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05.03.2019 | Mobilitätskonzepte | Im Fokus | Onlineartikel

Flugtaxis sollen schon in sechs Jahren in Großstädten fliegen

Autor:
Christiane Köllner

Fliegende Autos kommen: Laut einer aktuellen Studie sind Flugtaxi-Pilotstrecken ab 2025 in Metropolen realistisch. Deutsche Autohersteller sind vorne mit dabei. 

Ohne Stau einfach schnell durch die Luft: Träumt nicht jeder Autofahrer davon, aus dem Feierabendstau in den freien Luftraum über unseren Köpfen zu entschweben? Bald könnte dieser Traum wahr werden. Bereits 2025 sollen Flugtaxis in großen Städten auf ersten, festgelegten Routen Passagiere befördern, prognostiziert die aktuelle Studie "Urban Air Mobility" der Managementberatung Horváth & Partners. Autonomes Fliegen und autonomes Fahren stünden Endkunden künftig parallel als neue Fortbewegungsart zur Verfügung. Dies gelte den Studienautoren zufolge auch für den deutschen Markt. 

Für den Flugtaxi-Boom sprechen laut Studie, dass der Luftverkehr – trotz strenger Sicherheitsauflagen für den Luftraum – deutlich einfacher zu kontrollieren sei, weil es im Gegensatz zur Straße keinen Individualverkehr gebe. In zahlreichen Städten weltweit werden bereits Teststrecken für Flugtaxis eingerichtet. Zudem sei die Akzeptanz der Bevölkerung laut Studie bei selbstfliegenden Passagierdrohnen höher als bei selbstfahrenden Autos. Mit Transporten in der Luft ließen sich auch die Größenordnungen des Flächenbedarfs von Straßenfahrzeugen nochmals signifikant reduzieren, wie Markus Schöttle in seinem Report Urbane Mobilität – Indikatoren eines Trends aus der MTZ 11/2018 erklärt. 

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Auch die Politik sieht die Chancen, die sich durch Flugtaxis eröffnen: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat jüngst ein Förderprogramm für die Entwicklung und Erprobung von Drohnen und Flugtaxis ins Leben gerufen. Ziel des Aktionsplans, der in den kommenden Monaten im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) erarbeitet wird, ist ein Gesamtkonzept für saubere, sichere und effiziente unbemannte Luftfahrt. Flugtaxis sieht er vor allem im ländlichen Raum als ein Fortbewegungsmittel der Zukunft. Drohnen helfen, so Scheuer, besonders beim Transport von Medizingütern und Paketen, aber auch Rettungskräften bei ihren Einsätzen. Das Förderprogramm hat ein Volumen von 15 Millionen Euro und läuft über vier Jahre. Aachen, Hamburg, Ingolstadt, die Region Nordhessen und die Grenzregion Enschede-Münster sollen Pilotregionen für innovative Luftmobilität werden. 

Autohersteller genießen Vertrauensvorschuss in der Bevölkerung

Dass Flugtaxis keine Hirngespinste kleiner Start-ups mehr sind, zeigen die Projekte großer Firmen aus der Mobilitäts- und Technologiebranche. Im Wochentakt vermelden Unternehmen erfolgreiche Jungfernflüge. Audi und Airbus haben gemeinsam ein modulares Flugauto entwickelt, Daimler ist am Pionier-Start-up Volocopter beteiligt, und das Urban Air Vehicle des US-amerikanischen Flugzeugbauers Boeing hat jüngst seinen ersten Testflug gemeistert. Der Flughafen in Frankfurt/Main bereitet sich sogar schon auf Starts und Landungen von Flugtaxis vor.

Die Kooperation von Airbus und Audi sei laut der Analysten besonders erfolgversprechend. Denn Automobilhersteller werden als Anbieter von Lufttaxis gegenüber Luftfahrtunternehmen von der Bevölkerung bevorzugt. "Automobilhersteller punkten durch Markenbekanntheit, Kundennähe und vielfache positive Erfahrungen in punkto Qualität und Sicherheit. Gerade deutsche Premiumhersteller verfügen hier über einen Vertrauensvorschuss", so Guffarth. 

Langfristig sollen autonomes Fahren und autonomes Fliegen dem Experten zufolge ohnehin zu einem Gesamtmarkt "autonome Mobilität" verschmelzen, da Anbieter eine Beförderung von A nach B dem Kunden gegenüber als ganzheitliches Mobilitätsangebot präsentieren werden. Marktteilnehmer mit langfristig guten Erfolgsaussichten benötigen also idealerweise in beiden Bereichen ein Standbein.

Bis 2050 steigen die Flugstunden auf neun Milliarden an

In einer ersten Phase sollen sich Flugtaxis laut der Studie ab 2025 in Großstädten ab zehn Millionen Einwohnern und in Metropolregionen mit ähnlicher Bevölkerungsdichte etablieren. In Deutschland könnten sich Pilotstrecken auf stark strapazierten Pendlerstrecken durchsetzen, zum Beispiel in der Rhein-Ruhr-Region. Generell seien in Deutschland neben innerstädtischer Mobilität auch Stadt-Land- oder Stadt-Stadt-Verbindungen zur Entlastung des Berufsverkehrs von hoher Relevanz. Ein Großteil der täglich 2.000 Staus – ein neuer Rekordwert aus dem Gesamtjahr 2018 – entfallen demnach auf den Berufsverkehr.

In einer zweiten Phase ab 2035 soll es Regelstrecken für den Transport mehrerer Personen pro Flugkapsel in nahezu jeder Metropole geben. 125 Millionen Stunden werden Flugtaxis den Berechnungen von Horváth & Partners zufolge im Jahr 2035 bereits in der Luft sein. Bis 2050, wenn der öffentliche Personennahverkehr mit Flugtaxis auch in kleineren Städten mit bis zu 600.000 Einwohnern Normalität sein wird, sollen die Flugstunden der Studie zufolge auf neun Milliarden Stunden ansteigen.

Flugvermittlung und Services versprechen große Profite

Mit dem Anstieg der Flugtaxi-Nutzung wird die sogenannte "Urban Air Mobility" zu einem immer größeren Geschäft. Die Analysten von Morgan Stanley Research prognostizieren, dass bis 2040 ein Markt für autonome Flugzeuge von rund 1,3 Billionen Euro entstehen könnte. Vor allem mit der Flugvermittlung und begleitenden Services soll sich das meiste Geld verdienen lassen, wie die Experten von Horváth betonen. Zusatzservices sind demnach etwa die Beförderung zu oder von den Flugtaxihaltestellen sowie Gastronomie- und Entertainmentangebote innerhalb der Flugkapseln.

"Im Premium-Segment, also der Einzelbeförderung in komfortabel ausgestatteten Kapseln, haben deutsche Automobilhersteller durch ihre Kundenbasis aber auch im Vermittlungsgeschäft gute Chancen, gerade in Europa", sagt Horváth-Experte Daniel Guffarth. Neben Asien mit Ozeanien und den USA sei das Marktpotenzial für "Urban Air Mobility" auch in Europa überdurchschnittlich hoch, wie die Horváth-Studie zeige. "Im weltweiten Massengeschäft wird sich aber wahrscheinlich ein globaler Technologiekonzern mit einer werbefinanzierten Plattform durchsetzen".

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