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06.06.2019 | Mobile Payment | Im Fokus | Onlineartikel

US-Konzerne stürmen beim Mobile Payment voraus

Autor:
François Baumgartner

Bei den mobilen Bezahlmöglichkeiten schieben sich vor allem US-amerikanische Konzerne wie Apple und Google in den Fokus. Doch die unterschiedlichen Ansätze der Services machen hiesigen Banken Kooperationen nicht leicht.

Die Generation Mobile möchte per Smartphone oder Tablet bezahlen können. 46 Prozent der unter 30-jährigen Deutschen nutzen diese Bezahlform bereits. Bei den über 60-Jährigen sind es zwölf Prozent. Und quer durch alle Altersgruppen zahlen schon 25 Prozent zumindest gelegentlich kontaktlos. Das geht aus dem "Mobile Payment Report 2019" der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) hervor. 

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"Lösungen für das mobile Bezahlen werden mit der zunehmenden Verbreitung und immer besserer technischer Ausstattung von Smartphones immer häufiger von Endkunden eingesetzt", sagt Henning Brandt, Kommunikationschef des Plattformanbieters Computop, gegenüber Springer Professional. Banken kommen um die Bezahldienste also nicht herum. Welches Modell sich beim Mobile Payment am Ende als ökonomisch sinnvoller für die traditionellen Bankhäuser erweist, ist – Stand heute – aber noch völlig offen. 

Laut Apple werden Daten nicht gespeichert

Klar ist dagegen, dass in dieser Sparte des Zahlungsverkehrs vor allem US-Technologiekonzerne wie Google oder Apple besonders aktiv sind und im Wettbewerb mit hiesigen Instituten und ihren Angeboten stehen. Bereits im Jahr 2014 wurde Apple Pay zusammen mit dem iPhone 6 auf den Markt gebracht. "Apple Pay verwendet die Schnittstelle des iPhones für die Nahfeldkommunikation (NFC) und erlaubt es, Kreditkarten zu digitalisieren. Zugleich wird über ein Secure Element auf einem Terminal das Bezahlen nach Scheme Standards ermöglicht", heißt es im Beitrag "Apple Pay setzt neue Maßstäbe" in der Juni-Ausgabe von Bankmagazin auf Seite 43. "Die Transaktion wird dann per Touch- oder Face-ID freigegeben. Die App unterstützt schließlich über geeignete Browser den Checkout-Prozess." 

Das Unternehmen behauptet, dass diese Payment-Daten nur auf dem benutzten Gerät verfügbar seien. Beim Vorgang würden nicht die tatsächlichen Kartennummern gespeichert, zitiert der Beitrag einen Sprecher der Hanseatic Bank. Sondern jedes Gerät, auf dem Apple Pay installiert wird, werde eine eigene Gerätekontonummer zugewiesen und verschlüsselt im Sicherheitselement gespeichert. Zudem werde jeder Zahlvorgang mit einem einmalig generierten, dynamischen Sicherheitscode autorisiert.

Der Service von Apple ist für die Kreditkartenherausgeber allerdings nicht kostenlos. Das heißt, der Konzern verdient mit jeder Transaktion. Dies macht es für kartenausgebende Banken mit sinkenden Gebühren aus wirtschaftlicher Sicht nicht einfach, mit dem US-Unternehmen eine Vereinbarung zu treffen. Da die Anzahl an Apple-Nutzern aber beträchtlich ist, müssen es sich die Institute gut überlegen, wenn sie die neue APP nicht unterstützen wollen. Das betrifft auch jene Häuser, die als Kreditkartenherausgeber eigene mobile Bezahlmethoden für Amex, Master Card und VISA entwickeln. 

Bei Google Pay werden Daten gesammelt

Der zweite ernstzunehmende Rivale ist der US-Suchmaschinenriese Google und sein Dienst Android Pay, der 2015 auf den Markt kam. Die mobile Bezahllösung setzt auf die NFC-Schnittstelle von Android und erlaubt es, Karten zu digitalisieren und per Emulation über HCE (Host Card Emulation) auf einem Terminal zu bezahlen. In fast allen Märkten wird zugleich die Autorisierung der Transaktion via CDCVM (Consumer Device Cardholder Verification Method) über vorhandene Sicherheitsmechanismen von Android gewährleistet. Nur in wenigen Ländern wird noch die PIN am Terminal eingegeben. Zusätzlich unterstützen manche Browser wie etwa Chrome den Checkout-Prozess per Google Pay.

Der große Haken: Das Unternehmen sammelt und nutzt alle Daten rund um das Anmelden und Bezahlen mit Google Pay. Das gilt auch für Daten von den beteiligten Banken und Händlern. Damit weiß der Konzern wo, wie viel und wann die Kunden für welche Waren mit welcher Karte gekauft haben.

Google punktet mit kostenlosem Service 

Im Gegenzug verlangt Google weder von den Endkonsumenten noch von den einsetzenden Banken Gebühren. Dies ist durchaus nachvollziehbar, da sich der Tech-Konzern durch die Speicherung der Bezahl-Daten Umsatzpotenzial erschließt. Und zwar nicht nur mit personalisierter Werbung, sondern insbesondere mit der Vorhersage des tatsächlichen Kaufverhaltens. Diese Kundeninformationen bringen Google von Händlern hohe Vermittlungsprovisionen.

Dennoch gilt auch dieser Bezahlprozess als sicher: "Bei Apple Pay findet die Autorisierung via Fingerabdruck, Gesichtserkennung oder Code statt. Google Pay funktioniert mit PIN-, Muster-, Passwort-, Fingerabdruck- oder Iris-Scanner-Display-Sperren – je nach verwendetem Smartphone", weiß Dieter Heiliger, Managing Principal bei Capco und ergänzt: "Ein klarer Vorteil der Mobile-Payment-Lösungen ist die Vereinfachung des Alltags. Die Sicherheitsstandards sind, im Rahmen der in Kürze verpflichtend werdenden Zwei-Faktor-Authentifizierung, ebenfalls extrem hoch." 

Lesen Sie mehr zu Apple Pay in der Juni-Ausgabe von Bankmagazin.

 


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