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08.06.2017 | Mobilitätskonzepte | Im Fokus | Onlineartikel

Mit dem Auto in die dritte Dimension

Autor:
Christiane Köllner

Schleppender Berufsverkehr und Staus in der Innenstadt: Unsere Straßen sind vielerorts überlastet. Der Ausweg: Die dritte Dimension. Wie immer mehr Unternehmen den Individualverkehr in die Luft bringen wollen.

In zahlreichen Megastädten der Welt droht der Verkehrskollaps. Der Anspruch, sich innerhalb einer Stadt schnell, sicher, bequem und mit geringem Aufwand und Kosten fortzubewegen, stellt urbane Mobilität immer mehr auf die Probe. Allein in Singapur könnten in fünfzehn Jahren mehr als sieben Millionen Menschen leben. Damit steigen die Herausforderungen immens: ökologisch, sozial und infrastrukturell. Daran dürfte sich so schnell wenig ändern: "Bis 2030 werden knapp fünf Milliarden Menschen in Städten leben", prognostizieren die Springer-Autoren Wilhelm Bauer und Alanus von Radecki im Kapitel Innovationsnetzwerk Morgenstadt: City Insights, das sich mit der Transformation heutiger Städte zu mehr Nachhaltigkeit, Resilienz, Lebensqualität und Innovationskraft beschäftigt. 

Daher sind Stadtplaner, Verkehrsexperten und Forscher gezwungen, neue Wege zu gehen und innovative Lösungen für das Management des Individualverkehrs von morgen zu finden. Autos, die bei Bedarf auch abheben können, haben hierbei immer wieder die Phantasien von Ingenieuren beflügelt. Staus und stockenden Stadtverkehr einfach überfliegen? Hoch über den Straßen wären die Wege flexibel und Reisende kämen schneller ans Ziel. Dieser Traum jedes Pendlers wird immer greifbarer: Einige Start-ups und Unternehmen haben inzwischen Flugtaxis und Hybrid-Transportmittel vorgestellt, die fliegen und auf Straßen fahren, und so den vielerorts überlasteten, bodengebundenen Verkehr in Großstädten entlasten könnten. 

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2017 wird zum Jahr des fliegenden Autos 

Seit fast hundert Jahren tüfteln Forscher am fliegenden Auto – mal mehr, mal weniger erfolgreich. Gab es bislang ein paar wenige Konzepte, so scheinen jetzt immer mehr Unternehmen an das Flugauto zu glauben. Die technische Basis für den Aufstieg in die Lüfte ist bereitet: Leichtbau-Werkstoffe, Drohnentechnik sowie Steuerungssysteme für automatisierte Fahrzeuge ebnen den Weg für fliegende Autos.

Und das treibt offenbar die Entwickler und Konzepte voran – jüngst auch im Silicon Valley. So finanziert Google-Mitgründer Larry Page ein Flugauto-Start-up und auch Uber will mit Flugtaxis an den Start gehen. 2017 wird offenbar zum Jahr des fliegenden Autos.

Immer mehr Unternehmen entwickeln Flugautos

Schon im Februar hat die holländische Firma Pal-V (Personal Air and Land Vehicle) mit dem Verkauf seiner fliegenden Autos, der Pal-V Liberty Pioneer und der Liberty Sport, begonnen. Nach Testprogrammen in den Jahren 2009 und 2012 hat das Pal-V inzwischen auch den Segen der Behörden. Alle weltweit gültigen Sicherheitsbestimmungen, Gesetze und Regularien in der Luft wie auch auf der Straße seien erfüllt. Noch 2017 sollen die ersten Vorserienmodelle gefertigt, Ende 2018 die ersten Kundenbestellungen erfüllt werden. Ein Jahr später will das von fünf MIT-Absolventen gegründete US-Unternehmen Terrafugia, erste Exemplare seines zweisitzigen Flugautos namens "Transition" ausliefern.

Zwei erfahrene Unternehmen, die sich in der Mobilitätsbranche bestens auskennen, haben im März auf dem Genfer Autosalon ein modulares Boden- und Luft-Passagierfahrzeugsystem-Konzept präsentiert. Es handelt sich um das Flug-Elektroauto Pop.Up des Airbus-Konzerns und der italienischen Designschmiede Italdesign. Auf der Straße wird es zu einem kleinen Elektroauto, in der Luft zu einer senkrecht startenden Passagierdrohne. Unter dem Namen Project Vahana will Airbus zudem ein urbanes Flugzeug bauen, dass mithilfe drehbarer Rotoren senkrecht starten und landen kann. 

Die Idee eines fliegenden Autos verfolgt auch das slowakische Unternehmen Aeromobil. Die Firma hat im April auf der Messe Top Marques in Monaco eine weiterentwickelte Version ihres Flugautos vorgestellt. Das AeroMobil Flying Car wird auf der Straße von zwei Elektromotoren mit insgesamt 80 kW angetrieben. Damit sind maximal 160 km/h möglich. In weniger als drei Minuten kann es in den Flugmodus übergehen. Zum Abheben benötigt das Flying Car eine Strecke von maximal 595 Metern. In der Luft erreicht es eine Maximalgeschwindigkeit von 360 km/h. Der Flugmotor ist ein 2,0-l-Vierzylinder-Boxermotor mit Turboaufladung, der 224 kW leistet. Erste Auslieferungen sollen 2020 erfolgen, die Produktion ist aber auf 500 Einheiten begrenzt. 

Auch ein deutscher Wettbewerber mischt im Rennen um die mobile Zukunft mit. Das Start-up Lilium Aviation aus der Nähe von München hat im April den Jungfernflug mit seinem elektrisch angetriebenen Kleinflugzeug VTOL (Vertical Take-off and Landing) absolviert. 36 intelligent gesteuerte und schwenkbare E-Triebwerke ermöglichen dabei einen Senkrechtstart und trotzdem bis zu 300 km/h Höchstgeschwindigkeit. Die Gründer stellen sich eine taxiartige Vermarktung vor. Das Start-up wird von der europäischen Raumfahrtagentur ESA unterstützt, Skype-Gründer Niklas Zennström ist an der Firma aus Bayern beteiligt.

High-Tech-Investoren setzen auf fliegende Autos

Die Beispiele zeigen, wie viel sich gerade im Bereich der fliegenden Autos tut. Sie sind so etwas wie der Hype der Stunde. Und Zennström ist nicht der einzige High-Tech-Investor, der auf fliegende Autos setzt. Auch Google-Gründer Larry Page unterstützt ein Start-Up, das jüngst den Kitty Hawk Flyer vorgestellt hat. Neben dem Lufttaxi von Lilium Aviation gehört das Projekt wohl zu den vielversprechendsten Konzepten. Zwar ist das Gefährt, eine Mischung aus einem Boot und einem Helikopter, bislang eher ein Spaßgerät, mit dem man nur über das Wasser gleiten kann, aber tatsächlich dürfte dahinter mehr stecken – nämlich Erfahrung für den Massenmarkt zu sammeln. Ab Ende 2017 soll es zu kaufen sein.

Und auch Uber, der US-amerikanische Mobilitätsanbieter, der die weltweite Taxi-Branche mit seinen Mitfahrdiensten aufgeschreckt hat, testet inzwischen nicht nur selbstfahrende Autos, sondern wagt sich nun auch an ein Experiment mit fliegenden Fahrzeugen. Wie die Nachrichtenagentur "Bloomberg" berichtet, hat Uber den Ex-NASA-Ingenieur Mark Moore angeheuert. Moore soll künftig als Director of Engineering bei Uber Elevate arbeiten und das Konzept von fliegenden Autos weiter vorantreiben. 

Wann kommt das Flugauto?

An großen Versprechungen und Begeisterung für Flugautos mangelt es also nicht. Die Ankündigungen könnten durchaus Realität werden. Die Frage ist eher wann als ob. Doch bis wir Flugautos in den Städten abheben sehen, wird es noch dauern. Denn die Liste der Hürden, die noch genommen werden müssen, damit das fliegende Auto zum Massenprodukt werden kann, ist noch lang: Werden Städte ihren Luftraum freigeben? Wie sieht ein Traffic-Management-System aus? Ist die Technik wirklich schon so reif, dass Taxis abheben können? Wie geht man mit Lärmbelastung und kritischen Wetterbedingungen um? 

Für den Zukunftsforscher Ulrich Eberl sind vor allem die Schwierigkeiten nicht-technischer Art sehr groß, wie er bereits im Artikel Vorwärts in die Vergangenheit aus der Automotive Agenda 3-2011 erläuterte, und die immer noch aktuell sind:  

Angefangen von den Kosten eines solchen Fahr-Flugzeugs über juristische Probleme, etwa hinsichtlich der Herstellerhaftung beim automatisierten Fliegen bis hin zum Energieverbrauch", benennt Eberl die Herausforderungen.

Bislang sind noch nicht einmal für rollende Autos die Voraussetzungen geschaffen, dass sie sich im Verkehr fahrerlos fortbewegen. Wie soll das dann bei fliegenden Autos funktionieren? Der schwedische Zukunftsforscher Aric Dromi, der Autokonzerne wie Volvo berät, ist optimistisch. Er ist überzeugt, dass "es fliegende Autos früher geben wird als die Umstellung des Verkehrs auf autonome Autos", prognostizierte er in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" im Januar. Zumindest in den Städten. Sie hätten zwei enorme Vorteile gegenüber autonom fahrenden Autos: "Erstens sind wir es von Flugzeugen schon gewohnt, dass sie die meiste Zeit vom Autopiloten gesteuert werden. Und zweitens ist die Infrastruktur für sie schon vorhanden, sie fliegen ja in der Luft und brauchen keine Straßen", so Dromi. Drohnen für den Personenverkehr – wie von Uber und Airbus – würden bereits entwickelt: "Sind das dann nicht autonom fliegende Autos?"

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