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11.08.2017 | Mobile Payment | Im Fokus | Onlineartikel

Mobile Payment eröffnet ungenutzte Möglichkeiten

Autor:
Johanna Leitherer

Wer heutzutage seinen Geldbeutel zu Hause vergisst, muss den stationären Shopping-Trip verschieben. Das könnte sich bald ändern: Mobile Payment ebnet den Weg, Bezahlungen bargeldlos via Smartphone und Tablet abzuwickeln. 

Deutsche Händler blicken in eine digitalisierte Zukunft. So erwarten 65 Prozent, dass sich Kunden im Jahr 2030 nicht mehr in eine Kassenschlange einreihen, sondern ihren Einkauf automatisch beim Verlassen des Ladens bezahlen. 40 Prozent der Befragten glauben außerdem, dass feste Öffnungszeiten einem rund um die Uhr zur Verfügung stehenden Konzept weichen werden. Zu dem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage, die der Digitalverband Bitkom in Auftrag gegeben hat. Mehr als 500 online und stationär tätige Einzel- und Großhändler wurden befragt. 

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2017 | OriginalPaper | Buchkapitel

Kassenzone der Zukunft – Anforderungen an den Handel

Der stationäre Einzelhandel unterliegt einer diskontinuierlichen Entwicklung und wird mit einer Vielzahl an disruptiven Faktoren konfrontiert. Da die Kassenzone eines Ladengeschäftes für das Einkaufserlebnis von besonderer Bedeutung ist, werden in diesem Beitrag verschiedene Maßnahmen aufgezeigt, um den Herausforderungen in diesem Umfeld zu begegnen.


Neben Mobile Payment gibt es bereits zahlreiche Lösungen, die den Prozess an der Ladenkasse beschleunigen oder diesen sogar völlig ersetzen könnten. "Self-Check-out" etwa, bei dem Kunden ihre Ware selbst abkassieren, hat sich mittlerweile in vielen Supermärkten weltweit etabliert. Abgesehen von solchen Selbstbedienungskassen kommen innovative Zahlungsformen in Deutschland jedoch nur schleppend ins Rollen: 77 Prozent der Händler hinken der Digitalisierung laut der Umfrage hinterher. Auch die deutschen Kunden selbst verhalten sich zögerlich, wenn es darum geht, Gewohnheiten zugunsten neuer Erfindungen zu ändern. Der biometrische Fingerabdruck setzte sich daher als Methode, um Zahlungen zu bestätigen, nicht durch. Produkte bereits während des Ladenbesuchs entweder mit einem Lesegerät des Supermarkts oder dem eigenen Smartphone abzuscannen ("Self-Scanning"), kann deutsche Testkäufer bislang ebenfalls nicht begeistern. Sogar die Einführung der EC-Karte, die den Zahlungsprozess deutlich vereinfacht, lässt den Großteil der Deutschen auch nach 25 Jahren nicht vollends vom Bargeld abrücken. "Die Menschen schätzen offenbar das befriedigende Knistern von Geldscheinen im Portemonnaie und sind nur ungern bereit, sich mit völlig abstrakten, elektronischen Zahlungsverfahren zu beschäftigen", vermutet Springer-Autor Ulrich Kipper im Buchkapitel "Scangoru – oder wie Mobile an die Kasse kommt" (Seite 319).

Smartphones bereichern Einkauf mit Informationen

Andere Länder begegnen digitalen Neuerungen weitaus aufgeschlossener, wodurch Deutschland langfristig ins Hintertreffen geraten könnte. In Seattle steht beispielsweise ein erster "Amazon Go"-Store, in dem der Versandriese kassenlosen Ladenbetrieb testet. Schon bald sollen mehrere Läden nach diesem Konzept entstehen und die Pforten für Normalverbraucher öffnen. Besonders eilig in Sachen Digitalisierung haben es die Chinesen. Nachdem die Alibaba Group kürzlich das bargeldlose "Tao Café" eröffnet hat, plant der E-Commerce-Konzern nun in Anlehnung an Amazon Go den "Smart Store", der ebenfalls völlig ohne Kassen auskommt. Zudem hat Alibaba in China bereits 13 Supermärkte ("Hema") realisiert, die Offline- und Online-Shopping miteinander verknüpfen. Kunden müssen sich vor Ladenbesuch über einen bestimmten Zahlungsanbieter registrieren, bevor sie mit ihrem Smartphone das gesamte Ladensortiment durchforsten können. Sie shoppen Lebensmittel online oder offline, recherchieren Preise und Produktinformationen.

"Für Verbraucher ist die Option, während des Einkaufs zusätzliche Produktinformationen zu erhalten, besonders interessant. Sie deckt das steigende Bedürfnis nach informiertem Einkauf ab und hilft Allergikern, für sie kritische Inhaltsstoffe zu erkennen", erklärt Kipper (Seite 322). Aber auch die Ladenbetreiber selbst profitieren entscheidend von den Möglichkeiten, die das vom Smartphone begleitete Shopping bietet. "Der Einkauf ist nun bereits vor der Kasse bekannt und das Marketing kann komplementäre Produkte auf dem Bildschirm des Mobilgerätes vorschlagen" (Seite 322). Plötzlich ist es Händlern möglich, Big Data zu empfangen und auszuwerten, ihren Kunden ergänzende, reduzierte oder derzeit besonders beliebte Produkte vorzuschlagen - Methoden des Cross- und Upsellings, die bisher nur dem E-Commerce vorbehalten waren. Je nachdem, wo sich der Kunde gerade im Ladenraum aufhält, kann das Mobilgerät zudem über Beacons passende Inhalte empfangen. Dieser Content umfasst zum Beispiel Rezeptvorschläge oder interessante Zusatzinformationen, deren Bereitstellung übrigens neue Arbeitsplätze erforderlich machen wird. Dass der Kunde seinen Einkauf anschließend auch via Mobile Payment selbst bezahlt, wäre dann eigentlich nur folgerichtig. Die Möglichkeiten, die das Smartphone im Sinne von "Bring Your Own Device" bietet, sind also gigantisch.  

 

Steiniger Weg spart langfristig Kosten

Noch gibt es allerdings eine Reihe technischer Hürden, die Anbieter von bargeldlosem, mobilem Bezahlen überwinden müssen. Da wäre zum Beispiel das dynamische Preismanagement ("Dynamic Pricing") und die ständige Neuausrichtung des Sortiments, die dem begrenzten Speicherplatz des Smartphones zusetzen. Sicherheitslücken und Diebstähle müssen verhindert, Alterskontrollen korrekt durchgeführt werden und auch an der Internetverbindung darf es niemals hapern. Außerdem bleibt die Frage, wie Kunden an Sammelaktionen und Auszahlungen ihrer Treuepunkte gelangen. Der Weg ist steinig und mit großem Aufwand verbunden. Angesichts dessen, wieviel Zeit der Zahlungsprozess an menschengeführten Kassen in Anspruch nimmt, ist Mobile Payment allerdings äußerst vielversprechend. "Laut den Prozessanalytikern der Rewe Group würde jede Sekunde, um die der Kassendurchlauf pro Kunde beschleunigt wird, konzernweit zu einer Einsparung von einer Millionen Euro führen", gibt Springer-Autor Kipper zu bedenken (Seite 315). Damit auch die skeptischen Kunden aus Deutschland auf innovative Zahlungsmethoden anspringen, sind Händler gut beraten, wenn sie verstärkt über Zeit- und Kostenvorteile informieren - und Digitalisierungsprozesse selbst aktiv in die Wege leiten.

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Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2017 | OriginalPaper | Buchkapitel

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Quelle:
Innovationen und Innovationsmanagement in der Finanzbranche

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