Skip to main content
main-content

01.10.2019 | Mobile Payment | Studie | Onlineartikel

Mobile Payment hat in Deutschland Nachholbedarf

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
5 Min. Lesedauer

In Asien gehört das Bezahlen per Handy selbst beim Straßenhändler zur Tagesordnung. In Europa und vor allem in Deutschland bleiben die Kunden zurückhaltend. Drei aktuelle Studien beleuchten den Mobile-Payment-Markt, seine Probleme und Chancen. Eine Zusammenfassung.

In Deutschland bezahlen immer mehr Menschen ohne Bargeld. Dabei wird auch das kontaktlose Bezahlen immer beliebter, bei dem Smartphone oder Bankkarte an ein Lesegerät an der Kasse gehalten werden. 48 Prozent der Deutschen nutzen diese Möglichkeit bereits oder planen, dies in Zukunft zu tun. Dies ergab die Studie "Digitale Bankservices 2019", für die 1.000 Deutsche im Auftrag der Creditplus Bank vom Marktforschungsinstitut Toluna befragt wurden. Zum Vergleich: 2018 waren es noch 42 Prozent.

Vor allem Menschen im Alter von bis zu 40 Jahren schätzen ihr Mobiltelefon, um im Supermarkt oder an der Tankstelle Einkäufe zu bezahlen, so die Analyse. In der Gesamtbevölkerung praktiziert dies jedoch nur jeder Sechste. Was Menschen vom Bezahlen per Handy abhält:

  • eine Vorliebe für bewährte Methoden wie Bargeld und die EC-Karten-Nutzung,
  • Sicherheitsbedenken,
  • Befürchtungen, dass Anbieter zusätzliche Daten sammeln,
  • Angst, die Übersicht über die Ausgaben zu verlieren,
  • und schlichte Unkenntnis zu Funktion und Technik.  

Nutzer sorgen sich um Sicherheit

Auch der aktuelle Report "Mobile Banking und Mobile Payment in Deutschland" von Entersekt, einem Anbieter für mobile Sicherheitslösungen, zeigt, dass deutsche Verbraucher zunehmend Apps ihrer Banken nutzen. Dennoch bleiben 52 Prozent der für die Studie befragten Konsumenten bei mobilen Finanz- und Bankgeschäften über das Smartphone eher zurückhaltend. Sie sorgen sich um die Sicherheit der Transaktionen. Nur fünf Prozent der Teilnehmer gaben hingegen eine komplizierte Handhabung als wichtigsten Hinderungsgrund an. Viele Kunden nutzen ihr Smartphone deshalb nur für Aktionen, die sie als risikoarm empfinden wie zum Beispiel Kontostandabfragen und interne Umbuchungen.

Geht es um die Sicherheit bei mobilen Anwendungen preferieren die Befragungsteilnehmer Authentifizierungsverfahren, die sie von ihren Apple- und Android-Geräten kennen. So bevorzugen 30 Prozent das Fingerabdruck-Scanning für die Genehmigung von Transaktionen auf Mobilgeräten. 23 Prozent setzen auf Passwörter, statisch oder als Einmalpasswort, oder eine PIN. Immerhin jeder Fünfte (20 Prozent) arbeitet am liebsten mit mTANs. Das gilt laut Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zwar nicht als sicher, wird aber noch von einigen Banken angeboten. 

All-in-One-App macht Bargeld verzichtbar

Für fast die Hälfte der Befragten gewinnt laut Studie eine All-in-One-App für Banking und Zahlungen an Attraktivität. Mit einer solchen App würden 46 Prozent der Befragten seltener mit Bargeld zahlen und 45 Prozent auch seltener zur Bank- oder anderen Zahlkarten greifen. Für die Altersgruppe zwischen 18 bis 40 Jahren steigen diese Anteile auf über 60 Prozent.

Der mobile Kanal bietet der Erhebung zufolge Banken die Möglichkeit einer gezielteren Ansprache und Beratung ihrer Kunden. Diese erhielten eine größere Auswahl an Zahlungsmethoden oder Prämiensystemen und würden im Bedarfsfall, etwa bei einem Hackerangriff, gewarnt. Zudem sei eine an Bedürfnisse und Trends angepasste Interaktion möglich, die sogar mehrmals täglich stattfinden könne. Das setze allerdings eine intuitive und reibungslose User Experience voraus, wie sie bei populären Consumer Apps üblich sei.

Banken bei Open Banking zögerlich

Doch für diesen Schritt in Richtung Open Banking fehlt den etablierten Instituten offenbar der rechte Mut, obgleich solche Konzepte eine langfristige Kundenbindung versprechen: Zwar sind weltweit bargeldlose Transaktionen und der Wettbewerb um die zugrundeliegenden Daten auf dem Vormarsch. Dennoch bleiben die Vorstöße hiesiger Banken in Sachen Datenaustausch, Ökosystem-Partnerschaften und offenen Plattformen eher zögerlich. Das zeigt der "World Payments Report 2019" des Beratungshauses Capgemini. 

Für die Studie wurden das bargeldlose Transaktionsvolumen, regulatorische und branchenspezifische Initiativen sowie die digitale Transformation auf dem globalen Zahlungsverkehrsmarkt in insgesamt 18 Ländern analysiert. Die Daten wurden durch die Ergebnisse eine Online-Umfrage im Juni 2019 bei Banken, Finanzdienstleistern und Unternehmen anderer Branchen und Interviews mit Führungskräften ergänzt.

Emerging Marktes geben bei Innovationen den Ton an

Die Analyse zeigt, dass das Volumen von bargeldlosen Zahlungen rasant zunimmt. Das gilt vor allem für Asien, das ein Wachstum von 32 Prozent aufweist. Insgesamt liegen laut Analyse die größten Wachstumschancen in den sich entwickelnden Märkten – mit einem durchschnittlich jährlichen Wachstum von 23,5 Prozent zwischen 2017 und 2022. Daher werden diese Regionen die globale Zahlungsverkehrslandschaft künftig bei Innovation, Transaktionskapazität und Branchentrends prägen, so die Prognose. Bereits 2017 haben diese Märkte 35 Prozent zum weltweiten Wachstum der bargeldlosen Zahlungen beigetragen. Dieser Anteil werde in den kommenden Jahren voraussichtlich auf 50 Prozent steigen.

In den Regionen Asien-Pazifik, Europa und Nordamerika die Wachstumsrate liege die Wachstumsrate bei sieben Prozent. In Deutschland wuchs das Volumen der bargeldlosen Zahlungen von 2016 auf 2017 um 3,1 Prozent auf insgesamt über 21,1 Milliarden Transaktionen. Den größten Anteil davon hat das Lastschriftverfahren mit 10,3 Milliarden.

Institute agieren oft aus regulatorischen Gründen

Dabei bewegen sich etablierte Institute nur langsam auf einen offeneren, datengesteuerten und Cloud-basierten Ansatz zu und begegnen dem Open-Banking-Ansatz nur mit wenig Gegenliebe. Zwar betrachten 90 Prozent die ökosystembasierten Geschäftsmodelle als Schlüssel zum langfristigen Erfolg, aber nur 44 Prozent zeigten in der Befragung Interesse am Aufbau und der Orchestrierung eines Geschäftsmodells mit eigenem Ökosystem. Dabei sind bereits getroffene Maßnahmen häufig regulatorisch getrieben mit Schwerpunkt auf Standardisierung und Interoperabilität. Die digitale Transformation resultiert bei 60 Prozent der Banken aus gesetzlich zwingenden Vorgaben und geht laut Analyse oft nicht über die regulatorischen Mindestanforderungen hinaus, etwa im Fall der APIs.

"Während sich die weltweite Zahlungsverkehrslandschaft weiter entwickelt, sind nicht alle mit dem Tempo und der Richtung des Wandels zufrieden", sagte Christian Drevenstedt, Experte für den Zahlungsverkehr bei Capgemini in Deutschland. Er führt aus: 

Den Banken ist durchaus bewusst, dass ein ökosystembasiertes Modell notwendig ist, um den Kundenanforderungen gerecht zu werden und in einer wettbewerbsorientierten Landschaft erfolgreich zu sein. Wir ermutigen die etablierten Banken, Quick-Win-Lösungen in Betracht zu ziehen, die sie für den Zukunftsmarkt positionieren, wie zum Beispiel die Implementierung einer Mikroservice-Architektur, um die Grenzen ihrer bestehenden IT-Infrastruktur zu umgehen."

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Das könnte Sie auch interessieren

Premium Partner

    Bildnachweise