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27.12.2017 | Mobilitätskonzepte | Im Fokus | Onlineartikel

Neue Wege für die städtische Logistik

Autor:
Stefan Schlott

Der boomende Onlinehandel sorgt für eine Verkehrsflut, zugleich fehlt innerstädtischer Raum für den Warenumschlag. Um Abhilfe zu schaffen, sind technische Innovationen gefragt.

So sehr sich der Onlinehandel einer stetig wachsenden Beliebtheit erfreut: Ein Drittel aller Konsumenten ist unzufrieden mit dem Service der Paketdienste. Die steigenden Lärm- und Schadstoffbelastungen in den Städten verschärfen die Problematik. Doch bislang fehlen ganzheitliche Konzepte, um die veraltete und ineffiziente städtische Logistik fit für die Zukunft zu machen. Zu diesen Ergebnissen gelangt die Studie  Aufbruch auf der letzten Meile – Neue Wege für die städtische Logistik der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. Sie stellt zugleich Lösungsansätze für Logistiker und Städte vor. Um das steigende Sendungsvolumen zu bewältigen und Kosten zu senken, müssten Logistikdienstleister an technischen Innovationen für die letzte Meile arbeiten. Doch dabei stünden sie vor dem Dilemma, dass Konsumenten Drohnen, Zustellroboter und Kofferraumbelieferung mehrheitlich kritisch sähen.

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Viel beliebter ist den Autoren zufolge Elektromobilität als umweltfreundliche und geräuscharme Alternative: Für 61 Prozent der Befragten sei die Auslieferung durch Elektrofahrzeuge oder Lastenfahrräder ein wichtiges Kriterium bei der Wahl ihres Onlinehändlers. 77 Prozent der mehr als 1000 befragten Bürger wünschen sich demnach mehr Anreize für Elektrofahrzeuge bei der Paketauslieferung. "Deshalb sollten Städte schnellstmöglich Anreize wie zum Beispiel die Aufhebung lokaler oder zeitbezogener Zufahrtsbeschränkungen etablieren. Sie müssen jetzt aktiv werden, um ihre Attraktivität als Standort bei Händlern, Logistikern und vor allem den Bürgern zu erhalten", empfiehlt Alfred Höhn, Leiter Öffentlicher Sektor bei PwC.

Lastenfahrräder und StreetScooter zur Feinverteilung 

Auch eine Forschungsgruppe der Frankfurt University of Applied Sciences befasste sich mit der Problematik. Das Forschungsprojekt Wirtschaftsverkehr 2.0 hat aktuelle und geplante Belieferungsstrategien der Kurierdienste analysiert und eine Stadtteiltypisierung sowie Handlungsempfehlungen für effizientere Belieferungsstrategien entwickelt. Das Projektteam definierte zunächst verschiedene Stadtteiltypen, die es nach den Kriterien Nutzung und städtebauliche Struktur einteilte; diese sind City, Mischgebiet, Wohnen, Gewerbe und Industrie. Auf Basis der Stadtteiltypen formulierte das Team unterschiedliche Handlungsempfehlungen für mögliche Belieferungsstrategien: Diese reichen vom Einsatz klassischer Diesel- oder Elektro-Nutzfahrzeuge bis hin zur Feinverteilung mit Lastenfahrrädern in Innenstadtgebieten. 

Wie die künftige Fahrzeugtechnik für derlei Aufgaben aussehen könnte, ist Thema des Kapitels Elektromobile Logistik von Achim Kampker, Christoph Deutskens, Andreas Maue und Ansgar Hollah im Fachbuch CSR und Logistik. Dort konstatieren die Autoren: 

Insbesondere in der letzten Meile Logistik in urbanen oder suburbanen Ballungsgebieten stellen umweltbezogene Fragestellungen wie lokale CO2-Emissionen und Lärmbelastungen erhöhte Anforderungen an die eingesetzten Transportmittel." 

Um die spezifischen Vorteile der Elektromobilität nutzen zu können, müssten maßgeschneiderte Fahrzeugkonzepte für den jeweiligen Aufgabenbereich entwickelt werden, da der Betrieb einer elektrifizierten Fahrzeugflotte durch Reichweitenbeschränkungen und hohe Anschaffungskosten andernfalls schnell unwirtschaftlich sein könne. Die Kooperation von Streetscooter mit Deutsche Post DHL dient im Folgenden als Beispiel, wie die Zukunft der elektromobilen Logistik gestaltet sein kann. Auf Basis eines modularen individualisierbaren Fahrzeugkonzepts wurde ein rein elektrisch angetriebenes Zustellfahrzeug für die Verbundzustellung aus Briefen und Paketen unter kontinuierlichem Einbezug der späteren Nutzer für die spezifische Anwendungssituation entwickelt.

Smartphone als zentrales Steuerinstrument

Wie die Schweizer Post mit der Problematik umgeht und welche Ideen dort für die Zukunft erprobt werden, ist Thema des Kapitels Smarte Logistik- und Mobilitätslösungen für die Stadt der Zukunft: Entwicklungsbeispiele der Schweizerischen Post im Fachbuch Smart City. Darin beschreiben Claudia Pletscher, Stefan Regli, Roman Cueni, Thierry Golliard und Edy Portmann eine Vielzahl an Einzelmaßnahmen, die auch hierzulande bekannt sind. Sie reichen von der Sendungsumleitung über Fahrradkuriere bis hin zu Packstationen. Das Besondere: Alle Dienstleistungen der schweizerischen Post sind nach Beobachtung der Autoren bereits heute miteinander verbunden und in digitale Technologien integriert. Vor allem das Smartphone spielt dabei als Schnittstelle zwischen den Kunden und diesen Dienstleistungen eine wichtige Rolle.

Logistik 4.0 für Industrie 4.0

Doch nicht nur der Onlinehandel, auch die neuen Wege in der Produktion fordern die Branche. "Industrie 4.0 braucht Logistik 4.0. Dazu muss der Verkehr anders organisiert und effizienter gestaltet werden", sagte der Vorstandsvorsitzende von MAN Truck & Bus, München, Joachim Drees auf einer Veranstaltung des Verbands der Automobilindustrie (VDA) im Vorfeld der Nutzfahrzeug-IAA 2016. Wie ich in meinem Beitrag Fahrzeugtechnik für Logistik 4.0 für die ATZ 2/2017 weiter zitiere, liegt der Hintergrund für Drees auf der Hand. Heute könne die Transportwirtschaft fast 35 Prozent ihres Frachtvolumens nicht oder nur unzureichend nutzen. Diese Auslastung zu steigern, sei eine zentrale Aufgabe der Logistik 4.0. Drees: "Leistungsstarke zentrale Planungssysteme reichen dazu nicht mehr aus." Unterstützung müsse vielmehr durch Transportdaten in Echtzeit sowie durch einfache und effektive Kommunikationslösungen kommen.

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