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03.04.2018 | Mobilitätskonzepte | Nachricht | Onlineartikel

ÖPNV ohne Haltestelle

Autoren:
Patrick Schäfer, Christiane Brünglinghaus

Busfahren on demand: Das von DLR und Partnern entwickelte, bedarfsorientierte Buskonzept ohne Haltestellen ist gestartet. Über digitale Lösungen werden Busse effizient ausgelastet und kommen direkt zum Fahrgast.

Der Bus kommt an den gewünschten Abholungsort und zwar genau dann, wenn man ihn braucht. Das ist in der baden-württembergischen Stadt Schorndorf seit dem 10. März 2018 Wirklichkeit. Im Zuge des Projekts "Reallabor Schorndorf" haben Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gemeinsam mit Partnern den Pilotbetrieb eines bedarfsorientierten, digital gestützten Buskonzeptes gestartet. Es kommt ohne feste Haltestellen aus und soll den Nahverkehr an die individuellen Ansprüche der Nutzer anpassen. Zu den Partnern der DLR-Verkehrswissenschaftler gehören die Stadt Schorndorf, der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS), Knauss Linienbusse, die Hochschule Esslingen sowie das Zentrum für interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung (ZIRIUS) der Universität Stuttgart.

Flexibler, attraktiver und nachhaltiger Nahverkehr

"Ziel des Projekts ist es, gemeinsam mit den Schorndorfer Bürgerinnen und Bürgern ein zukunftsweisendes und gleichzeitig praktikables Mobilitätskonzept zu entwerfen und damit die Attraktivität des öffentlichen Personennahverkehrs weiter zu steigern", fasst Matthias Klötzke, Projektkoordinator des Reallabors Schorndorf und DLR-Wissenschaftler im Bereich Verkehr, zusammen. "Wir wollen möglichst flexibel und nah am Bedarf der Nutzer vor Ort sein, dabei aber auch durch die Wahl optimaler Routen und die Vermeidung unnötiger Fahrten den Ressourceneinsatz optimieren", so Klötzke weiter.

Als Mittelstadt im Ballungsraum Stuttgart stehe Schorndorf exemplarisch für eine Raumstruktur, die in Baden-Württemberg weit verbreitet und deren prägendes Merkmal der Pendelverkehr zwischen Zentrum und Umland ist, erklären die Forscher. Vor allem außerhalb der Hauptverkehrszeiten werde der öffentliche Nahverkehr oft als zu wenig flexibel empfunden. Gleichzeitig wünsche sich die Bevölkerung mehr Einfluss auf die Verkehrsplanung. Hier will das Reallabor Schorndorf ansetzen: Ein individuell abrufbares Quartiersbussystem soll die Hauptverkehrsverbindungen in Zeiten schwächerer Nachfrage flexibel ergänzen.

Drei Forschungsschwerpunkte

"Da wir für das Quartiersbussystem auf feste Haltestellen, Linien und Fahrpläne verzichten, quasi Busfahren on demand anbieten, ergeben sich ganz neue Herausforderungen, zum Beispiel was die Kommunikation zwischen Fahrgast, Busfahrer und Leitstelle betrifft", beschreibt DLR-Forscher Matthias Klötzke. Fahrgäste können per Smartphone-App, Heimcomputer oder Telefon sowie insgesamt 13 teilnehmende Einrichtungen, Geschäfte, Restaurants und Cafés ihre Fahrtwünsche übermitteln. Dafür bekommen sie die reale Abholzeit sowie den Ort mitgeteilt. Neben den üblichen Haltestellen sind mehr als 200 virtuelle Haltepunkte möglich. Dadurch reduziert sich die Wegstrecke zur nächsten Haltestelle für die Nutzer auf auf 150 bis 200 Meter. Der Bus fährt nur noch dann, wenn er benötigt wird. 

Auf Basis der Ergebnisse des Tests wollen sich die Wissenschaftler auch über innovative Fahrzeugkonzepte Gedanken machen, die den Anforderungen eines bedarfsorientierten Buskonzepts am besten gerecht werden: Größe, Zahl der Sitzplätze und Innenraumgestaltung sollen dabei ebenso einfließen wie Fragen nach der geeigneten Antriebstechnologie, dem Energieverbrauch und Emissionen.

Der Aspekt der Partizipation bildet einen weiteren Forschungsschwerpunkt des Reallabors. Von Anfang an sollen die Schorndorfer Bürger und kommunalen Gremien in die Arbeit der Wissenschaftler einbezogen werden, beispielsweise mittels öffentlichen Informationsveranstaltungen, Befragungen, Testnutzern und Mobilitätswerkstätten. Auf diese Weise wollen die Projektpartner das vorhandene Wissen der Bürger nutzen, Wünsche und Anforderungen erfassen und umsetzen sowie die Akzeptanz und Transparenz des Projekts fördern.

Hintergrund: Reallabor Schorndorf

Das "Reallabor Schorndorf: Zukunftsweisender Öffentlicher Verkehr - Bürgerorientierte Optimierung der Leistungsfähigkeit, Effizienz und Attraktivität im Nahverkehr (Boolean)" ist eines von sieben Forschungsprojekten, die gefördert vom baden-württembergischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst zukunftsfähige Lösungen für Herausforderungen in Ballungsräume erproben. In den Reallaboren stoßen Wissenschaftler zusammen mit Kommunen, Unternehmen und Bürgern Veränderungen in der Stadt an und untersuchen diese. Das Reallabor Schorndorf erhält eine Förderung von rund 1,2 Millionen Euro über eine Projektlaufzeit von drei Jahren.

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