Mobile Commerce wird erwachsen
- 31.05.2016
- Mobile Commerce
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Das Smartphone verändert das Einkaufsverhalten. Der Handel muss sich darauf einstellen und mobile Kanäle integrieren.
alexsl | iStockphoto
Die E-Commerce-Branche in Deutschland verzeichnete im Vorjahresvergleich ein Wachstum von 18 Prozent auf über 60 Milliarden Euro. Noch höher fiel mit 45 Prozent das Plus für Mobile Commerce aus. Demgegenüber stieg der Einzelhandelsumsatz im gleichen Zeitraum insgesamt nur um 1,7 Prozent.
Zu diesen Ergebnissen kommt die internationale E-Commerce-Studie des Digitalmarktplatzes Retailmenot, die in Zusammenarbeit mit dem Centre for Retail Research in zehn Ländern durchgeführt wurde. Sie basiert auf statistischen Analysen, der Auswertung von Handelsstatistiken und -prognosen, Telefoninterviews mit führenden Händlern sowie einer Verbraucherumfrage.
Jeder achte Euro wird online erwirtschaftet
Mit einem für 2016 prognostizierten Online-Umsatz von 62 Milliarden Euro – davon 21 Milliarden Euro mobil – wird der Studie zufolge hierzulande jeder achte Euro über Computer oder mobile Endgeräte verdient.
Online geht dabei klar zu Lasten des stationäre Handels. Die Experten rechnen hier mit Umsatzeinbußen von 1,7 Prozent. Für Händler wird es daher immer wichtiger, On- und Offline-Verkaufswege noch stärker miteinander zu verzahnen. Die Chancen solcher Multichannelstrategien lassen sich auch aus den Studienergebnissen ablesen. So setzten die Händler im vergangenen Jahr 124 Millionen Euro zusätzlich durch den Einsatz von Mobile-Marketing-Maßnahmen im stationären Handel um. Weitere 11,4 Millionen Euro wurden über mobile Zahlungsmöglichkeiten erwirtschaftet.
Verbraucher erwarten Service auf allen Kanälen
"Die Grenzen zwischen den Vertriebskanälen verschwimmen zunehmend. Für die Konsumenten existieren sie sowieso kaum noch: Sie erwarten gleiche Services und Angebote über alle Kanäle hinweg und wandeln virtuos und nahtlos zwischen den Plattformen", bestätigt Karina Spronk, Leiterin Partner Management Deutschland bei Retail Me Not, den Trend.
Neue Chancen durch Mobile Commerce
Die Relevanz mobiler Stategien für den Handel bestätigt auch Gerrit Heinemann: "Mit der stark zunehmenden Nutzung des World Wide Web als Informationsmedium und der massenhaften Verlagerung sozialer Beziehungen ins Netz steigen auch die Umsätze im Online-Handel weiterhin rasant an. Allerdings wird das digitale Universum zunehmend durch mobile Internet-Nutzung geprägt, die auch die Kundenerwartungen erheblich beeinflusst", schreibt er über den "Online-Handel der Zukunft". Mobile Commerce eröffne Händlern neue Chancen und gebe "Raum für neue Geschäftsmodelle. Im Buchkapitel "Formen des Online-Handels" hat Heinemann sieben Faktoren identifiziert, die den Erfolg des Mobile Commerce prägen (Seite 137ff.):
| Die sieben Erfolgsfaktoren des Mobile Commerce |
| 1. Grundvoraussetzung ist die Existenz eines bereits erfolgreichen Online-Shops. Der Mobile Shop ist quasi ein verlängerter Arm mit Zusatzfunktion, wobei die Angebote für die mobile Nutzung optimiert werden müssen. |
| 2. Die situative und lebensstilgerechte Anpassung der Angebote an die individuellen Einkaufsgewohnheiten der Kunden. Dazu gehören beispielsweise individualisierbare virtuelle Regale und der Einsatz der Augmented Reality in allen denkbaren Facetten. Mobile 2.0, also die mobile-orientierte Umsetzung von Social-Media-Instrumenten mit Vernetzung zu Facebook, Twitter & Co. ist Standard. |
| 3. Der Mobile Shopper gilt als Smart Shopper auf der Suche nach smarten Informationen und Schnäppchen. Couponing, SMS-Gutscheine und virtuelle Bonuskarten sind geeignet, diese Kunden den anderen Kanälen zuzuführen. Dabei nimmt die Lokalisierung, also das Local Pricing, eine Schlüsselrolle ein. |
| 4. Das Senden von Content und die Interaktion mit den Kunden geht mit dem Trend zum Crowdsourcing einher und führt zur Einschätzung, dass sich das Internet zum Outernet entwickelt. Hier wird eine völlig neue Sprache gesprochen, die von vielen Einzelhändlern erst noch gelernt werden muss: Ob Pay with a Tweet, Pay with Facebook Credits oder Sell around with Widgets. |
| 5. Viel stärker als im Online-Shop ist im Mobile Commerce auf ein Höchstmaß an Mobile-Navigation und Mobile Usability zu achten. Dabei hilft auch eine flexible Formatgestaltung, die den Einsatz unterschiedlicher Geräteformen bis hin zum Tablet-PC ermöglicht. |
| 6. Die die Auswahl der geeigneten Betriebssysteme und Browser-Technologien in Kombination mit der passenden Geräteausstattung spielen eine absolut erfolgskritische Rolle. Dabei sind auch die Netzabdeckungen und -verfügbarkeiten der verschiedenen Anbieter mit ins Kalkül einzubeziehen, um den Kunden die richtigen Empfehlungen für die bestmögliche Netzanbieterwahl eines Betriebssystems geben zu können. |
| 7. Die steigende Sensibilität in Hinblick auf den Datenschutz erfordert eine genaue Formulierung der Sicherheitsziele und Eingrenzung der Angriffspunkte. In jedem Fall sind den Nutzern die bestehenden Risiken offen darzulegen und alternative Risikooptionen anzubieten. |
Der Siegeszug mobiler Anwendungen erfordern von Unternehmen ein "Mobile First Handeln", ergänzt Springer-Autor Mark Wächter im Buchkapitel "Mobile Commerce". Denn gerade in der digitalen Welt gilt einmal mehr: Wer zu spät kommt ,den bestraft das Leben, beziehungsweise der Wettbewerb.