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02.09.2019 | Mobilitätskonzepte | Kommentar | Onlineartikel

Von der Automesse zum Debattenforum

Autor:
Christiane Köllner

Die IAA schrumpft, Hallen bleiben leer. Große Hersteller haben abgesagt. Die Automesse braucht unbedingt ein neues Konzept, sonst wird sie an Bedeutung verlieren.

Zahlreiche Hersteller haben bereits im Vorfeld der IAA abgewunken. Vor allem die Asiaten bleiben der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA), die vom 12. bis 22. September 2019 in Frankfurt am Main stattfinden wird, fast komplett fern. Neben dem japanischen Autohersteller Honda sind nur noch die Koreaner von Hyundai vor Ort. Auch fast kein Hersteller aus Frankreich wird am Main vertreten sein. Somit fehlen Nissan, Toyota, Mazda, Mitsubishi und Suzuki ebenso wie Alpine, Peugeot, Citroen oder DS.

Und hier hört die Liste der Absagen noch nicht auf: Von Volvo tritt lediglich die Elektro-Submarke Polestar mit ihren Neuheiten an. Auch Fiat-Chrysler (FCA) und die GM-Marken Cadillac und Chevrolet stellen nicht unter dem Frankfurter Messeturm aus. Luxusmarken wie Aston Martin, Lexus, Maserati, Ferrari oder Rolls-Royce haben sich auch gegen die IAA entschieden. Tesla ist nur im Rahmen des IAA-Test-Drives dabei. Auch Kia und Dacia bieten lediglich Probefahrten mit Modellen auf den Freiflächen vor den Hallen an. Renault hat zwar keinen eigenen Stand, zeigt aber trotzdem seine Modelle Captur und Zoe im Rahmen einer Presse-Präsentation. Ein paar kleine Unternehmen aus Asien werden es auch zur Messe schaffen. So hat etwa das Elektro-Start-up Byton einen Messeauftritt angekündigt. 

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Klassischen Automessen lassen Federn

Die Tendenz ist eindeutig: Die klassischen Automessen müssen Einbußen hinnehmen. Die Gründe für die zahlreichen Absagen sind vielfältig. So wird der konjunkturelle Wind rauer: Die Pkw-Absatzzahlen hinken hinter den Erwartungen zurück, von den Märkten Europa, USA und China gehen derzeit keine Wachstumsimpulse aus. Die Handelskonflikte und der Brexit tun ihr Übriges. Doch die Gründe für den Bedeutungsverlust der Messen sie sind nicht nur in der prekären Lage der Autoindustrie zu suchen. Die Stände auf der IAA kosten viele Millionen Euro. Für die Autokonzerne stehen diese Ausgaben oftmals in keinem Verhältnis zum Nutzen. Zumal das Geldverdienen nicht leichter geworden ist und gleichzeitig riesige Investitionen in neue Technologien notwendig sind. 

Zum anderen verliert die typische Automesse als solche seit Jahren an Bedeutung. Das trifft auf die IAA zu und gilt genauso für die Messen in Detroit, Paris oder Genf. Den meisten Kunden sind die Neuheiten bereits im Vorfeld der Shows bekannt. Große Überraschungen bleiben auf den Messen selbst oft aus. Die meisten Autobauer zeigen ihre wirklich wichtigen Neuheiten lieber in Eigenregie auf exklusiven Events oder Spezialmessen wie etwa der CES in Las Vegas. Ansonsten konzentrieren sich die PR-Budgets verstärkt auf die digitale Welt und mediale Reichweite durch Social-Media-Aktivitäten. Im Vergleich dazu wirken die Automessen nahezu statisch. 

Interessante Fahrzeuge trotz Konjunkturflaute 

So wundert es nicht, dass das Frankfurter Messegelände längst nicht ausverkauft ist. Während die Zahl der Aussteller um ein Fünftel auf 800 im Vergleich zu 2017 gesunken ist, schrumpft die Ausstellungsfläche um 16 Prozent auf 168.000 Quadratmeter. In nur noch wenigen Hallen werden neue Fahrzeuge gezeigt, in denen die deutschen Konzerne mit einigen internationalen Einsprengseln fast unter sich bleiben werden. So sind es dieses Mal vor allem die deutschen Hersteller, die die Messe dominieren werden, auch wenn die großen Heimspieler wie BMW und Mercedes nach Medienberichten ihr IAA-Engagement deutlich zurückgeschraubt haben. Zu den Herstellern gesellen sich wie in den Vorjahren noch zahlreiche Zulieferer, wie etwa Bosch, die ein neues 3-D-Fahrzeugdisplay zeigen, und Elring Klinger, die ein Brennstoffzellen-Stack entwickelt haben, oder auch Bertrandt, die ein Labeling-Tool zur Annotation von Sensordaten präsentieren.

Trotz bewölkten Konjunkturhimmel wird es auch zahlreiche interessante Fahrzeuge zu sehen geben, vor allem von heimischen Herstellern. Obwohl der PSA-Konzern nicht auf der IAA vertreten ist, darf sich die PSA-Tochter Opel auf der IAA präsentieren. So zeigen die Rüsselsheimer den überarbeiteten Opel Astra, den neuen Corsa und Corsa-e sowie den Opel Grandland X Hybrid4. BMW ist mit der dritten Generation des 1er, dem BMW 3er Touring und der dritten Generation des BMW X6 vertreten. Bei Audi kann man den Audi RS6 Avant, die Sportmodelle S6 und S7, das SUV-Coupé Audi Q3 Sportback sowie den A1 Citycarver sehen. Mercedes-Benz präsentiert sein neues siebensitziges SUV GLB, den neuen CLA Shooting Brake, die A-Klasse, den Mercedes-AMG GLC 43 4Matic, das Mercedes-Benz GLE Coupé, die Mercedes-AMG-Modelle A 45 4matic+ und CLA 45 4matic+, den Elektro-Van Mercedes-Benz EQV und vielleicht die finale Version des Hypercars One von Mercedes-AMG

Mit großer Spannung erwartet wird vor allem die Enthüllung des VW ID.3, der bislang nur in blauroter Popart-Verschleierung öffentlich gezeigt wurde. Volkswagen ist zu dem mit dem neuen T-Roc Cabriolet auf der Messe präsent. Der batterieelektrische Sportwagen Porsche Taycan wird in Frankfurt ebenfalls zu sehen sein, so auch Edags autonomer Citybot. Weitere interessante Modelle in Frankfurt sind der Honda E, der Ford Puma, der Land Rover Defender, der Hyundai Kona Hybrid sowie der Hyundai i30 N und i10.

Vier neue Formate

Doch einfach nur Fahrzeuge zu präsentieren, wird in Zukunft nicht mehr ausreichen. Die Automesse muss sich verändern und dem Schwund an Herstellern mit einem neuen Konzept begegnen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hat als Ausrichter der Messe bereits reagiert. Nach Vorstellung des Verbands soll sich die IAA von einer reinen Produktschau hin zu einem Diskussionskongress entwickeln. Dazu sollen mehrere Debattenbühnen die IAA digitaler und interaktiver machen. Was darunter zu verstehen ist, hat VDA-Präsident Bernhard Mattes auch bei der traditionellen Pressekonferenz im Vorfeld der Automobil-Ausstellung am 2. September 2019 erläutert. "Es geht nicht mehr allein um Modellpremieren, es geht um das gesamte neue Ökosystem der Mobilität", so Mattes. Die IAA soll durch ihre qualitative Breite und Vielfalt der Themen die Messe so attraktiv machen, dass diejenigen, die aus unterschiedlichen Gründen dieses Jahr nicht vor Ort sind, beim nächsten Mal in Frankfurt wieder dabei sind. Man sei nicht mehr nur Autohaus, sondern der "international wichtigste Leitevent der Mobilität der Zukunft", so Mattes.

Und so erleben die IAA-Besucher in diesem Jahr vier neue Formate auf der IAA, wie Mattes im Grußwort zum ATZextra IAA 2019 genauer erläutert. Die IAA Conference soll ein "wesentlicher Pfeiler der neuen IAA" sein, und zwar "mit Top-Speakern und Paneldiskussionen", liest man auch in einer VDA-Mitteilung zur Neugestaltung der Messe. Auf vier Bühnen sollen die Ideen zur Zukunft der Mobilität debattiert werden. Digitale Themen und Elektromobilität stehen hier besonders im Fokus. Die IAA Exhibition zeigt indes Weltpremieren, die IAA Experience soll Fahrerlebnisse bieten, zum Beispiel mit Outdoor- und E-Bike-Parcours oder Probefahrten. Die IAA Career richtet sich an Studierende, Berufseinsteiger und Professionals. 

Mobilitätswende geschafft?

Unter dem Slogan "Driving Tomorrow" will sich die IAA als Zentrum der Mobilitätswelt von morgen positionieren. Doch Halt! Driving Tomorrow? Ausgerechnet wichtige Vertreter der Elektromobilität sind nicht dabei, wie Nissan, Tesla als Aussteller oder die Elektro-Start-ups e.Go Mobile, Sono Motors oder Uniti. Auch Japans großer Hybrid- und Wasserstoff-Pionier Toyota fehlt. Allenfalls die Keynote-Speaker wie IBM-CEO Virgina Rometty oder Waymo-CEO John Krafcik stehen für die Transformation der Automobilindustrie und verleihen der IAA internationales Flair. Hochrangige Vertreter aus dem Top-Management von Facebook, Microsoft, Apple oder Uber fehlen.

Ob die IAA mit dieser Ausrichtung ihren Anspruch, eine Plattform für die Mobilitätswende zu sein, einlösen kann, bleibt abzuwarten. Druck, dieses Ziel zu erreichen, kommt dieses Jahr jedenfalls auch von außen. Zahlreiche Umweltschutzorganisationen haben Aktionen angekündigt, um für saubere Luft in Städten, den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor und für klimaneutralen Verkehr zu demonstrieren. Mit Diskussionsveranstaltungen am 5. und 13. September in Berlin und Frankfurt will die Autobranche mit ihren Kritikern ins Gespräch kommen, wie der VDA-Präsident Mattes angekündigt hat. Keine Frage: Der IAA hat zwar wichtige Aussteller verloren, aber durch die geplanten Proteste von Umweltschützern könnte sie dieses Jahr stärker denn je ins Blickfeld rücken. 

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