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21.11.2017 | Mobilitätskonzepte | Im Fokus | Onlineartikel

Die Mobilitätswende ist mehr als nur Technik

Autor:
Patrick Schäfer

Allzu oft wird der Begriff der Verkehrswende gleichgesetzt mit rein technischen Maßnahmen wie dem Umstieg auf Elektromobilität. Dabei braucht es einen grundlegenden Wandel im Umgang mit Mobilität.

Den Begriff der Mobilitätswende beschreibt Henning Kagermann in seinem Buchkapitel Die Mobilitätswende: Die Zukunft der Mobilität ist elektrisch, vernetzt und automatisiert als "ganzheitliches Konzept", das alle Verkehrsmittel sowie Elektrifizierung, Digitalisierung und Vernetzung vereint. Doch um den Verkehr der Zukunft umweltverträglich zu gestalten, reichen technische Mittel nicht aus. Denn das impliziert, dass wir immer einfach so weiter fahren können – nur eben elektrisch, vernetzt und automatisiert. Doch das ist ein Trugschluss. Für die Zukunft gilt es "möglichst wenig Verkehr und wenig Nebenfolgen für Gesundheit und Natur“ zu produzieren, so eine Studie des Instituts für sozial-ökologische Forschung. Richtig ist aber, dass wir die technischen Voraussetzungen für eine Mobilitätswende benötigen – Vernetzung, Automatisierung und Elektromobilität.

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Mobilitätswandel heißt auch Kulturwandel

Warum die Verkehrswende nicht nur als technischer Umstieg verstanden werden muss, wird aus dem folgenden Szenario deutlich. Denn zunächst ist davon auszugehen, dass der Verkehr immer weiter steigt. 

Durch die weltweit zunehmende Urbanisierung sowie ein steigendes Mobilitätsbedürfnis der Menschen, nicht zuletzt aus beruflichen Gründen, ist mit einem weiteren Anwachsen des Verkehrsaufkommens zu rechnen. Gepaart mit dem ebenfalls steigenden Volumen an Warentransporten und Dienstleistungsfahrten sind die negativen Folgen dieser Entwicklungen für Städte bereits heute direkt mess‐ und spürbar," schreiben die Autorinnen Frauke Goll und Isabell Knüttgen im Buchkapitel Digitale Revolution in der Mobilität – Automatisiert. Vernetzt. Elektrisch.

Auch die Automatisierung, die eigentlich den Verkehr flüssig und umweltschonend regeln soll, könnte sich als kontraproduktiv herausstellen. In der PwC-Studie "eascy – die fünf Dimensionen der automobilen Transformation" wird davon ausgegangen, dass es bis 2030 deutlich weniger Autobesitzer gibt, der Individualverkehr trotzdem stark steigt. Denn autonome Fahrzeuge werden dann auch von Menschen genutzt, die heute gar kein Autofahren können. Wenn das Fahrzeug zum Chauffeur 4.0 wird, entlastet das zwar den reisenden Menschen, aber nicht die Städte und die Umwelt. Und schließlich müssen die autonomen Robotaxis mit Leerfahrten zurück auf die Straße, um neue Passagiere aufzunehmen.

Volle Straßen und Staus werden also durch die reine Substituierung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren, Carsharing und Vernetzung nicht zwangsläufig der Vergangenheit angehören. Um die Inanspruchnahme des öffentlichen Raums durch den Individualverkehr zu reduzieren, müssen die Verkehrsteilnehmer vor allem umdenken. Erst eine Verhaltensänderung kann einen nachhaltigen Mobilitätswandel ermöglichen.

Mobilitätswandel durch eine neue Generation?

So lautet eine Grundannahme der zukünftigen Mobilität, dass Nutzer nur noch so schnell wie möglich von A nach B kommen wollen, egal mit welchem Verkehrsmittel. "Smart Mobility" lautet das Zauberwort, es verwischt die Grenzen zwischen allen Verkehrsmitteln. Dabei sind es vor allem junge Menschen, die in den Blick der Forscher geraten. Sie sind offener für Veränderungen und werden als Treiber der Verkehrswende gesehen, weil sie in dieser sich stark verändernden Lebensphase als leicht beeinflussbar gelten in Hinblick auf das Mobilitätshandeln. Sie sollen in Zukunft die digitalen Möglichkeiten des Verkehrs sinnvoll nutzen.

Mobilität muss bewusst und vernetzt genutzt werden

Die beste Möglichkeit der Steuerung wäre gegeben, wenn alle Verkehrsmöglichkeiten miteinander vernetzt sind. In der Roland Berger-Studie "Urbane Mobilität 2030: Zwischen Anarchie und Hypereffizienz" werden zudem zwei Strategien für ein zukunftsfähiges Mobilitätssystem vorgestellt. Demnach soll der Stadtverkehrs aktiv gesteuert und der Ausbau des ÖPNV vorangetrieben werden, etwa um der exzessiven Nutzung von Robot-Taxis entgegenzuwirken. 

Das sehen auch die Autoren des Beitrags Die Mobilität von Morgen – wie Städte profitieren können so, die auf ein Steuerung durch die Politik setzen: "Der ÖPNV spielt in der Stauprävention eine zentrale Rolle. Doch wenn die Verkehrsmittel zu selten oder zu langsam fahren oder aus anderen Gründen unbefriedigend sind‚ könnten Stadtbewohner auf günstige Shared Mobility 'on demand' umsteigen‚ was wiederum mehr Verkehr verursacht. Die Politik muss sicherstellen‚ dass der ÖPNV eine attraktive Alternative zum Individualverkehr bleibt."

Eine nachhaltige Mobilitätswende kann nur gelingen, wenn wir Mobilität in Zukunft bewusst und intelligent nutzen. Das bedeutet, dass wir uns nicht allein auf die Technik verlassen dürfen. Der Mensch sollte sich durch die smarte Steuerung nicht einfach nur entlasten. Er muss Entscheider bleiben.

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