geringen Attraktivität andererseits.


Der Mittelstand steht vor besonderen Herausforderungen, so die Meinung der rund 1.500 Deutschen zwischen 16 und 79 Jahren, die für das Image-Barometer der PR-Agentur Klenk & Hoursch im Vergleich zu Großunternehmen, Start-ups und Kleinunternehmen im Januar 2024 befragt wurden.

Doch obwohl mehr als zwei Drittel (68 Prozent) die mittelständischen Betriebe als einen stabilen Wohlstandstreiber in Deutschland bezeichnen, findet nur jeder Fünfte (23 Prozent) diesen Wirtschaftssektor für aktuelle Probleme wie Inflation, Kostensteigerungen und globale Krisen gut gerüstet. Großunternehmen sehen die Befragten für die Zukunft deutlich besser aufgestellt (66 Prozent). "Die Deutschen sind skeptisch mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit dieser Unternehmen", so Daniel. J. Hanke, CEO von Klenk & Hoursch. 

KMU gelten teechnologisch als rückständig

Nur etwa die Hälfte (48 Prozent) betrachtet KMU zudem als innovativ und damit klar weniger fortschrittlich als Konzerne (56 Prozent). Auch bei der Digitalisierung schneidet der Mittelstand im Vergleich deutlich schlechter ab. Während mehr als zwei Drittel (70 Prozent) angeben, dass große Gesellschaften neue Technologien wie Künstliche Intelligenz schnell einsetzen, erwarten dies nur 31 Prozent beim Mittelstand.

Damit gelten small and medium-sized enterprises, so die englischsprachige Bezeichnung, eher als gestrig. Dieses Image wird insbesondere im Recruiting für sie zum Pferdefuß. Grundsätzlich würden mehr als die Hälfte der Befragten gerne in einem KMU arbeiten. Allerdings gilt es für kleinere Betriebe, Nachteile wie die Ansiedlung in ländlichen Regionen sowie die geringe Bekanntheit im War for talents wettzumachen. "Es mangelt den Unternehmen und ihren Aktivitäten an Sichtbarkeit - mit negativen Folgen für Reputation und Arbeitgebermarke", betont Katharina Stein, Director und Expertin für Mittelstandskommunikation bei Klenk & Hoursch.

KMU wenig divers, aber vertrauenswürdig

Erschwerend kommt hinzu, dass die Deutschen Mittelständler in Hinblick auf die Diversität eher kritisch sehen: So wird die Vielfalt in kleineren und mittleren Unternehmen als geringer ausgeprägt wahrgenommen (36 Prozent) als in Konzernen (45 Prozent) oder Start-ups (51 Prozent). Hier müssten KMU unbedingt Vorbehalte ausräumen, ihre eigenen Stärken betonen sowie gezieltes Diversitätsmanagement betreiben, um insbesondere Jüngere als Arbeitgeber zu überzeugen, empfehlen die Studienautoren.

Doch ist für den Mittelstand nicht Hopfen und Malz verloren. Denn er wird als deutlich vertrauenswürdiger wahrgenommen (52 Prozent) als etwa Jungunternehmen (36 Prozent) oder Großunternehmen (30 Prozent). Auch sehen es die Befragten positiv, wenn KMU Haltung zeigen und sich politisch engagieren, sich beispielsweise bei der Gestaltung von Gesetzen einbringen, die sie tangieren. Denn derzeit seien auf diesem Gebiet die Interessen der Großunternehmen stärker repräsentiert als die der Familienunternehmen (66 beziehungsweise 22 Prozent), so die öffentliche Wahrnehmung.

Familiengeführte Unternehmen sollten daher ihren hohen Vertrauensvorschuss unbedingt nutzen. Ihnen wird es besonders leicht fallen, eine Wahrnehmungsänderung zu erreichen, so Susanne Nicolai, Mittelstandsexpertin bei Klenk & Hoursch.

Unabhängig von der Unternehmensgröße sind die Deutschen wenig von den Nachhaltigkeitsmaßnahmen der Wirtschaft überzeugt. Nicht einmal die Hälfte glaubt daran, dass Deutschlands Unternehmen umwelt- und klimaverträglich agieren. Doch auch hier gelten KMU nach Einschätzung von 42 Prozent der Befragten nicht gerade als Vorreiter (Start-ups 56 Prozent Konzerne 37 Prozent). Sie haben daher laut der Experten gute Chancen, sich durch erste Maßnahmen als Treiber nachhaltiger Transformation zu positionieren.

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