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17.01.2017 | Mobilitätskonzepte | Interview | Onlineartikel

"Ist die domänen-orientierte Unternehmensstruktur noch das Ideal?“

Autor:
Dipl.-Ing. Michael Reichenbach
Interviewt wurde:
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Lutz Eckstein

ist seit 2010 Leiter des Lehrstuhls und Instituts für Kraftfahrzeuge (ika) der RWTH Aachen University.

IT-Unternehmen wie Apple und Google fordern die etablierten Fahrzeughersteller heraus. Professor Lutz Eckstein, Direktor des ika, erklärt im Interview, warum es im Silicon Valley nicht immer offen und locker zugeht.

ATZ_Springer Professional: Herr Professor Eckstein, Automobilhersteller, also traditionsreiche "Stahl und Eisen"-Unternehmen wie BMW, Daimler und Volkswagen müssen eine neue, lockere und offene Firmenkultur à la Apple und Google in ihre Abteilungen bringen, um bei der Digitalisierung mitspielen zu können. Wie könnte die Roadmap aussehen?

Eckstein: Zunächst möchte ich anmerken, dass wir über unsere Außenstelle im Silicon Valley nicht unbedingt den Eindruck gewonnen haben, dass die Firmenkultur bei diesen IT-geprägten Unternehmen immer offen und locker ist: Hinter der "Fassade" herrscht ein enormer Druck, eine mit hohen Gehältern honorierte Leistung zu bringen, denn Enttäuschung wird von einem auf den anderen Tag durch Entlassung quittiert. Aber natürlich müssen sich die etablierten Fahrzeughersteller der Herausforderung stellen, die Chancen der Digitalisierung konsequent zu nutzen und die dazu notwendigen Kompetenzen, Prozesse und Strukturen weiter auszubauen. Dabei stehen die Chancen nicht schlecht, denn die etablierte Automobilindustrie hat beispielsweise viel Erfahrung mit der Entwicklung und Absicherung sicherheitsrelevanter Funktionen. Dabei profitiert sie von einer deutlich nachhaltigeren Personalpolitik und einer hervorragenden Interaktion mit Universitäten und Forschungseinrichtungen, wie man sie weder in den USA noch in Asien findet. Die von Ihnen angesprochene Roadmap wird sich sicher im Detail zwischen Herstellern unterscheiden – auf der Fahrspur "Personal" wird aber bei allen das Thema der Qualifikation eine entscheidende Rolle spielen, was wiederum eine starke Brücke zu den Hochschulen erfordert. 

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Vier Marktkräfte sind es, die sich aus unterschiedlichen Richtungen und mit verschiedenen Geschäftskompetenzen allmählich zu einer Mobilitätsindustrie entwickeln. Neben den Fahrzeugherstellern sind das die Technologie- und Elektronikunternehmen, die öffentlichen Verkehrsunternehmen und die Mobilitätsdienstleister.

Was lernen Kfz-Ingenieure von IT-Experten und App-Entwicklern? Gilt dieser Prozess auch andersherum? Welche Strukturreformen sind in den Autofirmen erforderlich?

Grundsätzlich wird die Fähigkeit, in interdisziplinären Teams zu arbeiten, von entscheidender Bedeutung sein. Dazu muss jeder verstehen, welchen Beitrag die jeweils anderen Disziplinen zur Definition, Entwicklung, Absicherung und Umsetzung geeigneter Konzepte leisten können. Es stellt sich konkret die Frage, ob die etablierte, domänen-orientierte Unternehmensstruktur das Ideal der Zukunft ist. Wir denken schon heute das Fahrzeug in drei Ebenen: Die Basis ist mechanisch-strukturell geprägt, adressiert Festigkeit, Steifigkeit, Leichtbau und NVH durch eine geeignete geometrische und stoffliche Gestaltung. Die zweite Ebene widmet sich der energetischen Gestaltung, das heißt der Speicherung, dem Transport und der Wandlung aller Energieformen – nicht nur im Hinblick auf den Antrieb, sondern auch in Bezug auf die thermische Konditionierung von Komponenten und Innenraum bis hin zu den Energieflüssen, die für Informationsverarbeitung und -austausch erforderlich sind.

Und wie müssen wir uns die Aspekte der dritten Ebene vorstellen?

Zum letzteren gilt es, das Fahrzeug auf der logischen Ebene derart zu gestalten, dass die intendierte Funktion mit all ihren Anforderungen effizient und sicher dargestellt, abgesichert und gegebenenfalls aktualisiert werden kann. Einzelne Unternehmen haben sich schon in diese Richtung entwickelt. Eine konsequente Umsetzung dieses Konzepts fände ich persönlich sehr spannend und erfolgversprechend.

Herr Professor Eckstein, vielen Dank für das informative Gespräch.

Mehr vom Interview können Sie in der ATZ 3-2017 lesen, die am 24. Februar 2017 erscheinen wird.

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